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Gastbeitrag von Ellwanger & Geiger · 31. Mai 2017

Scherben bringen (hoffentlich) Glück

Angela Merkel und Donald Trump auf einer gemeinsamen Pressekonferenz
Quelle: Nicole S Glass/Shutterstock
Dass es einmal so weit kommt – wer hätte das gedacht? Der Geduldsfaden der Bundeskanzlerin ist beim G7-Gipfel wohl so strapaziert worden, dass er bei einem Bierzeltauftritt in der Höhle des bayerischen Löwen endgültig zerrissen ist.

-zum Autor: Michael Beck ist Leiter Asset Management bei Ellwanger & Geiger-
Selten einmal fanden Worte der Bundeskanzlerin einen solchen Widerhall in der Welt wie diesmal. Diese längst überfällige Beurteilung der politischen Situation mit einem US-Präsidenten, der sich noch immer nicht seiner Bedeutung und Aufgabe bewusst zu sein scheint, lässt die Kaptalmärkte erstaunlich kalt.

Gegenwind für Trump wird eisiger

Der Gegenwind, der Donald Trump in den USA entgegenschlägt, wird währenddessen immer stärker und eisiger. Ein Amtsenthebungsverfahren rückt in den Bereich des Möglichen und würde im Falle eines Erfolges die Grundlage der „Trump-Rally“ der letzten Monate ein Stück weit pulverisieren. Allerdings wären dann einige andere wichtige Punkte, wie der drohende Protektionismus der USA, erledigt. Der positive Effekt hieraus dürfte die wegfallenden Wirtschaftsimpulse überkompensieren. Zumal die republikanische Partei an den Kernthemen Steuerreform und Infrastrukturmaßnahmen festhalten dürfte und somit nicht alle erwarteten positiven Wirkungen aus diesen Maßnahmen wegfallen würden.

Merkel als stabilisierender Faktor

In Deutschland freuen sich die Marktakteure ob der starken internationalen Position Angela Merkels und gehen fest von einer vierten Amtszeit der zunehmend als „Leaderin der westlichen Welt“ angesehenen Bundeskanzlerin aus. Im Reigen der politischen Unsicherheitszonen, die Deutschland umgeben, ist dies ein stabilisierender Faktor, wie ihn Finanzmärkte mögen. Dennoch muss man sich fragen, was der Scherbenhaufen, den ein polternder US-Präsident in Europa hinterlassen hat, mittelfristig zu bedeuten hat. Es musste viel passieren, dass ein moderater und sehr sachlicher Korrespondent in einer deutschen Nachrichtensendung zur besten Sendezeit konstatiert, dass der 45. US-Präsident sowohl eine politische als auch intellektuelle Zumutung bleiben dürfte.

Kapitalmärkte erfordern erhöhte Wachsamkeit

In einer Welt, in der es an Krisen und sich zuspitzenden Animositäten vieler Staaten- und Religionsverbünde wahrlich nicht mangelt, benötigt es starker, politisch erfahrener, unbestechlicher und kluger Führung. Der eklatante Mangel an diesen Attributen bei vielen politischen Führern lässt die Welt zunehmend unsicherer werden. Für die Kapitalmärkte bedeutet dies erhöhte Wachsamkeit und Konzentration auf Qualität, nachhaltige Unternehmensmodelle und ausreichende weltweite Risikodiversifikation. Insbesondere wenn sich die Anzeichen verdichten, dass in Italien die Parlamentswahlen von 2018 auf September 2017 vorgezogen werden sollen. Zwar wird es dann früher Klarheit über die zukünftige politische Ausrichtung in Italien geben, aber die starke Position der EU-kritischen 5-Sterne-Partei des ehemaligen Komikers Beppo Grillo könnte für Unsicherheiten sorgen.