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EZB könnte Konjunkturaussichten anpassen · 08. Juni 2017

EZB: Was verkündet Mario Draghi?

Skulptur des Euro-Zeichens vor dem Frankfurter Euro-Tower
Quelle: Peter Stein/Shutterstock
Laut der Nachrichtenagentur Reuters wird die EZB auf ihrer heutigen Sitzung sehr wahrscheinlich ihre Wirtschaftsprognosen anpassen. So soll die Inflationsvorhersage nach unten, sowie die Wachstumsprognose nach oben korrigiert werden.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Es ist wieder soweit. Heute gegen 14:30 Uhr beginnt die EZB-Pressekonferenz und Mario Draghi wird den Medienvertretern seinen weiteren Fahrplan erläutern. Größere Überraschungen werden von der heutigen Sitzung allerdings nicht erwartet. So wird die EZB weder am Leitzins rütteln, noch wird es größere Veränderungen im Rahmen des Anleihekaufprogramms geben. Allerdings dürfte die EZB, so ein Insider, kleinere Änderungen in ihren Konjunkturprognosen vornehmen. Laut dem von Reuters zitierten Insider werden die Sprünge allerdings nicht allzu groß ausfallen. Teilweise könnte die Anpassung nur wenige Basispunkte umfassen.

Solide Konjunkturaussichten

Noch im März prognostizierten die EZB-Volkswirte ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent im laufenden Jahr. Für die kommenden beiden Jahre gingen sie von einem Wachstum von 1,7 beziehungsweise 1,6 Prozent aus. Alles zwar nicht überragend, aber durchaus solide. Im Hinblick auf die Inflationserwartungen, gingen die EZB-Experten zuletzt von einer Teuerungsrate von 1,7 Prozent im laufenden Jahr und von 1,6 Prozent im kommenden Jahr aus. Auch diese Werte sind de facto eigentlich nicht so schlecht und liegen ziemlich nahe an der EZB-Zielvorgabe. Die Euro-Banker betrachten eine Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent als Optimalwert. Sollten die Inflationserwartungen heute allerdings nach unten korrigiert werden, so könnte die Situation schnell wieder anders aussehen. Bereits im vergangenen Monat ging die Inflation wieder etwas stärker zurück und lag nach 1,9 Prozent im April, nur noch bei 1,4 Prozent im Mai.

Wird eine offene Baustelle heute geschlossen?

Was ist also heute von der EZB-Pressekonferenz und Mario Draghi zu erwarten? Vordergründig wahrscheinlich nicht allzu viel Zählbares. Es ist kaum davon auszugehen, dass der EZB-Chef heute konkrete Maßnahmen, egal welche Art, bekannt geben wird. Also dürfte vielmehr entscheidend sein, in wie weit sich die Rhetorik verändern wird. Bekanntermaßen hat die EZB derzeit vor allem zwei offene Baustellen. Einerseits die Wachstumsaussichten für den Euro-Raum, andererseits die Inflationserwartungen, welche sich offenbar wieder weiter vom eigentlichen Zielkorridor entfernen könnten. Sollten sich jedoch die Wachstumsaussichten wirklich nachhaltig verbessern, wovon mittlerweile fast auszugehen ist, so könnte Mario Draghi die Konjunkturperspektiven vielleicht schon als „ausgeglichen“ bezeichnen. In Richtung Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik, könnte eine solche Änderung einen entscheidenden Meilenstein darstellen. Denn dann wäre eigentlich nur mehr die Inflation nachhaltig in den Griff zu bekommen. Allerdings ist hinsichtlich dieser Frage völlig offen, wie lange dies tatsächlich dauern wird. Experten gehen derzeit nicht davon aus, dass die EZB noch im laufenden Jahr den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik forcieren wird.