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Gastbeitrag von Daubenthaler & Cie. · 02. Juni 2017

Stiftungen: Geldanlage in schwierigen Zeiten

Gebäude der Bill Gates Foundation
Quelle: lembi/Shutterstock
Nicht nur Privatanleger leiden zunehmend unter der EZB-Niedrigzinspolitik. Auch für Stiftungen ist es in diesen Tagen nicht wirklich einfach. Einerseits müssen sie liquide bleiben, andererseits müssen die Erträge das Überleben sichern.

-zur Autorin: PhDr. Martina Daubenthaler ist CEO der Daubenthaler & Cie. GmbH, sie verfügt über langjährige Erfahrung als Stiftungsexpertin und ist Buchautorin-
Die meisten gemeinnützigen Stiftungen in Deutschland haben ein Vermögen, das kleiner ist als 1 Mio.€ und sie werden von ehrenamtlichen Vorständen geführt. Diese Stiftungen leiden besonders unter dem dauerhaft niedrigen Zinsumfeld und unter dem vermehrten Konkurrenzdruck im Gemeinnützigen Bereich. Nicht nur geht die Anzahl der Spender kontinuierlich zurück, sondern es treten auch neue (z.T. sehr professionelle) „Player“ in den Markt ein, die zusätzliche Konkurrenz bedeuten.

Stiftungen benötigen Liquidität

Früher war es für Stiftungen kein Problem ohne professionelle Unterstützung ihr Geld sicher anzulegen und Erträge zu generieren; heute ist das schwieriger. Eine Stiftung benötigt laufend Liquidität um ihren guten Zweck zu fördern, sonst läuft sie Gefahr, die Gemeinnützigkeit zu verlieren. Neben einem professionellen Fundraising (Mitteleinwerbung) durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerkpflege sind es die vor allem die Erträge aus der Geldanlage, die diese Liquidität sichern.

Welche Anlagen sind für Stiftungen geeignet?

Es gibt spezielle Geldanlagen für Stiftungen, diese sollte man allerdings genau prüfen, denn nicht alle sind gleichermaßen für alle Stiftungen geeignet. Wichtig ist ein Blick in die Satzung der Stiftung, in der geregelt ist, wie das Stiftungsvermögen angelegt werden darf. Ist dort keine explizite Regelung getroffen, was erlaubt ist und was nicht, so obliegt es dem Stiftungsvorstand zu entscheiden, wie die Gelder konkret angelegt werden. Da Stiftungsvorstände für Fehlentscheidungen u.U. privat haftbar gemacht werden können, spielt die Enthaftung des Stiftungsvorstandes eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für oder gegen eine konkrete Form der Geldanlage. Die Einschaltung spezialisierter Vermögensverwalter können hier eine Lösung sein. Die Kosten sind ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Geldanlage für Stiftungen. Stiftungen müssen mit ihren Ausgaben haushalten, damit möglichst viel dem guten Zweck zugute kommt. Unter Kostenaspekten bietet sich eine Anlage in ETF’s an, allerdings haben diese kein aktives Risikomanagement, erfordern also permanente Überwachung. Die Kosten eines aktiven Fonds bzw. eines Vermögensverwalters sind also abzuwägen zu den Risiken eines ETF, der kein aktives Risikomanagement hat.

Es wird zu einer Marktbereinigung kommen

Voraussichtlich wird ab dem nächsten Jahr - im Zuge der Novelle des Investmentsteuergesetzes - hier eine Marktbereinigung hin zu mehr Spezialisierung stattfinden. Bei der Auswahl eines geeigneten Vermögensverwalters ist auf die Gebührenstruktur und Qualifikation zu achten. Faire Honorare bemessen sich an der Leistung, die man bekommt und nicht am Vermögen der Stiftung. Gute Vermögensverwalter kennen den Alltag von Stiftungen und nicht nur die Geldanlage. Dies ist wichtig, denn der Blick über den Tellerrand, die Vernetzung und Kooperation mit anderen Stiftungen, Organisationen und Unternehmen sowie die Hilfestellung bei Themen wie Fundraising, Digitalisierung, Berichterstattung und Wirkungsmessung werden für die Zukunft von Stiftungen ebenfalls sehr wichtige Themen sein.