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Air Berlin in der Krise · 12. Juni 2017

Bund prüft Antrag auf Hilfe

Air Berlin in der Krise
Quelle: Savvapanf Photo / Shutterstock
Wie geht es weiter bei Air Berlin? Mitarbeiter und Passagiere der schwer angeschlagenen Airline sind verunsichert. Derweilen prüft Air Berlin die Möglichkeit einer staatlichen Bürgschaft.

-Von Cornelia Frey, Börse Stuttgart TV Newsredaktion-
Nach den gescheiterten Pläne für einen gemeinsamen Ferienflieger zwischen der Air Berlin-Tochter Niki und Tuifly sind die Zukunftsperspektiven von Air Berlin noch unsicherer als sie bisher schon waren. Niki bleibt nun erst einmal im Konzern. Sie bildet nun eine von zwei separaten Geschäftseinheiten, wie Air Berlin und ihr arabischer Großaktionär Etihad am Freitag mitteilten. Ein Bereich umfasst die Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa. Der andere Bereich besteht aus den Urlaubsflügen unter der Marke Niki.
Zugleich stellte Etihad klar, an dem im Dezember 2016 angekündigten Kauf aller Air Berlin-Anteile an Niki festzuhalten. "Wir sind bestrebt, die Transaktion in Kürze abzuschließen", sagte der Interims-Vorstandschef von Etihad, Ray Gammell, laut Mitteilung. Dafür sind bereits vor Monaten 300 Millionen Euro von Etihad an die notleidende Air Berlin geflossen. Wie es nach der Übernahme mit Niki weitergehen wird, ließ Etihad offen.

Unterstützung vom Bund?

Am Donnerstag hatte die Airline Voranfragen für Bürgschaften bei den Bundesländern Berlin und Nordrhein-Westfalen (NRW) gestellt. Die Airline hat in Berlin und Düsseldorf Drehkreuze, hier arbeiten die meisten Mitarbeiter. Die Reaktionen aus der Politik sind bislang zurückhaltend. Wie Wirtschaftssenatorin Ramona Pop von den Grünen sagte, will Berlin die Anfragen sorgfältig prüfen. Abweisender zeigte sich hingegen FDP-Chef Christian Lindner, der Koalitionsverhandlungen in NRW führt. Der Steuerzahler dürfe nicht für Missmanagement haften. Eine unternehmerische Perspektive sei nicht sichtbar, sagte er der Bild-Zeitung. Nach Aussagen eines Sprechers im Wirtschaftsministerium sei der Ausgang offen. Offen blieb bislang auch, um welche Summe es dabei gehen könnte. Bei Air Berlin geht es um den Erhalt von 8000 Arbeitsplätzen.

Flugausfälle und Verspätungen verärgern Kunden

Derzeit kommt es einem Bericht der „Welt am Sonntag“ zufolge immer häufiger zu langen Verspätungen oder Flugausfällen. Am Flughafen Berlin-Tegel herrschte wochenlang Kofferchaos, nachdem Air Berlin den Bodendienstleister wechselte. Derzeit fallen wegen fehlender Crews vermehrt und oft sehr kurzfristig Flüge aus, über 20 waren es über Pfingsten.
Passagiere müssen nach Unternehmensangaben aber nicht um die Gültigkeit ihrer Tickets fürchten. Die Buchungszahlen seien stabil, die Flugzeuge gut gefüllt, sagte Air Berlin-Vertriebsvorstand Götz Ahmelmann der "Rheinischen Post".

Übernahme durch die Lufthansa?

Seit einiger Zeit wird schon spekuliert, dass die Lufthansa Air Berlin schlucken könnte. Diese hat mehrfach ihr Interesse an einer Übernahme der angeschlagenen Airline bekundet, sofern auch kartellrechtliche Fragen geklärt werden könnten und Air Berlin zuvor entschuldet würde. Bereits seit 2008 steckt Air Berlin in den roten Zahlen, unterbrochen nur von einem kleinen Plus im Jahr 2012.

Aktie startet kaum verändert

Die Aktien von Air Berlin sind nahezu unverändert in die neue Woche gestartet. Ende vergangener Woche konnte sie rund fünf Prozent zulegen und zwischenzeitlich über die Marke von einen Euro klettern, nachdem sie am Donnerstag um sechs Prozent abstürzten. Anfang Mai war der Kurs auf ein Rekordtief von 0,51 Euro gerutscht.