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Wo liegen die Unterschiede? · 19. Juni 2017

Börslicher versus außerbörslicher Handel

Forex Trade Graph Chart Concept
Quelle: Rawpixel.com/Shutterstock
Anlegern stellt sich immer wieder die Frage, ob sie ihren Wertpapierauftrag bei der Orderaufgabe börslich oder außerbörslich platzieren sollen. Was sind die Unterschiede?

-von Sina Raich, Börse Stuttgart TV Newsredaktion-
Der börsliche Soforthandel der Börse Stuttgart
Ob börslich oder außerbörslich, die Depotbank muss dem Wunsch des Anlegers in jedem Fall Folge leisten. Beide Handelswege haben Vor- und Nachteile, die es dabei abzuwägen gilt.

Börslicher Handel

Börsen sind in Deutschland öffentlich-rechtlich organisiert und werden durch die Börsenaufsichtsbehörde und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überwacht. Hauptziel der BaFin ist die Sicherung der Funktionsfähigkeit, Stabilität und Integrität des deutschen Finanzsystems. Beim Börsenhandel fallen vor allem die Sachverhalte Marktmanipulation und Verstoß gegen Insiderrecht in ihren Zuständigkeitsbereich. Darüber hinaus legt unter anderem das Börsengesetz verbindliche rechtliche Regelungen für den Börsenhandel fest. Demnach müssen Preisermittlungen und Orderausführungen transparent, manipulationsfrei und fair erfolgen.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des börslichen Handels stellt die Handelsüberwachung dar. Die Handelsüberwachsungsstelle, kurz HÜSt, erfasst den Handel und die Geschäftsabwicklung systematisch und lückenlos. Dabei werden entscheidende Aspekte, wie das ordnungsgemäße Zustandekommen von Börsenpreisen oder die Einhaltung von Vorgaben der Regelwerke der Börse, geprüft.
Auch die Transparenzpflichten, denen Handelsteilnehmer an der Börse unterliegen, sind geregelt. So werden sämtliche Kurse auf den in Echtzeit angezeigt. Börsliche Orderausführungen können im Nachhinein nachvollzogen werden. Durch die klaren Regeln und dem hohen Maß an Transparenz wird dem Anleger beim börslichen Handel mehr Sicherheit geboten.
Beim börslichen Handel haben Anleger außerdem die Möglichkeit Limitorders zu setzen, die dann von den Händlern (an der Börse Stuttgart auch Quality Liquidity Provider oder QLP genannt) überwacht werden. Darüber hinaus ist eine mögliche Verengung des Spreads als Vorteil zu nennen.

Außerbörslicher Handel

Im Vergleich zum börslichen Handel handelt es sich beim außerbörslichen Handel um ein direktes, privatrechtliches Geschäft zwischen Anleger und einer Bank. Daher wird auch häufig vom „Direkthandel“ gesprochen. Trotz der Überwachung und Transparenz beim börslichen Handel kann das „Hit-and-take-Prinzip“ des außerbörslichen Handelns für manche Anleger von Vorteil sein. Nach diesem System erhält der Anleger sofort nach seiner Anfrage den Kurs, auf den er sich einlässt. Allerdings ist dies nicht mehr ausschließlich ein Vorteil des außerbörslichen Handels. So gibt es mittlerweile zahlreiche Börsen - darunter auch die Börse Stuttgart - die ebenfalls ein solches "Hit-and-take-Prinzip" anbieten.
So nutzen manche Daytrader den Direkthandel, weil sie unmittelbar vom Emittenten einen Preis für ihre gewünschte Stückzahl gestellt bekommen und die Transaktion nur noch per Mausklick bestätigen müssen.
Für viele Anleger spielen auch die meist etwas geringeren Kosten eine Rolle, da beim außerbörslichen Handel die Maklercourtage und ähnliche Kosten nicht anfallen.
Sowohl der börsliche als auch der außerbörsliche Handel haben ihre Vor- und Nachteile. Letztlich muss der Anleger für sich selbst entscheiden, auf welche Qualitäten er Wert legt und welcher Handelsweg am besten zu ihm passt.