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Gastbeitrag von Ellwanger & Geiger · 29. Mai 2017

Zwei-Klassen-Gesellschaft

Teilnehmer einer Demonstration gegen Brasiliens Präsidenten Michel Temer
Quelle: cifotart/Shutterstock
Die Welt driftet scheinbar immer wieder auseinander. Während viele Probleme in diesen Tag noch immer ungelöst scheinen, spielt das an den Aktienmärkten allerdings kaum eine Rolle. Weshalb eigentlich?

Einerseits Crash in Brasilien, Kreditstopp für Griechenland und keine Fortschritte in der Bewältigung der Banken- und Staatsschuldenkrise in Italien, anderseits der ifo-Geschäftsklimaindex im Mai auf neuem All-Time-High. Immerhin scheinen in Europa Länder wie Spanien, Kroatien und Portugal weiter auf dem Weg der Besserung zu sein, denn die Defizitverfahren der EU-Kommission dürften aufgrund erfolgreicher Haushaltssanierungen eingestellt werden.

Zwei-Klassen-Gesellschaft manifestiert sich in der Beurteilung von Politikern

Die Zwei-Klassen-Gesellschaft manifestiert sich jedoch nicht nur in den unterschiedlich ausgeprägten Konjunktur- und Haushaltsentwicklungen, sondern auch in der Qualität beziehungsweise in der Beurteilung verschiedener Politiker. Während auf der einen Seite Politiker(innen) wie Angela Merkel und Emmanuel Macron bewundert und bejubelt werden, müssen Möchtegern-Politprofis wie der in eine Korruptionsaffäre verwickelte brasilianische Präsident Temer und der unter massivem Druck stehende US-Präsident Donald Trump um ihre Ämter fürchten.

Aktienmärkte bleiben gelassen

Bei den Aktienmärkten an und für sich kann jedoch keine allgemeine Zwei-Klassen-Gesellschaft konstatiert werden, denn sie notieren alle ruhig und volatilitätsarm nahe ihren Höchstständen. Politische Börsen haben kurze Beine, so sagt man wohl, und deshalb werden die politischen Risiken weitgehend ignoriert. Eine weitere altbekannte Börsenweisheit, „Sell in May and go away“, wäre somit wieder einmal nicht bestätigt. Somit kann man sich den zweiten Teil dieser Börsenweisheit sparen („and remember, come back in September“), investiert bleiben und sich an der Wertentwicklung der Sachinvestitionen freuen.