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Keine Revolution, aber eine Evolution · 06. Juni 2017

HomePod: Apple greift Google und Amazon an

Apple-Logo vor einem Geschäft
Quelle: Songquan Deng/Shutterstock
Nun hat auch Apple seinen Lautsprecher. Wie von einigen Beobachtern bereits erwartet, stellte Apple am vergangenen Wochenende seinen neuen, vernetzten Lautsprecher vor. Vorreiter ist man in diesem Bereich allerdings längst nicht mehr.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Das Beste kam zum Schluss. Auf der Entwickler-Konferenz WWDC referierte Tim Cook rund zwei Stunden über die Neuigkeiten aus dem Hause Apple. Die größte Neuigkeit hob sich Cook jedoch bis zum Ende auf: Wie zuvor bereits Amazon und Alphabet, steigt nun auch Apple in das Geschäft mit vernetzten Lautsprechern ein. Das System an sich ist nicht mehr wirklich neu. Vor allem Amazons „Echo“ fand in den vergangenen Monaten Einzug in zahlreiche – auch deutsche – Haushalte. Amazons „Echo“ verfügt beispielsweise über eine digitale Sprachsteuerung und wird auf diese Weise zu einem digitalen Assistenten, da die Audio-Schnittstelle des Lautsprechers über eine Anbindung an verschiedene Internetdienste verfügt. „Echo“ ist zwar vordergründig nur in der Lage bestimmte, vergleichsweise simple Befehle auszuführen: Hierzu gehören beispielsweise das Abspielen von Musik oder die Verwaltung von Terminen. Allerdings lässt sich das System durch sogenannte „Skills“ erweitern. Diese „Skills“ stehen im Amazon Marketplace bereit und werden meist von Drittanbietern zur Verfügung gestellt. Durch eine solche „Skill-Erweiterung“ können weitere Funktionen wie eine „Smart-Home-Steuerung“, das Abrufen von Nachrichten, Sportergebnissen usw. hinzugefügt werden. Das Angebot wird immer größer und umfangreicher, was in der Konsequenz auch dazu führt, dass „Echo“ im Laufe der Zeit immer „smarter“ wird. Denn „Echo“ kann sich Sprachbefehle „merken“. Das System „lernt“ dazu.

Das Beste aus zwei Welten

Mit dem HomePod versucht Apple nun jedoch das Beste aus zwei Welten zu verbinden. Während die „smarten“ Funktionen von „Echo“ aufgrund der oben skizzierten Kriterien immer besser werden, so ist jedoch die Soundqualität eher schwach. Der Fokus von „Echo“ liegt nun einmal mehr auf der Spracherkennung, denn auf der Sprachwiedergabe. Konkurrenten wie beispielsweise „Sonos“, so Cook, hätten es zwar geschafft, Musik drahtlos in verschiedene Räume zu bringen, allerdings seien die Lautsprecher eben nicht „smart“. Apple will beide Welten mit dem HomePod zusammenbringen und so spricht Marketingchef Schiller doch noch von einer „Revolution“ für die Musiknutzung zuhause.

Apple setzt auf Datenschutz

Der Aufbau des HomePods ist dabei nur auf den ersten Blick vergleichsweise ähnlich zur Konkurrenz, was vor allem daran liegt, dass er ebenfalls zylinderförmig ist. Allerdings verfügt der HomePod über einen Tieftöner für den Bass, sowie sieben im Kreis angeordnete Hochtöner die für einen räumlichen Sound sorgen sollen. Mit Siri kann man sich mit Hilfe eines Systems aus sechs Mikrofonen unterhalten. Abseits aller technischen Features verspricht Apple die Kommunikation mit den Apple-Servern zu verschlüsseln, um wirbt mit dieser Anonymisierung für mehr Datenschutz. Erst wenn auf das Weck-Signal „Hey Siri” hin auf dem Kopf des HomePod ein bunter Kreis aufleuchtet, sendet das Gerät tatsächlich Daten, so Apple. Ein vielleicht gar nicht so unerheblicher Punkt, da Amazons „Echo“ zuletzt immer wieder die Kritik von Datenschützern hervorgerufen hat: Amazon spreichert alle Sprachbefehle und Sprachbotschaften in einer Cloud, um die Spracherkennung dauerhaft zu verbessern. Was mit diesen Daten passiert und wer Zugriff auf diese hat, scheint bis dato nicht vollständig geklärt. Da das Gerät zudem auf ein Aktivierungswort hört, lauschen die Mikrofone jederzeit mit, was unter anderem die „Privatsphäre der eigenen Wohnung“ gefährde, so die Bundesbeauftragte für Datenschutz Andrea Voßhoff.

Anschluss soll wiederhergestellt werden

Die erste große Hardware-Neuheit seit Einführung der Smart-Watch soll pünktlich zum Weihnachtgeschäft im kommenden Dezember für 349 US-Dollar auf den Markt kommen. Während der Erfolg der Smart-Watch offenbar noch ein wenig auf sich warten lässt (konkrete Verkaufszahlen hat Apple bis dato nicht veröffentlicht), gibt man sich in Sachen HomePod optimistisch: So sei der HomePod ein „bahnbrechender Lautsprecher für das Zuhause mit wahnsinnigem Sound und unglaublicher Intelligenz“, so Tim Cook. Zeit für eine, zumindest kleine, Revolution wäre es. Denn in Sachen smarter Assistenz droht Apple ein wenig den Anschluss an die Konkurrenz um Amazon und Apple zu verlieren. Mit jedem Tag wird „Echo“ ein wenig „smarter“ und erhöht somit auch den Druck auf Apple.