Nachrichten

Gastbeitrag Commerzbank Research · 22. Juni 2017

Ein öliger Teufelskreis

oel-feuer-drama-gas-foerderung-detail
curraheeshutter / Shutterstock.com
Die Lage ist angespannt: niedrige Inflationserwartungen und niedrige Güterpreise können einen Teufelskreis bilden. Auch die Brexit Verhandlungen in England machen die Lage nicht einfacher.

von Ulrich Leuchtmann (Leiter Devisenanalyse, CM Research)

Welch bessere Bestätigung könnte der Markt für seinen Inflationspessimismus finden, als den jüngsten Rutsch der Rohölpreise. Deren hohe Korrelation mit den langfristigen Inflationserwartungen (Abbildung 1) macht überdeutlich, dass niedrige Inflationserwartungen und niedrige Güterpreise einen Teufelskreis bilden können.
 

Kritik an der Haltung der Fed

Klar, Öl ist ein krasses Beispiel für den Einfluss von Inflationserwartungen auf die Preissetzung. Ein einfach lagerfähiges Gut, noch dazu mit einem globalen liquiden Terminmarkt, ist halt ganz besonders anfällig für Änderungen der langfristigen Inflationserwartungen.
Für die Konsumenten-Warenkörbe gilt das so einfach nicht. Ich will daher gar keine Aussage über tatsächliche Inflationsentwicklungen in den USA, in Europa oder sonst wo machen. Ich will nur darauf hinweisen, dass es nachvollziehbar ist, warum kaum jemand im Markt an die Story von Fed Chair Yellen und ihren Gesinnungsgenossen im FOMC glaubt, die weiterhin stoisch erzählen, ein gesundender Arbeitsmarkt würde es schon mit der Inflation richten.

Auswirkungen am Devisenmarkt

Die Auswirkungen am Devisenmarkt sind freilich komplex. Einerseits sind nachlasssende Inflationserwartungen eine schlechte Nachricht für den Dollar. Schließlich ist anzunehmen, dass ein stockender Re-Inflationierungsprozess die Zins-Normalisierung verlangsamt. Doch erwartet der Markt von der Fed eh kaum noch was: kaum mehr als einen Zinsschritt bis Ende 2018 (Abbildung 2).
Weniger geht kaum. So ist der negative Einfluss auf den Dollar gedämpft. Im G10-Universum gibt die US-Währung daher kaum nach – zumal sie natürlich gegenüber Rohstoff-Währungen (CAD, AUD) zulegen kann.

Brexit Worst Case Szenario

Kurz nach dem Brexit-Referendum hatte BoE-Chef Mark Carney u.a. das „wost-case“-Szenario erläutert: Zur Not müsse die Bank auch in schwierigem konjunkturellem Umfeld die Zinsen erhöhen, wenn möglicher Abwertungsdruck auf das Pfund anders nicht einzudämmen wäre.
Damals dachte der unbedarfte Zuhörer eher an dramatische Tage à la EWS-Krise. Doch BoE-Chef-Volkswirt Andy Haldane erinnerte gestern den Markt daran, dass auch unter weniger dramatischen Umständen Zinserhöhungen notwendig sein können, seiner Meinung nach noch heuer.
Für das Pfund ist diese Aussage nur begrenzt positiv. Denn die Stimmungslage im MPC war schon seit der Sitzung klar. Oder macht sich im Markt bereits Mistrauen in die Fähigkeit der BoE breit, mittels marginaler Zinsänderungen den Wechselkurs nachhaltig stützen zu können? Das wäre dann freilich der Auftakt zu weiterer GBP-Schwäche…