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Gastbeitrag Commerzbank Research · 26. Mai 2017

Trump und die deutschen Handelsbilanzüberschüsse

Trump beklagt dt. Exportüberschuss
Quelle: Jiri Hera / Shutterstock
US-Präsident Donald Trump schimpft mal wieder über den deutschen Handelsbilanzüberschuss. Dabei sind ihm insbesondere deutsche Autos ein Dorn im Auge. Aber ist Trumps Bewertung wirklich sinnig?

-Von Ulrich Leuchtmann (Leiter Devisenanalyse, CM Research)-
„Böse, sehr böse“ seien die Deutschen (oder ihre Handelsbilanzüberschüsse, je nach Quelle). Das ist der Vorwurf den – wenn wir Presseberichten trauen dürfen – US- Präsident Donald Trump vor EU-Vertretern äußerte. Insbesondere die deutschen Autos in den USA scheinen Trump ein Dorn im Auge zu sein. Nun zwingt – soweit ich weiß – kein deutscher Automobilhersteller seine ausländische Kundschaft mit Gewalt dazu, seine Produkte zu erwerben. Schon daher ist Trumps Bewertung der deutschen Handelsbilanzüberschüsse unsinnig. Zusätzlich gilt: Wenn die USA mehr Waren importieren als exportieren, dann liegt das daran, dass sie mehr konsumieren als herstellen (also sich verschulden), während die Deutschen mehr herstellen als konsumieren, also sparen. Eine Politik, die das ändern will, muss den US-Verbrauchern den Konsum vergällen, oder den Deutschen das Sparen. Wenn aber selbst die ultra-niedrigen Zinsen die Deutschen nicht vom Sparen abhalten, dann muss wohl – wenn Trump sein Ziel erreichen will – die Endnachfrage in den USA sinken. Zum Beispiel, indem der Staat seine Defizite zurückfährt und beim Sparen mit gutem Beispiel vorangeht. Trumps fiskalpolitische Pläne sind aber das Gegenteil davon. Gleichzeitig eine expansive Fiskalpolitik zu verfolgen und eigene Handelsbilanzdefizite zu beklagen ist dumm, sehr dumm.

Zinserhöhung schon ausgemachte Sache?

Eine Zinserhöhung zur nächsten FOMC-Sitzung am 14. Juni scheint ausgemachte Sache zu sein. Der Dollar kann davon nicht profitieren. Klar, EUR-USD handelt heute Morgen mal wieder um die 1,1200-Marke und damit unter den Höchstständen der vergangenen Tage. Das als Fed-induzierte USD-Hausse zu interpretieren, wäre allerdings mehr als verwegen. Let’s face reality: Dem Devisenmarkt ist schnuppe, ob die US-Währungshüter in der übernächsten Woche den Leitzins erhöhen oder nicht.
Das verwundert einige Beobachter. Nicht, weil Zinserhöhungen immer und überall der jeweiligen Währung helfen würden. Das tun sie typischerweise nur am Anfang eines Zinserhöhungszyklus. Danach ist er vollständig eingepreist und enthält keine für den Devisenmarkt relevanten Informationen mehr. Man könnte also vermuten, dass die vierte Fed-Zinserhöhung keine Neuigkeit mehr ist und daher den Devisenmarkt kalt lässt. So einfach ist es allerdings nicht. Denn die Fed agiert weiterhin auf unbekanntem Terrain. Der Ausstieg aus der Nullzinspolitik und insbesondere aus dem QE-bedingten Wertpapier-Portfolio ist ein Novum. Die Fed kann daher keiner wohlbekannten geldpolitischen Regel folgen. Dahersollten Zinsschritte den Devisenmarkt doch eigentlich weit mehr als unter normalen Umständen beeindrucken, oder?
Nein, das ist nicht so. Das gilt nur für Zinsschritte, die nachfolgende Schritte wahrscheinlicher machen. Das tut der jetzt anstehende Fed-Schritt aber nicht. Er enthält aus Marktsicht keine Informationen darüber, ob die Fed in Zukunft vielleicht schneller den Leitzins anhebt. Die langfristigen Fed-Erwartungen des Marktes bleiben unverändert. Damit ist die höhere Konfidenz des Marktes in eine Zinserhöhung im Juni nichts anderes als eine klarere Marktvorstellung bezüglich des Fed-Timings. Und das ist für die USD-Wechselkurse kaum relevant.