Nachrichten

Großer Verfallstag lässt Kurse tanzen · 15.09.2017 08:30 Uhr

Hexensabbat: Der große Verfall

Hexensabbat
Quelle: Sergei25/ Shutterstock
Beitrag teilen
Vier Mal im Jahr kommt es an den Märkten zu heftigen und scheinbar unkontrollierbaren Kursbewegungen. Doch weder Unternehmensnachrichten, noch die wirtschaftliche Lage oder Politik sind dafür verantwortlich. Was steckt hinter dem Begriff?

- Sina Raich, Börse Stuttgart TV Newsredaktion -
Der „Hexensabbat“ oder auch „dreifache Verfallstag“ ist immer der dritte Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember. An diesen Tagen verfallen an den wichtigsten Derivatebörsen weltweit viele Terminkontrakte. Dabei sind ein vergleichsweise hohes Handelsniveau und eine gesteigerte Volatilität zu beobachten.

Was genau passiert am Hexensabbat?

An der Börse werden Terminkontrakte in Form von Futures oder Optionen gehandelt. Diese Anlageformen spekulieren auf eine bestimmte Entwicklung innerhalb eines festgelegten Zeitraums und haben damit einen hohen Einfluss auf den Gesamtmarkt.
An den großen, dreifachen Verfallstagen laufen diese Kontrakte aus. Dabei werden die Abrechnungspreise festgestellt, anhand derer die Futures und Optionen bewertet werden – man spricht vom Settlement-Preis. Weltweit fällt dieser Termin an allen wichtigen Börsenplätzen auf denselben Tag.
An der Terminbörse Eurex verfallen an diesem Tag drei Kategorien von Derivaten: Um 12 Uhr enden die Futures und Optionen, die sich auf die europäische STOXX-Indexfamilie beziehen. Um 13 Uhr verfallen Produkte auf den DAX und TecDAX und direkt im Anschluss, um 13.05 Uhr, auf den MDAX. Schließlich werden zum XETRA-Börsenschluss um 17.30 Uhr die Optionen auf Einzelaktien abgerechnet.

Wie können die hochvolatilen Kursbewegungen entstehen?

Mit dem Settlement am Ende der Laufzeit entscheidet sich für die Terminmarkt-Akteure, ob ihr Engagement erfolgreich war. Daher versuchen institutionelle Marktteilnehmer, die typischerweise große Bestände an Call- oder Put-Optionen halten, vor dem Verfall bis zum Zeitpunkt der endgültigen Abrechnung die Kurse der Basiswerte zu ihren Gunsten zu bewegen. So sollen am Verfallstag für sie günstige Kurse zur Abrechnung erreicht werden.
Dies hat zu Folge, dass im Vorfeld des Hexensabbats das Handelsvolumen stark ansteigt und es zu deutlichen und unvorhersehbaren Kursschwankungen kommen kann. Da diese weder fundamental noch charttechnisch erklärbar sind, werden sie mit „Hexenmagie“ verglichen. Häufig pendeln sich die Kurse nach dem großen Verfall wieder auf das vorherige Niveau ein.
Private Anleger sollten sich jedoch bewusst sein, dass der Handel weniger berechenbar wird und Engagements an diesen Handelstagen mit besonderen Risiken verbunden sind.

Der kleine Verfallstag

Dem Hexensabbat steht der kleine Verfallstag gegenüber, der monatlich stattfindet. Jeweils am dritten Freitag eines Monats verfallen an den Terminbörsen Optionen auf Einzelaktien und Indizes. Der Einfluss auf den Gesamtmarkt ist jedoch deutlich geringer.