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Gastbeitrag Commerzbank Research · 01. Juni 2017

Amazon vs. Alphabet – Wettlauf der Techgiganten

Google-Suche mit dem Kurs der Amazon-Aktie
Quelle: dennizn/Shutterstock
Der Wettlauf auf dem Weg zur 1.000-Dollar-Marke zwischen der Amazon- und der Alphabet-Aktie war lange Zeit eine offene Angelegenheit: Beide Unternehmen standen sowohl im Fokus als auch in der Gunst der Anleger.

Knock-out-Produkte der Commerzbank auf Alphabet
Knock-out-Produkte der Commerzbank auf Amazon
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Zwar unterscheiden sich die Geschäftsmodelle der beiden Unternehmen stark, doch werden beide Namen gerne in einem Atemzug genannt, wenn es um die fortschreitende Digitalisierung geht. Inzwischen ist klar, dass die Amazon-Aktie den inoffiziellen Wettlauf gewonnen hat: Am 30. Mai notierte der Aktienkurs an der NASDAQ im Hoch bei 1.001,20 US-Dollar und damit zum ersten Mal oberhalb der “Schallmauer” von 1.000 US-Dollar. Aus diesem Anlass haben wir uns den fundamentalen Zustand der beiden US-Techgiganten für Sie einmal genauer angesehen.
 

Alphabet – Ein Innovationsführer im Internetsektor

-zum Autor: Marc C. Gemeinder, Investmentstratege für private Kunden der Commerzbank AG-
Der Google-Konzern wird über eine Management-Holding mit dem Namen »Alphabet« geführt. Die Onlineaktivitäten, inklusive der Google-Suchmaschine und des wichtigen Werbegeschäfts, wurden von den restlichen Geschäftsbereichen getrennt. Unter dem Dach von Alphabet findet sich die Google Inc. mit dem Suchgeschäft inklusive der Videoplattform YouTube sowie Maps, Android und Gmail. Daneben wurden die anderen Webfirmen bzw. Start-up-Aktivitäten (unter anderem Access/Google Fiber, Calico, capitalG, Google Ventures, Nest, Verily, Google X sowie andere Initiativen) im Segment »Other Bets« (»Andere Wetten«) separat aufgestellt. Der Konzern hatte im Herbst 2015 den Umbau zur neuen Alphabet-Holding vollzogen. Google Inc. wird seitdem durch den Manager Sundar Pichai geführt. An die Spitze des Konzerns wechselte der bisherige Google-Chef Larry Page. Die Anteilseigner wurden automatisch Aktionäre von Alphabet, inzwischen werden nur noch Aktien der Gattungen Alphabet Class A bzw. Alphabet Class C an den Börsen gehandelt.
Die Tochterunternehmen können nun in der Holdingstruktur unabhängiger arbeiten, den Anlegern wird gleichzeitig mehr (Ergebnis-)Transparenz gezeigt. Durch die neue Aufstellung will Alphabet zusätzlich auch interessanter für Mitarbeiter und aufstrebende Talente werden. Wichtige Manager haben in den Tochterfirmen zudem eine Aufwertung durch die Einführung neuer leitender Führungspositionen erhalten. In Zukunft ist auch denkbar, dass einzelne Unternehmensteile abgespalten und/oder veräußert werden könnten.

Mehr als eine Suchmaschine

In einer einmaligen Erfolgsstory hat Alphabet ehemalige Wettbewerber wie Yahoo, Lycos, Altavista und anderen verdrängt und ist heute mit »Google« die führende Suchmaschine im Internet mit einem dominierenden Marktanteil in zahlreichen Ländern. Das Suchmaschinengeschäft, das sich vor allem über Werbung finanziert, bietet dabei das finanzielle Fundament, um in zukünftige Wachstumsfelder in angrenzenden Märkten (mobiles Internet, Betriebssysteme, ortsbasierte Dienstleistungen, Cloud, Musik, soziale Netzwerke, Google/YouTube-TV, Google Glass, mobiles Bezahlen etc.) zu investieren und sich sowohl akquisitorisch als auch durch Eigenentwicklungen zu verstärken.
Dabei forscht das Unternehmen auch auf ganz neuen Gebieten (künstliche Intelligenz, smarte Kontaktlinsen, selbstfahrende Autos, Paketdrohnen, Internet und Vernetzung...) und kommt damit nicht nur Amazon stärker in die Quere. Amazon dagegen drängt mit dem Aufbau einer eigenen Werbeplattform stärker auf Alphabets Heimatdomäne, ebenso Facebook. Die Rivalität der Internetgiganten dürfte also zunehmen. Das Internet gewinnt weltweit an Bedeutung und liefert immer zielgerichtetere Informationen über die Nutzer. Somit weisen die Werbeausgaben hier eine geringere Konjunkturabhängigkeit auf. Angebote wie Maps, Earth und Streetview sollen ortsbezogene Dienstleistungen mit passender Werbung verknüpfen.
Das Google-Betriebssystem Android für Smartphones und Tablet-PCs wird von Google und zahlreichen Handyherstellern als Türöffner zu mobilen Dienstleistungen genutzt. Zukünftig soll Android auch auf neuen Geräteklassen (Smartwatches, Autos etc.) laufen, das »Internet der Dinge« lässt grüßen. Allerdings befindet sich Google – in der Branche nicht unüblich – in zahlreichen Patentstreitigkeiten. Android generiert direkt zwar kaum Umsätze, ist aber ein sehr wichtiger Baustein des Alphabet-Ökosystems, um über verschiedene Dienste Werbung zu verkaufen.
Unabhängig davon sorgt Alphabet dafür, dass auch auf Nicht-Android- Betriebssystemen, wie zum Beispiel auf Apples iOS, Google-Produkte wie die Suchmaschine laufen. Alphabet hatte bereits vor Jahren Apple hierfür eine hohe Zahlung geleistet (geschätzt 1 Milliarde US-Dollar) und profitiert seitdem umgekehrt auch von einer Umsatzbeteiligung bei Apple in unbekannter Höhe.
Die vollständige Analyse finden Sie hier

