Nachrichten

Ifo-Index im Mai unerwartet stark · 23. Mai 2017

Stimmung unter Top-Managern so gut wie seit 1991 nicht mehr

boerse-froehlich-detail
Monkey Business Images / Shutterstock.com
Die Stimmung in den Chefetagen ist so gut wie seit über einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Der Geschäftsklimaindex kletterte im Mai unerwartet deutlich um 1,6 auf 114,6 Punkte.

Ifo-Chef: Deutsche Konjunktur zeigt eine hohe Schlagzahl

Dies ist zugleich der höchste Stand seit 1991, teilte das Ifo-Institut mit. Marktteilnehmer hatten zuvor zwar mit einer weiteren Verbesserung der Stimmung gerechnet, aber nur einen Stand von gut 113 erwartet. Die Stimmung unter den 7000 befragten Managern ist also ungebrochen optimistisch. Dabei beurteilen die befragten Führungskräfte nicht nur die aktuelle Geschäftslage besser, sondern auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate, ein klares Indiz für die derzeitige Stärke der deutschen Konjunktur.

Frankreich Wahl hilft

Nach Aussagen des Ifo-Instituts war es zuletzt auch der Wahlausgang in Frankreich, der zum insgesamt positiven Stimmungsbild beigetragen hat. Die Europäische Union würde deutlich robuster wahrgenommen werden, ohne den politischen Druck wie vor einem Jahr.
Mit Blick auf die verschiedenen Branchen habe sich, so dass Ifo-Institut weiter, das Klima insbesondere im Großhandel, in der Baubranche sowie in der Industrie aufgehellt. Dagegen hätte sich nur im Einzelhandel die Stimmung etwas eingetrübt. Viele Unternehmen würden eine weitere Produktionsausweitung planen und auch die Preise dürften weiter steigen.
Deutschland erlebt also auch weiterhin eine Art Sonderkonjunktur, angetrieben von zu niedrigen Zinsen und einer insgesamt zu schwachen Währung, die auch den Export weiter befeuert. Erst gestern unterstrich sogar die Bundeskanzlerin, dass der Euro für deutsche Verhältnis zu schwach bewertet sei und verhalf der Gemeinschaftswährung damit über die Marke von 1,12.

Ökonomen kritisch - USA schwächeln

"Allzeithoch - das ist eine tolle Nachricht", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Aber mal ehrlich: Befindet sich auch die deutsche Konjunktur auf einem Allzeithoch? Wohl kaum." Die Bundesregierung erwartet in diesem Jahr ein Wachstum von 1,5 Prozent. 2018 sollen es 1,6 Prozent sein.
"Wenngleich es derzeit für das Wachstum gut aussieht, für einen Boom reicht es nun aber doch nicht", sagte auch der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Wir sollten uns darauf einstellen, dass es in den kommenden Monaten in den Rückwärtsgang geht." In den USA - der wichtigsten Triebfeder der Weltkonjunktur - habe sich die Konjunkturstimmung deutlich eingetrübt. "Trotz der guten Lage und Stimmung sollte deshalb nicht gleich in Euphorie ausgebrochen werden", sagte Gitzel. "Bekanntlich heißt es ja: 'Hochmut kommt vor dem Fall'."

Ausblick: freundlich

Weitere Treiber für die heimische Konjunktur sind der anhaltende Bauboom, die nach wie vor konsumfreudigen Verbraucher sowie die insgesamt robuste Weltkonjunktur. All dies zusammengenommen stellt sich ein fast perfektes Bild ein. Dabei wirkt die Wachstumszahl zum ersten Quartal beinahe bescheiden, lag sie doch bei nur + 0,6 Prozent. Aber auch dies muss wieder in Relation gesehen werden. Europas größte Volkswirtschaft wuchs damit immerhin dreimal so stark, wie die der USA.