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Gastbeitrag Commerzbank Research · 20. Juni 2017

Ölpreise auf 7-Monatstiefs und Gold nach Dudley-Rede unter Druck

Ölfeld im Sonnenuntergang
Quelle: Shutterstock
Die Ölpreise stehen weiter unter Druck. Brent ist wieder auf dem Niveau von Ende November. Auch der Goldpreis ist unter Druck. Das liegt an William Dudley, dem Präsidenten der New Yorker Fed.

- von Eugen Weinberg (Commerzbank AG, Leiter Rohstoffanalyse, CM Research) -
Die Ölpreise stehen weiter unter Druck. Brent ging gestern bei 46,9 USD je Barrel aus dem Handel, WTI bei 44,2 USD je Barrel. Damit verzeichnete Brent das niedrigste Niveau auf Schlusskursbasis seit Ende November, WTI seit Mitte November.
In Libyen steigt die Ölproduktion weiter. Gestern meldete Reuters unter Berufung auf Quellen aus der libyschen Ölindustrie einen Anstieg um 50 Tsd. auf 885 Tsd. Barrel pro Tag, nachdem ein Disput mit der deutschen Firma Wintershall behoben werden konnte. Das kurzfristige Produktionsziel der staatlichen Ölgesellschaft NOC von 900 Tsd. Barrel pro Tag ist damit nahezu erreicht.
Der saudi-arabische Energieminister al-Falih sieht in der steigenden Ölproduktion Libyens (und Nigerias) keine Gefahr für das Kürzungsabkommen, obwohl beide Länder für den deutlichen Anstieg der OPEC-Ölproduktion im Mai verantwortlich waren und somit die Kürzungen der anderen OPEC-Mitglieder konterkarierten. Al-Falih zufolge würden sich die Fundamentaldaten am Ölmarkt in die richtige Richtung bewegen. Allerdings würde es noch etwas Zeit benötigen, bis die Kürzungen die gewünschte Wirkung erzielen. Möglicherweise bezieht sich al-Falih auch auf die Daten der Joint Organisations Data Initiative (JODI). Denen zufolge hat Saudi-Arabien im April 226 Tsd. Barrel Rohöl pro Tag weniger exportiert als im Vormonat.
Gleichzeitig kam es zu einem Lagerabbau um 3,9 Mio. Barrel. Grund hierfür war ein höherer Eigenbedarf bei gleichbleibender Produktion. In den kommenden Monaten ist aufgrund eines während des Sommers weiter steigenden Eigenbedarfs mit einem fortgesetzten Lagerabbau und Rückgang der Exporte zu rechnen.

Starker Dollar macht Gold schwach

 
Eine Rede des einflussreichen Präsidenten der New York Fed, William Dudley, führte gestern zu einem aufwertenden US-Dollar, was wiederum den Goldpreis unter Druck setzte. Dieser fiel zeitweise auf ein 5-Wochentief von gut 1.240 USD je Feinunze und handelt heute Morgen nur leicht höher.
Das Unterschreiten der charttechnisch wichtigen 100-Tage-Linie hat noch nicht zu technisch bedingten Anschlussverkäufen geführt.
Da der US-Dollar zulegte, fiel der Rückgang von Gold in Euro gerechnet nicht so stark aus. Es notiert mit rund 1.115 EUR je Feinunze aber ebenfalls auf einem 5-Wochentief.
Dudley zeigte sich mit den bisherigen Zinserhöhungen in den USA zufrieden und sprach sich gegen eine Pause im Zinserhöhungszyklus aus. Der Markt misst den Worten von Dudley viel Gewicht bei, da dieser die Mehrheitsmeinung des FOMC vertritt.
Die aus den Fed Fund Futures abgeleiteten Zinserhöhungserwartungen im Markt sind allerdings nicht gestiegen. Heute reden weitere Fed-Mitglieder, die als eher falkenhaft gelten. Dies könnte den Goldpreis erneut unter Druck setzen.
Die anderen Edelmetalle wurden von Gold mit nach unten gezogen und gaben zeitweise stärker nach als Gold. Heute Morgen erholen sie sich dafür aber auch kräftiger als Gold. Die von Bloomberg erfassten Silber-ETFs haben in den letzten beiden Handelstagen Abflüsse von fast 130 Tonnen verzeichnet. Damit sind die Abflüsse seit Monatsbeginn auf gut 150 Tonnen gestiegen. Der Silberpreis ist seitdem um knapp 5% gefallen.