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Traderfox-Kolumne · 16. Juni 2017

Vivent les moyennes entreprises!

Französische Flagge auf einigen Geldmünzen
Quelle: Golden Brown/Shutterstock
In den vergangenen Monaten und Jahren galt Frankreich immer mal wieder als geheimer Wackelkandidat innerhalb der Eurozone. Doch mit der Präsidentschaftswahl scheint sich der Wind gedreht zu haben. Gilt das auch für französische Aktien?

- Gastbeitrag von Jürgen Büttner-
Frankreich erhielt für seine politische und volkswirtschaftliche Verfassung in den vergangenen Jahren nicht gerade gute Noten. Erst seit der jüngst abgehaltenen Präsidentschaftswahl fällt die Berichterstattung wieder etwas zuversichtlicher aus. Doch auch in der Bashing-Zeit zuvor ging ein aus Anlegersicht wichtiger Aspekt unter: Französische Nebenwerte haben seit Jahren einen guten Lauf an der Pariser Börse. Das gilt auch für jene fünf Aktien, die wir als weiterhin aussichtsreich herausgefiltert haben.

Emmanuel Macron als Hoffnungsträger

Frankreich sieht sich gerne als „La Grande Nation”. Doch Glanz und Gloria hat das Land zuletzt wahrlich nicht immer verbreitet – zumindest volkswirtschaftlich und politisch nicht. So tauchte Frankreich wegen Schwächen im volkswirtschaftlichen Datenkranz in den vergangenen Jahren immer wieder mit in der Liste der als kränkelnd eingestuften europäischen Staaten auf. Und politisch drohte das Land bei den jüngst abgehaltenen Präsidentschaftswahlen in das extrem rechte oder extrem linke Lager abzudriften.
Politisch ging der Urnengang dann aber bekanntlich glimpflich aus, weil mit Emmanuel Macron ein den Finanzmarkt-Akteuren genehmer Kandidat als Sieger hervorging. Der 39-jährige gilt als Sozial- und Wirtschaftsliberaler und an seine Person knüpfen sich jetzt große Hoffnungen. Der Auftrag, den er sich auch selbst zugewiesen hat lautet, nicht nur Frankreich sondern gleich die ganze EU zu reformieren. Die Vorschusslorbeeren für den neuen starken Mann sind riesig, doch ob er liefern kann, hängt auch davon ab, mit welcher Machtposition er aus den Parlamentswahlen im Juni hervorgeht.

Erheblicher Reformbedarf

Zu tun gibt es jedenfalls allein schon in Frankreich aufgrund von strukturellen Problemen mehr als genug. Wirtschaftspolitisch geht es im Inland primär um die Themenfelder Arbeitsmarkt und Jugendarbeitslosigkeit, Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Reindustrialisierung sowie Sanierung der Staatsfinanzen. Chefvolkswirt Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg gibt in diesem Zusammenhang folgendes zu bedenken: „Das durchschnittliche Wachstum über den Wirtschaftszyklus betrachtet und die Wettbewerbsfähigkeit sind niedrig. Zudem sind die Staatsausgaben in Höhe von 56 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP), die Staatsverschuldung (knapp 100 % vom BIP), die Arbeitslosenrate (10 %) und die Regulierungsdichte hoch.“
Wie verkrustet das Denken in vielerlei Hinsicht ist, zeigt sich gerade bei den Filmfestspielen in Cannes. Die Tatsache, dass das Programm auch zwei Produktionen des Streamingdienstes Netflix beinhaltete, stieß auf viel Kritik und beim Abspielen der Beiträge gab es bei der Einblendung des Netflix-Logos Buhrufe. Vordergründig ging es dabei um die nur geringe Präsenz von Netflix-Filmen in den Kinos, genau genommen dürften die Diskussionen aber nicht zuletzt mit der Angst vor dem neuen aufstrebenden Konkurrenten zu tun haben.