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Traderfox-Kolumne · 13. Juni 2017

Der Erfolg der Dividendenstrategie liegt nicht in den Dividenden

Etikett mit der Aufschrift Dividend auf Münzen
Quelle: anythings/Shutterstock
„Dividenden sind der neue Zins“, ist ein geflügelter Begriff geworden. Wenn das Tagesgeld keine Zinsen mehr bringt und Anleihen ebenso wenig, sehen Dividendenrenditen von 3% sehr verlockend aus. Also eine sichere Sache, sollte man meinen...

-Gastbeitrag von Michael C. Kissig-
Kritiker wenden ein, dass Zinsen „sicher“ sind. Man erhält sie während der gesamten Laufzeit der Anlage und am Ende auch sein eingesetztes Kapital zurück. Dividenden hingegen würden ja direkt nach der Ausschüttung durch den sogenannten Dividendenabschlag vom Kurs abgezogen, so dass Aktionäre hier keinen Vorteil hätten. Im Gegenteil, durch den sofortigen Steuerabzug gehen direkt mehr als 25 % an das Finanzamt.

Der Dividendenabschlag macht den Aktionär also nicht ärmer

Das ist alles richtig, doch sieht es bei Anleihen nicht anders aus. Kauft man diese, bezahlt man zusätzlich zum Kurs die sog. Stückzinsen. Also den Zinsanteil, der bis zum Kauftag im jeweiligen Jahr bereits angefallen ist. Verkauft man die Anleihe vor dem Zinszahlungstag, erhält man dem entsprechend die aufgelaufenen Stückzinsen gutgeschrieben. Auch hier verändert sich also der Wert der Anlage und es fallen Steuerabzüge an. Des Weiteren handelt es sich bei Aktienanlagen nicht um Fremdkapital, sondern um Eigenkapital, das man dem Unternehmen zur Verfügung stellt. Man ist daher am Gewinn beteiligt. Und wenn dieser anteilig in Form einer Dividende ausgeschüttet wird, reduziert sich der Aktienkurs entsprechend, weil das Geld ja aus dem Unternehmen fließt und es deshalb weniger wert ist. Allerdings verdient das Unternehmen ja das ganze Jahr über die Gewinne, die am Ende im Jahresabschluss unter dem Strich den Jahresgewinn ausmachen. Der Dividendenabschlag macht den Aktionär also nicht ärmer. Auch deshalb wird er durchschnittlich innerhalb weniger Wochen wieder aufgeholt.

Chance und Risiko gehen Hand-in-Hand

Und dann bleibt noch die Risikobetrachtung. Bei Sparbüchern oder Tagesgeldkonten sind Einlagen bis zu bestimmten Obergrenzen durch die Einlagensicherung abgesichert. Das Risiko ist also verhältnismäßig niedriger als bei Anleihen oder Aktien. Bei einer Aktiengesellschaft ist man Miteigentümer und damit als letzter in der Reihe, wenn es bei einer Pleite noch etwas zu verteilen gibt. Als Anleihegläubiger steht man vor den Aktionären in der Schlange, aber die Quoten bei Pleiten sind ebenfalls verschwindend gering und selten über 20 %. Chance und Risiko gehen auch bei der Geldanlage immer Hand-in-Hand. Der langfristige Erfolg von Aktien, und insbesondere von Unternehmen mit Dividendenzahlungen, spricht indes ganz klar für Aktien als Anlage. Vor allem, solange das Zinsniveau nicht nachhaltig über 4 % ansteigt.
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