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Gastbeitrag Commerzbank Research · 21. Juni 2017

Devisen: Pfund unter Druck

Pfund unter Druck
Quelle: KeongDaGreat / Shutterstock
Die Aussichten für das britische Pfund sind aktuell nicht rosig, da sich die Wirtschaftsdaten zunehmend eintrüben und die instabile politische Situation macht es nicht besser. Quo Vadis britisches Pfund?

-von Esther Reichelt (Analyst FX & EM Research Commerzbank)-
Letzte Woche nach der Sitzung der Bank of England (BoE), als das Pfund aufwertete, nachdem drei der acht Mitglieder des MPC für eine Zinserhöhung gestimmt hatten, hatte ich bereits erwartet, dass die Pfund-Rally wieder korrigiert wird. Denn eines dieser Mitglieder, Kristin Forbes, verlässt zum Ende des Monats das MPC, ein anderes, Ian McCafferty, hatte schon längere Zeit zuvor für eine Zinserhöhung gestimmt, sich zwischenzeitlich aber auch wieder anders entschieden. Insofern war das Abstimmungsergebnis letzte Woche wohl eher ein Signal, dass auch nach dem Ausscheiden von Kristin Forbes noch Befürworter für Zinserhöhungen im MPC verbleiben, und keine faktische Wende des MPC in Richtung einer falkenhafteren Haltung. Ihre Nachfolgerin, Professorin Silvana Tenreyro, dürfte als Brexit-Gegnerin nicht auf der falkenhaften Seite zu finden sein. Seit der Rede von Notenbankchef Mark Carney gestern ist es Fakt, dass es keine Sommersonnenzinswende bei der BoE gibt, sondern dass sie erst einmal unverändert an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten wird. Eine Vielzahl von Marktteilnehmern musste nach der Rede Carneys ihre Zinserhöhungserwartungen begraben und Sterling verkaufen. Carney zufolge funktioniert zwar der monetäre Stimulus und natürlich verringert sich mit Abnahme der freien Kapazitäten in der Wirtschaft die Toleranz der BoE gegenüber einer Inflation, die über dem Inflationsziel liegt. Alle MPC Mitglieder seien sich dabei einig, dass jegliche Zinsanpassung geringen Ausmaßes und sehr graduell sein würde. Es kämen jedoch gemischte Signale vom privaten Verbrauch und von den Unternehmensinvestitionen, außerdem seien die Lohnzuwächse und damit der inflationäre Druck noch gering, so Carney. Deshalb sei die Zeit noch nicht reif, mit dem (Zins-)Anpassungsprozess zu beginnen. Er wolle erst sehen, dass der schwächere Konsum von anderen Nachfragekomponenten ausgeglichen wird, dass die Löhne steigen und wie die Wirtschaft auf die Brexit-Verhandlungen reagiert. Keine rosigen Aussichten für das Pfund, da sich die Wirtschaftsdaten zusehends eintrüben und die expansive Haltung der BoE festigen dürften: hohe Inflation, sinkende Reallöhne, geringerer privater Verbrauch, stagnierende oder gar fallende Investitionen. Mit einer instabilen politischen Lage zuhause in die Brexit-Verhandlungen in Brüssel zu gehen, kann ebenfalls kein Pluspunkt sein. Wie ich es auch drehe und wende: ich kann das Pfund auf absehbare Zeit nur schwächer sehen.
 

US-Dollar: Ende der Kursgewinne in Sicht?

Eigentlich mag ich Menschen, die immer das Positive in den Dingen sehen. Wenn US Finanzminister Steven Mnuchin aber plötzlich einen starken Dollar gut findet, bin ich verwirrt. Fairerweise muss ich sagen, dass er „natürlich negative Aspekte eines starken Dollars“ feststellt, da dieser Auswirkungen auf die Exporte hat. Aber, so Mnuchin in einem Interview, „andererseits ist ein starker Dollar Ausdruck des Vertrauens in die US Wirtschaft und die Trump Administration“. Vor einigen Wochen hörte sich das noch ganz anders an. Ich verbuche diese Aussage eher als Marketing-Gag zugunsten der Trump Regierung, die gutes Marketing auch bitter nötig hat. Der Dollar kann seine Stellung behaupten, da bei einigen Marktteilnehmern offenbar Erkenntnis aufkeimt, dass es der Fed mit ihren Zinserhöhungsabsichten augenscheinlich doch ernst ist. Denn nachdem William Dudley (NY Fed) sich schon gegen eine Zinspause im Zinszyklus ausgesprochen hat, hoben Stanley Fischer (Fed Vize Chairman) und Eric Rosengren (Boston Fed, nicht stimmberechtigt) gestern die Risiken niedriger Zinsen hervor. Geht das so weiter mit Jerome Powell (FOMC) morgen, könnte der Dollar noch etwas weiter zulegen. Robert Kaplan von der Dallas Fed (stimmberechtigt) hörte sich gestern Abend allerdings schon vorsichtiger an, da er vor einer nächsten Zinserhöhung erst die Bestätigung haben möchte, dass die jüngste Schwäche in der Inflationsrate nur vorübergehend ist. Und dann spricht am Freitag James Bullard (St. Louis Fed, nicht stimmberechtigt), der zuletzt die Zinspolitik der Fed scharf kritisierte: sie erhöhe die Zinsen zu schnell und zu stark. Ich würde daher nicht darauf setzen, dass der Markt plötzlich die Seite wechselt und es jetzt mit dem Dollar wie an der Schnur gezogen weiter hoch geht, sondern denke, dass bei 1,1080-1,1100 in EUR-USD erst einmal Schluss mit Dollargewinnen ist.