Nachrichten

Gastbeitrag Commerzbank Research · 13. Juni 2017

Hohe Inflation und Kummer für das Pfund

Pfund und US-Dollar auf einer Waage
Quelle: kvsan/Shutterstock
Eigentlich mehrten sich in den vergangenen Tagen die positiven Vorzeichen für das britische Pfund. Und dennoch kommt die britische Leitwährung einfach nicht auf die Beine. Weshalb eigentlich?

Nach dem desaströsen Wahlergebnis für ihre konservative Partei wächst der Druck auf Premierministerin Theresa May, ihre bisherige harte Brexit-Strategie zu überdenken. Gestern trat May vor ihre Parteikollegen, um sich für die Wahlpleite zu entschuldigen und sich die anhaltende Rückendeckung der Tories zu sichern. In diesem Zusammenhang zeigte sie sich gewillt, die verschiedenen Meinungen innerhalb der Partei bezüglich des Brexits zukünftig zu berücksichtigen. Viele sahen dies als ersten Schritt in Richtung eines weicheren Ausstiegs aus der EU. Auch ein gestern verkündeter Personalwechsel innerhalb des Brexit-Ministeriums wird in diese Richtung interpretiert. So wurde Brexit-Befürworter David Jones durch Joyce Anelay ersetzt, die vor dem Referendum für einen Verbleib in der EU gestimmt hatte.

Wie lange kann sich May noch halten?

All das sind natürlich positive Zeichen für das Pfund. Denn ein weicherer Brexit würde im besten Fall bedeuten, dass Großbritannien seinen Zugang zum EU-Binnenmarkt behält oder zumindest Teil der europäischen Zollunion bleibt. Das allein würde die Anpassungskosten an den Brexit für die Wirtschaft bereits entscheidend verringern. Trotz dieser positiven Aussichten hat sich das Pfund seit der Wahl allerdings keinen Deut erholt. Und der Grund dafür ist einfach: Selbst wenn May nun eine entgegenkommendere Haltung gegenüber der EU einnimmt, es ist keinesfalls klar, dass sie lange genug im Amt ist, um den Brexit bis zum Ende auszuhandeln. Ihre Minderheitsregierung ist von der Unterstützung der nordirischen DUP abhängig. Und dieses Bündnis ist aufgrund der teils erzkonservativen Ansichten der Partei durchaus umstritten. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es noch keine ausgemachte Sache, dass es zu einer Einigung zwischen den beiden Parteien kommt, und selbst wenn, dass diese lange hält.

Das Problem mit der Zeit

Und da wäre noch das Problem der Zeit. Mit den Neuwahlen hat die britische Regierung bereits kostbare Zeit für die Verhandlungen mit der EU verloren. Mittlerweile hat Brexit-Minister David Davis gestanden, dass sich der Beginn der Verhandlungen, der ursprünglich für den kommenden Montag angesetzt war, erneut verzögern würde – wohl aber nur um wenige Tage. Doch die Zeit ist ohnehin knapp. Und je mehr Zeit die Briten durch ihre innerpolitischen Querelen verplempern, desto schlechter stehen die Chancen für ein erfolgreiches Abkommen mit der EU bis zum Ende der Verhandlungszeit im März 2019.

Pfund-Abwertung treibt Inflation in die Höhe

Doch der Kummer für das Pfund endet hier nicht. Schließlich zeigen sich die Folgen der Brexit-Entscheidung zunehmend auch in der Realwirtschaft. Die deutliche GBP-Abwertung unmittelbar nach dem Referendum treibt die Inflation in die Höhe, was wiederum auf den realen Einkommen der britischen Haushalte lastet. Nicht zuletzt aus diesem Grund hält die Bank of England vorerst die Füße still, weil sie weder die Inflation noch die Konjunkturschwäche fördern will. Ohne Aussicht auf steigende Zinsen ist die hohe Inflation allerdings vorerst eine Belastung für das Pfund. Überraschen die Mai-Preisdaten heute also auf der Oberseite, könnte gleich der nächste Schlag für die britische Währung folgen.