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Gastbeitrag Commerzbank Research · 09. Juni 2017

May, EZB und Trump – Belastungsfaktoren mehren sich

Teresa May vor einem Union Jack
Quelle: Drop of Light/Shutterstock
Wer im Zuge der Wahl in Großbritannien auf stabile politische Ergebnisse hoffte, sieht sich heute Morgen enttäuscht. Das Kalkül von Premierministerin scheint krachend gescheitert. Die Folgen für das britische Pfund könnten fatal sein.

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Wer auf ein klares, früh feststehendes Wahlergebnis in Großbritannien gesetzt hatte, lag falsch. Gegen 7 Uhr heute Morgen stand fest, dass die konservativen Tories unter Premierministerin Theresa May zwar erneut stärkste Partei geworden sind, aber die absolute Mehrheit verfehlt haben. Das bedeutet: Der Plan von Premierministerin Theresa May ist atemberaubend gescheitert. Sie wollte mit den Neuwahlen eine Bestätigung für ihren Kurs eines harten Brexits. Diesem Kurs aber hat der Wähler nun ganz klar eine Absage erteilt.

Pfund wertet ab

Das Pfund hat bereits unmittelbar nach den Exit-Polls direkt nach Schließung der Wahllokale spürbar abgewertet. Diese deuteten bereits auf das „Hung-Parliament“ hin, also eine Sitzverteilung, bei der keine Partei eine absolute Mehrheit im Parlament hat. Die GBP-Schwäche kommt da nicht überraschend. Nichts können die Briten weniger gebrauchen, als eine langwierige Phase der Regierungsbildung. Immerhin läuft die Frist für den Austritt aus der EU schon. Der Zeitplan ist bereits höchst ambitioniert, wenn nicht gar unrealistisch. Eine weitere Verzögerung ist an dieser Front der absolute Super-Gau.

Für den Devisenmarkt war der Brexit eine schlechte Idee

Dass Sterling nicht noch viel deutlicher unter Druck ist, liegt daran, dass die Briten gestern den harten Brexit abgewählt haben. Selbst bei einer knappen absoluten Mehrheit im Parlament, wäre der Plan von Frau May gescheitert. Derzeit scheint noch nicht einmal klar, ob sie weiter an der Spitze der Regierung bleiben wird. Diejenigen, die den harten Brexit-Kurs für falsch halten, werden nun definitiv Oberwasser bekommen. Und davon profitiert letztlich auch das Pfund. Für den Devisenmarkt war der Brexit schon immer eine schlechte Idee. Nun herrscht zumindest Zuversicht, dass der Kollisionskurs von Frau May gestoppt werden kann – und zwar selbst für den Fall, dass es Frau May gelingt, eine Regierung unter konservativer Führung zu bilden. Die Erholung im Pfund wird umso früher einsetzen, je eher klar ist, dass die Regierungsbildung keine unendliche Geschichte wird. Sie wird umso stärker ausfallen, je offensichtlicher wird, dass die neue Regierung einen weicheren Brexit-Kurs einzuschlagen gedenkt.