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Gastbeitrag Commerzbank Research · 23. Mai 2017

Trump möchte 4,3 Bio. USD einsparen – das sind die Folgen!

Quo vadis Dollar?
Quelle: olvius /Shutterstock
Über die nächsten 10 Jahre will Präsident Donald Trump unter anderem bei der Krankenversicherung und sozialen Projekten 4,3 Billionen USD sparen. Aber sind die Sparmaßnahmen wirklich so einfach umzusetzen?

Schlagzeilen macht heute die etwas detaillierte Ausführung der Pläne der neuen US-Regierung zum Haushalt der kommenden Dekade. Über die nächsten 10 Jahre will Präsident Donald Trump 4,3 Bio. USD einsparen. Neben der Tatsache, dass ein großer Batzen davon auf die Krankenversorgung der Armen (Medicaid) und Kinder sowie zahlreiche andere sozialer Programme fällt, basiert knapp die Hälfte der Einsparungen auf der Annahme, dass Steuersenkungen und Anpassungen des Sozialsystems das Wirtschaftswachstum ankurbeln und dadurch wiederum positive Effekte auf den Haushalt haben. Dafür müsste die Wirtschaft aber um mindestens 3% pro Jahr wachsen, also deutlich über dem derzeitigen Potentialwachstum. Eine kühne Annahme. Und es würde letztendlich auch eine straffere Geldpolitik nach sich ziehen. Doch warten wir erst einmal ab: der Haushaltsentwurf wird noch einige Anpassungen sehen, und auch wenn er sehr „republikanisch“ ist, ist nicht sicher, dass der Kongress ihn verabschiedet. Auf ihn zu bauen, wenn es um Zinserwartungen geht, wäre verfrüht.
Wer sich heute Abend von den FOMC Minutes vom 3. Mai Neuigkeiten erhofft, wird auch enttäuscht werden. Bereits im Statement fehlten Anfang des Monats Hinweise zum Timing zukünftiger Zinsschritte. Die damaligen Informationen waren recht spärlich: das schwache Wachstum im ersten Quartal war ein Ausreißer, ansonsten recht positive Sicht der Dinge, Inflation nahe am Inflationsziel. Die Tür für einen Schritt im Juni blieb offen. Wirklich mehr Einblicke werden die Minutes kaum liefern. Der Großteil der Markteilnehmer rechnet nach wie vor mit einem Schritt im Juni, auch wenn sich jüngst einige FOMC Mitglieder (u.a. Brainard) schon wieder vorsichtiger anhörten. Sofern nichts Unerwartetes an den Finanzmärkten passiert oder ihre Einschätzung der Inflationsentwicklung dreht, sollte die Fed daran festhalten, in drei Wochen zur Tat zu schreiten. Ein, zwei Tage Schwäche an den Aktienmärkten sind kein valides Gegenargument, ebenso wenig Skandale rund um den US-Präsidenten, und der derzeitige Dollarkurs schon gar nicht. Spannender ist vielmehr, was die Fed danach machen wird. Im Juni erhalten wir die neuen Dot Plots – und damit mehr Hinweise, wie der zukünftige Zinspfad aussehen wird. Dabei wird die Frage um die Reduzierung der Fed-Bilanz immer größeren Raum einnehmen. Denn die Fed hat versprochen, in den kommenden Monaten nach und nach mehr Informationen zu liefern. So könnte sie beispielsweise im September nochmals die Fed Funds Rate erhöhen, im Dezember aber mit dem Argument aussetzen, dass sie mit der Reduzierung der Bilanz beginnt. Normalisierungsprozess hin oder her: solange es vor der nächsten FOMC-Sitzung keine für den Markt überzeugenden Worte gibt, bleibt er skeptisch, was die zukünftigen Zinserwartungen des FOMC anbelangt. Entsprechend schwer wird es der Dollar haben, Boden gut zu machen.

Quo vadis Euro / US-Dollar?

Die Flut an positiven Daten aus der Eurozone gestern verhalf dem Euro nur zu einem Zwischenhoch knapp unter 1,1270. Zwar fühlt sich der Markt mit einem recht festen Euro wohl, denn er sieht kurzfristig keine überzeugenden Argumente für sehr starke Dollargewinne, aber die Luft nach oben ist dünn. Denn es zeichnet sich auch nicht ab, dass die EZB von ihrer Haltung abrückt, zuerst zu tapern und danach einen ersten Zinsschritt in Betracht zu ziehen, was Benoît Coeuré gestern erneut bekräftigte und auch Mario Draghi heute auf seiner Rede in Madrid wieder betonen dürfte. Das bedeutet, dass der Markt mit seinen Zinserwartungen zu weit gelaufen ist. Ich denke, dass nach dem gestrigen Hoch Gewinnmitnahmen den Euro den Rest der Woche erst einmal im Zaum halten werden.

Bleibt Bank of Canada bei neutraler Haltung?

Die Bank of Canada (BoC) hat keine Veranlassung, heute an ihrer neutralen Haltung etwas zu ändern. Zwar präsentierte sich das Wachstum zuletzt besser als von ihr erwartet, aber die Wirtschaft sieht sich nach wie vor großen Herausforderungen gegenüber. Die BoC dürfte daher noch abwarten, um sicherzustellen, dass der positive Wachstumspfad auch nachhaltig ist. Die Tatsache, dass die US-Regierung jüngst Strafzölle auf Holzimporte aus Kanada eingeführt hat und eine Neuverhandlung des NAFTA-Abkommens anstrebt, rechtfertigt die Sorgen der BoC. Schließlich könnten protektionistische Maßnahmen des großen Handelspartners den Ausblick für die heimische Exportwirtschaft erheblich eintrüben, ungeachtet der Tatsache, dass sich der CAD auf vergleichsweise niedrigen Niveaus gegenüber dem Dollar befindet. Außerdem rechnet die BoC damit, dass die Inflation, die zu Jahresbeginn aufgrund der gestiegenen Energiepreise genau in der Mitte des Inflationsziels von 1-3% lag, in den kommenden Monaten wieder nachgibt. Gleiches gilt für ihre verschiedenen Maße der Kerninflation. Kurzum: trotz zuletzt positiver Signale seitens der Wirtschaft wird die BoC die erheblichen Unsicherheiten für Wachstum und Inflation hervorherben, um ihre unverändert expansive Haltung zu rechtfertigen. Da kaum jemand mit einem anderen Ausgang der Zinssitzung rechnet, dürfte der Effekt auf den CAD begrenzt sein.