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Aufsichtsrat ebnet Weg für Fusion · 02. Juni 2017

Linde: Die größte Hürde scheint genommen

Logo der Linde Group vor einem Bürogebäude
Quelle: Linde Group/Presse
Der entscheidende Schritt scheint gemacht. Der Aufsichtsrat von Line hat dem Fusionsvorhaben mit dem US-Wettbewerber Praxair zugestimmt. Ein Eklat scheint vermieden. Die Fusions-Gespräche können anlaufen.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Am Ende ging dann doch alles ganz schnell und vor allem glimpflich über die Bühne. Vor allem Arbeitsnehmer-Vertreter und Gewerkschaften galten als Gegner der geplanten Fusion. Sie fürchten an Einfluss zu verlieren und am Ende des Tages natürlich auch um ihre Arbeitsplätze, wenn die künftig in Irland angesiedelte Linde-Holding von den USA aus gesteuert wird. Doch offenbar konnte sich diese nicht gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Reitzle durchsetzen, der als maßgeblicher Befürworter der bevorstehenden Fusion gilt.

Durch die Fusion entstünde der weltgrößte Gaskonzern

Sollte die Fusion nun wie vom Linde-Aufsichtsrat geplant über die Bühne gehen, so entstünde der weltgrößte Gaskonzern. Nach dem Zusammenschluss kämen läge der gemeinsame Pro-forma-Umsatz – sofern man die beiden Jahresabschlüsse von 2015 heranzieht – bei knapp 30 Milliarden US-Dollar. Die Marktkapitalisierung läge bei circa 65 Milliarden US-Dollar. Und natürlich erhofft man sich durch die Fusion auch Synergien zu erzielen, die nach ersten Schätzungen bei rund einer Milliarde US-Dollar liegen dürften. Aus rein wirtschaftlicher Sicht, erscheint eine mögliche Fusion demnach sinnvoll. Dennoch stießen die Planungen, vor allem von Arbeitnehmer Seite, zuletzt auf teilweise harsche Kritik. Das liegt einerseits an den geplanten „Synergien“ die durch die Fusion erschlossen werden sollen. Bei Licht betrachtet, dürfte manchem Arbeitnehmer klar sein, was dies für seinen Arbeitsplatz bedeuten kann. Doch auch die neue Konzernstruktur, dürfte nicht unbedingt förderlich zur Sicherung von Arbeitsplätzen hierzulande sein. So ist beispielsweise geplant, dass sich die beiden Unternehmen unter dem Dach einer börsennotierten, noch zu gründenden, Holding-Gesellschaft zusammenschließen. Der Satzungssitz dieser Holding wäre in Irland.

Praxair-Aktionäre müssen der Fusion noch zustimmen

Wenngleich nun die vielleicht größte Hürde bei Linde genommen ist, so ist die Fusion noch nicht in trockenen Tüchern. So müssen auch noch die Aktionäre von Praxair der Fusion auf einer anstehenden Hauptversammlung zustimmen. Bedingung der Fusion ist unter anderem die Zustimmung der Hauptversammlung von Praxair mit der erforderlichen Mehrheit und die Annahme des Umtauschangebots der Holding-Gesellschaft für voraussichtlich mindestens 75 Prozent der Aktien von Linde.

Fusionspläne kommen an der Börse gut an

Zumindest an der Börse wird die geplante Fusion bereits gefeiert. Auf Sicht der vergangenen drei Monate konnte die Linde-Aktie bereits um mehr 12,5 Prozent zulegen. Auf Jahressicht kommt die Aktie des DAX-Konzerns bereits auf ein Plus von mehr als 30 Prozent. Die geplante Fusion erhöhte zuletzt auch wieder spürbar das Analysten-Interesse an der Linde-Aktie. Allein im Mai gab es gleich elf neue Analystenkommentare. Dabei wurde die Aktie sieben Mal zum „Kauf“ empfohlen, während vier Analysten dazu geraten haben die Aktie lediglich zu „halten“. Das ambitionierteste Kursziel kommt dabei von der Deutschen Bank. So hab Analyst Tim Jones sein Kursziel für den DAX-Konzern von 174 auf 210 Euro an. Aus seiner Sicht ist die geplante Fusion als äußerst sinnvoll einzuschätzen, da sie die Profitabilität des Industriegaskonzerns weiter steigen lassen dürfte. Im Erfolgsfall hält der Analyst sogar einen Kursanstieg auf 245 Euro für möglich. Eher skeptisch wird die Fusion hingegen von der Norddeutschen Landesbank gesehen. Trotz umfangreicher Umstrukturierungsmaßnahmen zur Steigerung der Effizienz seien die Zweifel an einer 'Fusion unter Gleichen' mit Praxair weiter gewachsen, so Analyst Thorsten Strauß in einer Studie von Anfang Mai. Entsprechend bestätigte er seine Empfehlung mit „Halten“ und beließ auch das Kursziel unverändert bei 149 Euro pro Anteilsschein.