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Ist der Tech-Sektor überhitzt? · 12. Juni 2017

NASDAQ: Der (kurzfristige) Absturz des Überfliegers

Anzeige der NASDAQ am New Yorker Times Square
Quelle: andersphoto/Shutterstock
Was war denn da bitteschön los? Wie aus dem Nichts gerieten am späten Freitagabend die US-Techwerte, teilweise fast schon dramatisch, unter Druck. War das einfach nur eine gesunde Korrektur oder doch der Beginn von etwas Größerem?

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Es war der größte Kurssturz seit langer Zeit. Insgesamt wurden vergangenen Freitag an der NASDAQ rund 100 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung vernichtet. Vor allem die Index-Schwergewichte wie Apple mussten gehörig Federn lassen. So verlor die Apple-Aktie bis zum Abend rund 3,9 Prozent an Wert, Facebook büßte 3,3 Prozent ein und auch Amazon (Minus 3,2 Prozent) und Alphabet (Minus 3,4 Prozent) gaben deutlich nach. Dabei ging es am Freitag eigentlich noch gut los. Alle drei großen US-Indizes markierte im frühen Handel jeweils neue Rekordhochs. Doch etwas überraschend drehte die Stimmung und die Kurse rutschten ab. Vielen Anleger stellen sich nun die Frage nach dem „warum“?

Sind die Bewertungen zu hoch?

MÄRKTE & MACHER 12:41min, 07. Juni 2017, 12:55 Uhr
Bereits vergangenen Mittwoch warnte Finanzmarktanalyst Bastian Galuschka von GodmodeTrader im Interview mit Börse Stuttgart TV vor einer möglichen Überhitzung im Tech-Sektor (Charts & Co.: Sind Apple und Amazon jetzt überbewertet?). Vor allem die zuletzt doch sehr euphorische Stimmung in Bezug auf den Tech-Sektor, bereitet Galuschka zunehmend Sorgen. Ähnlich sieht es Stacy Gilbert von Susquehanna Financial Group. „Ich denke, die Anleger überdenken aktuell die Bewertung“, so der Derivatestratege gegenüber Dow Jones Newswire. "Techwerte sind so gut gelaufen, sind so kräftig gestiegen, und jetzt fragen die Leute, wie viel besser kann es überhaupt noch werden?", sagte Portfoliomanager Dan Morgan von Synovus Trust Co.

Goldman-Analyse als Auslöser?

Den Kurssturz ausgelöst hat jedoch eine Analyse von Goldman Sachs. So konstatierten die Experten von Goldman Sachs, dass die niedrige Volatilität bei einigen Tech-Werten die Anleger zunehmend blind für die Risiken durch Geschäftszyklen und wettbewerbsrechtliche Bestimmungen mache. Die Schwergewichte um Apple liefen seit Monaten wie an einer Schnur gezogen nach oben. Größere Rücksetzer gab es zuletzt fast keine und Tech-Riesen wie Amazon und Alphabet knackten sogar die Runde Marke von 1.000 US-Dollar pro Aktie.

Gesunder Rücksetzer?

Der jüngste Kurssturz wurde am Freitagabend von einigen Anlegern bereits wieder zum Einstieg genutzt, was die Kurse immerhin etwas stabilisieren konnte. "Viele dieser Aktien haben kürzlich frische Hochs erreicht, so dass etliche Anleger nun eine Pause einlegen", sagte der Managing Director für Trading Doug DePietro von Evercore ISI, gegenüber Dow Jones Newswire. "Es gibt keine Nachrichten, die besagen 'Verkaufe die Big Techs', es sind einfach nur Gewinnmitnahmen." Insofern erscheint die jüngste Korrektur nicht einmal unbedingt ungesund. Anlegern wird mal wieder vor Augen geführt, dass auch Investments in Tech-Schwergewichte selbstverständlich mit gewissen Risiken verbunden sind – wenngleich diese von der zuletzt sehr geringen Volatilität ein wenig in den Hintergrund geraten sind. Zudem scheinen die Rücksetzer von vergangenem Freitag vor allem für langfristige Anleger mehr als verkraftbar. Die Apple-Aktie beispielsweise konnte auf Jahressicht um fast 50 Prozent zulegen.