Nachrichten

Audi hat Probleme mit Abgaswerten · 02. Juni 2017

Diesel-Skandal reloaded?

Audi A8L auf einer Ausstellung
Quelle: lexan/Shutterstock
Nun also auch Audi? In Sachen Dieselskandal gibt es in diesen Tagen für die deutschen Automobilhersteller keine Atempause. Nachdem vor einigen Wochen Räumlichkeiten von Daimler untersucht wurden, ist nun Audi im Visier der Ermittler.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Laut Verkehrsminister Alexander Dobrindt habe Audi eine "unzulässige Abschalteinrichtung eingebaut". Durch diese Einrichtung habe die Software erkannt, ob das Fahrzeug auf einem Prüfstand war Dann – und offenbar nur dann – wurde die Abgas-Reinigung vollständig eingeschaltet, was die Emissionswerte nach unten drückte. In Ingolstadt gibt man sich kleinlaut und räumt tatsächliche Probleme mit den Abgaswerten ein. So teilte Audi mit: "Bei jüngsten Analysen (...) zeigten sich in bestimmten Situationen NOx-Überschreitungen zwischen 20 und 100 Prozent des Grenzwerts." NOx steht dabei für gesundheitsgefährdendes Stickoxid. Doch von Schummeleien, will man bei Audi dennoch – bis jetzt – nichts wissen. Zur Begründung heißt es: "Grund ist, dass die Motordrehzahl in manchen Bereichen ungünstig von der Getriebesoftware beeinflusst wird". Von Absicht also keine Spur.

24.000 Fahrzeuge werden zurück gerufen

Dennoch kündigte Audi an rund 24.000 betroffene Fahrzeuge in die Werkstatt zurück zurufen. Auffälligkeiten gibt es derzeit bei den Flaggschiffmodellen A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren. Allein 14.000 betroffene Fahrzeuge seien in Deutschland zugelassen, die übrigen 10.000 Fahrzeuge sind aktuell auf anderen europäischen Straßen unterwegs. Was die Aktionäre dabei besonders interessieren dürfte: Fahrzeuge aus den USA scheinen derzeit nicht von den Vorwürfen betroffen, weshalb von dieser Seite vorerst auch keine größeren Schadenersatzklagen zu erwarten sind. Der Rückruf beginnt voraussichtlich im kommenden Juli. Das Verkehrsministerium kündigte an, weitere Modelle von Audi auf ihren Schadstoffausstoß zu untersuchen.

Spekulationen um Audi sind nicht neu

Spekulationen um Audi sind nicht wirklich neu. Immer wieder gab es zuletzt Verdachtsmomente wonach auch Audi eine Manipulations-Software in ihren Fahrzeugen verbaut haben könnte. Diese scheinen sich nun – auch wenn man die Mitteilungen von Audi selbst berücksichtigt – zu bestätigen. Dabei steht nicht Audi allein im Visier der Ermittler. So wurde vor einigen Wochen Fiat-Chrysler in den USA verklagt. Der Rechtsstreit von klagenden Dieselbesitzern mit dem italo-amerikanischen Konzern ist derzeit noch anhängig. Und erst vor wenigen Tagen untersuchte die Staatsanwaltschaft mehrere Daimler-Standorte in Deutschland. Auch bei Daimler scheint es zumindest einen begründeten Anfangsverdacht zu geben. Der gemeinsame Nenner aller Untersuchungen: Offenbar hat die Automobilbranche flächendeckend Dieselmotoren manipuliert.

Deutsche Auto-Aktien hinken hinterher

Aus Anlegersicht sind dies jedenfalls weiterhin keine besonders guten Nachrichten. Während der DAX in diesem Jahr von einem Rekordhoch zum nächsten eilte, hinken die deutschen Autohersteller mit ihrer Performance doch deutlich hinterher. Beispiels Daimler: Der Stuttgarter Autobauer hat geradezu fantastische Zahlen für das erste Quartale vorgelegt und bereits die Prognose für das Gesamtjahr angehoben, doch die Aktie kommt einfach nicht vom Fleck. Im Gegenteil: Im Zuge der jüngsten Ermittlungen geriet die Daimler-Aktie wieder unter Druck und verlor auf Monatssicht sogar knapp 4,5 Prozent an Wert. Nicht ganz so schlimm, aber ebenfalls wenig berauschend fällt derzeit die Performance des bayerischen Konkurrenten BMW aus. Wenngleich es gegen BMW bislang keine begründeten Verdachtsfälle gegeben hat, so hinken auch die Bayern dem DAX deutlich hinterher. Die Aktie verlor auf Monatssicht immerhin knapp drei Prozent. Die neuen Gerüchte um manipulierte Dieselmotoren, so scheint es, verstärken aktuell die Unsicherheiten in Bezug auf den deutschen Automobilsektor. Die Nervosität vieler Anleger scheint auch nicht gänzlich unbegründet. Denn auch abseits von Diesel-Skandalen scheint es vor allem der Ausblick zu sein, der vielen Beobachtern zunehmend Sorge bereitet. Wie verkraften die Autobauer einen drohenden Brexit? Fast jedes fünfte Auto von Daimler und Co. ging in den vergangenen Jahren auf die britische Insel. Wie verkraften die Autobauer die zunehmende Konkurrenz in Sachen Elektromobilität? Sind Daimler und Co. auf diesen sich abzeichnenden Wandel vorbereitet? Tesla avancierte zu Beginn des Jahres zum wertvollsten Autobauer der USA. Zwar lässt sich die weitere Entwicklung von Tesla ebenfalls nur schwer abschätzen und die Absätze sind bei weitem zu gering, um aktuell schon eine echte Konkurrenz darzustellen. Doch in einem ohnehin schon nervösen Umfeld sind dies alles sicher weitere Faktoren, die das Vertrauen der Anleger derzeit nicht wirklich stärken.