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Gastbeitrag Commerzbank Research · 30. Mai 2017

Aufkommender Gegenwind für Euro

Euro Banknoten
Quelle: Boris Pralovszky/Shutterstock
Wenngleich der Euro heute gegenüber dem US-Dollar nochmals zulegen kann, wird die Luft für die europäische Gemeinschaftswährung offenbar langsam etwas dünner. Weshalb, erläutern die Analysten der Commerzbank AG.

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-Zur Autorin: Esther Reichelt ist Analystin FX & EM bei der Commerzbank AG-
 
Wenn die Händler in Großbritannien und den USA nach dem gestrigen Feiertag heute in die Handelswoche starten, dürfte es ihnen wohl schwer fallen, gute Gründe zu finden, den Euro wieder höher zu treiben. Gleich mehrere Faktoren sorgen für aufkommenden EUR-Gegenwind. Da sind zum einen die Nachwirkungen von gestern. Auch wenn es die EUR-Wechselkurse erst einmal nicht beeinflusst hat, möchte ich Ihnen nicht die Aussagen des ehemaligen italienischen Premierministers Matteo Renzi unterschlagen, die Neuwahlen in Italien nun doch noch in diesem Jahr möglich erscheinen lassen – eventuell am gleichen Tag wie die Bundestagswahlen in Deutschland am 24. September. Denn das wird meiner Meinung nach die Risikostimmung mit Blick auf die Gemeinschaftswährung in den kommenden Monaten beeinflussen. Die politischen Risiken im Euroraum sind nicht tot. Und können – zumindest am Optionsmarkt – schnell wieder zum Belastungsfaktor werden, sobald sich abzeichnet, dass sich die Verantwortlichen in Italien tatsächlich auf die vorher notwendige Wahlrechtsreform einigen können und neue Umfragen in Erinnerung rufen, dass die EU- und EUR-kritischen Stimmen in Italien nicht zu unterschätzen sind.

Geldpolitik bleibt Impulsgeber für den Euro

Vorerst ist aber erst einmal die Geldpolitik der dominierende Impulsgeber für den Euro. Und auch die empfiehlt EUR-Bullen eher Zurückhaltung. Nach EZB-Chef Mario Draghis Rede vor dem EU-Parlament sollte zumindest auch dem letzten Zocker klar sein, dass eine Wette auf eine überraschend falkenhafte EZB auf ihrer Sitzung kommende Woche gewagt ist. Zwar möchte die EZB auf die für die Juni-Sitzung aktualisierten Prognosen warten, um die Risiken für den Ausblick zu bewerten. Doch Draghi hat gestern recht deutlich betont, dass man in der EZB unverändert der Meinung sei, dass geldpolitische Unterstützung im außergewöhnlichen Umfang auch weiterhin notwendig ist, wobei er auch die Rolle der Forward Guidance betonte. Sprich: Da der unterliegende Inflationsdruck trotz des guten Wachstumsausblicks weiterhin verhalten ist, möchte die EZB wohl lieber noch etwas warten, bevor sie die Normalisierung ihrer Geldpolitik einleitet.

Fokus liegt auf Daten aus Deutschland

Vor diesem Hintergrund sind auch die heute anstehenden Daten zu sehen: Gute Stimmungsindikatoren aus der Eurozone werden den Euro kaum stützen können, schließlich bestätigen diese nur den vielversprechenden Wachstumsausblick. Der Fokus dürfte stattdessen tatsächlich einmal auf den deutschen Daten liegen. Denn die Inflationsdaten für Mai werden wohl Draghis Einschätzung untermauern, dass es wohl noch eine Weile dauern wird – und anhaltender Unterstützung durch die Geldpolitik bedarf – bevor die Inflation im Euroraum wieder bei knapp unter 2% verankert ist.