Amazon – Auch unterm Strich bleibt zunehmend etwas übrig

-zum Autor: Richard Hinz, Investmentstratege für private Kunden bei der Commerzbank AG-
Amazon ist trotz der anhaltend hohen Investitionsneigung auf einen kontinuierlichen Gewinnpfad eingeschwenkt. Die Aktienbewertung (KGV) ist zwar noch immer sehr hoch, wird inzwischen aber stärker durch die Gewinnentwicklung unterlegt. Die zunehmende Komplexität des Unternehmens sowie das Wettbewerbs- und Steuerrecht bleiben Herausforderungen. Solange das Unternehmen aber das aktuelle Wachstumstempo und den Gewinnpfad beibehält, dürfte dies der Aktie weiter Rückenwind geben.
Dem Internethändler gelingt es kontinuierlich, schneller zu wachsen als der E-Commerce-Markt und dadurch die Marktführerschaft in seinen Hauptmärkten weiter auszubauen. Das Rezept für das rasante Wachstum besteht neben einer aggressiven Preisstrategie unter Einbeziehung »externer« Händler auch aus der ständigen Erweiterung der Angebotspalette um zum Beispiel Lebensmittel, Cloud-Computing (Amazon Web Services) und Mode, nachdem das Unternehmen als Buchhändler gestartet ist und den Markt für Ebooks entscheidend mitentwickelt hat (»Kindle«).
Das breite Angebot von Amazon macht es den Wettbewerbern im Präsenzhandel inzwischen schwer, ihr eigenes Online-Geschäft zu entwickeln.
Nachdem Amazon in China aufgrund starker Konkurrenz (Alibaba) quasi erst einmal gescheitert ist, konzentriert sich das Unternehmen nun stärker auf Indien. Westlichen Konzernen weht der Wind dort politisch auch scharf ins Gesicht, das Geschäft entwickelt sich aber bisher sehr positiv.
Die Prime-Mitgliedschaft soll für eine Jahresgebühr die Kundenbindung mit schnellerer Lieferung und weiteren Leistungen (Video, Musik, Bibliothek, Cloud-Speicher.…) erhöhen.
Die harten Verhandlungspraktiken im Einkauf, die Amazon zum Beispiel gegenüber Verlagen und Medienkonzernen anwendet, haben die EU zu Untersuchungen hinsichtlich der missbräuchlichen Ausnutzung der Marktmacht bei E-Books veranlasst, die inzwischen aber zu einem Kompromiss führten.
Doch es ist durchaus möglich, dass Untersuchungen früher oder später auch in anderen Produktkategorien aufgenommen werden könnten. Auch die Steuervermeidungsstrategie mit Tochtergesellschaften in Steuerparadiesen oder Unklarheiten im Zusammenhang mit Verbrauchssteuern (Mehrwertsteuer) sind in den Fokus von Regierungen geraten. Der Druck hat dazu geführt, dass Amazon sein Deutschlandgeschäft seit Mai 2015 auch in Deutschland verbucht (und versteuert). Die Brexit-Entscheidung und eine mögliche neue protektionistische US-Wirtschaftspolitik bedrohen den freien internationalen Handel und könnten auch Amazons internationale Expansion bremsen. Allerdings verzichten die USA im Rahmen der Steuerreform offensichtlich zunächst einmal auf die vieldiskutierte Importsteuer.

Marktanteile oder Gewinne?

Trotz eines anhaltend hohen Umsatzwachstums und einer bemerkenswerten Größe und Reife erzielte das Unternehmen in der Vergangenheit kaum Gewinne. Hauptgrund dafür waren und sind hohe Investitionen in ständig neue Dienste, Produkte und auch in die eigene Logistik. Zahlreiche Geräte (Kindle, Fire TV und die Fire Tablets, Echo) dienen letztendlich als Portale dazu, reale und digitale Produkte zu verkaufen und die Menschen an die Plattform zu binden.
Aus diesem Grund investiert Amazon auch in eigene Medieninhalte (TV-Serien, Kinofilme, Sportevents, Videospiele). Mit einer eigenen Werbeplattform drängt Amazon auch stärker auf Googles Heimatdomäne. Die Rivalität der beiden Internetgiganten dürfte also zunehmen.
Die »billige« Ausrüstung der Kunden mit Geräten und auch die dauerhaften Investitionen in neue Geschäftsfelder sind zunächst einmal margenbelastend. Aktuell stößt das Unternehmen in einigen Ballungsräumen preisaggressiv in den Online-Handel mit frischen Lebensmitteln vor und experimentiert auch mit neuen kassenlosen automatisierten Geschäften. Eine Ausweitung würde erhebliche Investitionen nach sich ziehen.
Das Management hat Besserung bei der Kostendisziplin gelobt und die Transparenz des Unternehmens erhöht. Dazu gehört auch der gesonderte Ausweis des Cloud-Geschäfts (Datencenter-Dienstleistungen). Der Bereich ist das am schnellsten wachsende und vielbeachtetste Geschäft von Amazon und kann trotz eines hohen Preiswettbewerbs eine hohe Dynamik beibehalten.
Die vollständige Analyse finden Sie hier