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Gastbeitrag Commerzbank Research · 30. Juni 2017

Alles nicht so gemeint?

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War es eine unbedachte Äußerung oder ein Testballon: Fakt ist EZB Chef Mario Draghi hat mit seinen Äußerungen in Portugal den Euro stark geredet und die Aktienmärkte entsprechend schwach. Jetzt hören wir: Alles nur ein Missverständnis!

Ulrich Leuchtmann (Leiter Devisenanalyse, CM Research)
Die EZB ließ gestern durchsickern, ihr Präsident Mario Draghi sei am Vortag falsch interpretiert worden, als seine Rede vom Markt als falkenhaft verstanden worden war. Die Rede sei als „ausgeglichen“ gemeint gewesen.
Die „Quellen“ (die die EZB üblicherweise in solchen Fällen vorschickt), erwähnten gegenüber Nachrichtendiensten auch den üblichen „Disclaimer“, der eigentlich immer zu den Bemerkungen eines EZB-Offiziellen dazugehört, der am Vortag in Draghis Rede aber fehlte:
dass die EZB, falls ungewöhnliches passieren würde, auch bereit wäre, ihre Geldpolitik zu lockern.
Bemerkenswert war an dieser Stelle die Bemerkung zu Wechselkursen, die in offiziellen Statements natürlich immer fehlt: „[…] die EZB ist weiterhin bereit zu lockern, falls sich die Finanzierungsbedingungen verschlechtern, zum Beispiel durch einen stärkeren Euro […].“
Offensichtlich hat vor allem das heftige Anziehen der EUR-Wechselkurse nach Draghis Rede die EZB nervös gemacht.

EZB Kommunikationstricks

Doch genützt hat diese Kommunikation der EZB nicht viel. Der Devisenmarkt ließ sich davon nur kurz beeindrucken, danach zog EUR-USD wieder kräftig an und notiert heute Morgen bei Niveaus um 1,14 – rund 200 Pips über dem Niveau vor Draghis Rede.
Es ist offensichtlich so, dass die EZB mit solchen Kommunikationstricks es halt nicht schafft, die Lawine, die Draghi losgetreten hat, zu stoppen. Zumal der EZB-Chef gestern in einer Podiumsdiskussion mit keinem Wort darauf einging, er sei falsch verstanden worden.
Gut, das mag der persönlichen Eitelkeit des EZB-Präsidenten geschuldet sein. Er ist nicht gerade der Typ, der gerne Fehler eingesteht. Aber wenn sich die Kommunikation auf inoffizielle Kanäle beschränkt, ist die Wirkung nun einmal gedämpft.

Euro Stärke nur eine Blase?

Das heißt aber auch: Alles, was nach der Klarstellung an Euro-Stärke kam (und noch kommt), ist halt genau das: eine Lawine, die sich ohne äußeren Grund bewegt. Ökonomen nennen das eine Blase. Das heißt nicht, dass es heute schon wieder mit EUR-USD nach unten geht. Im Gegenteil. Es heißt, dass fundamentale obere Schranken für den Wechsel-kurs nicht wirken.
Freilich dürfte die EZB, wenn die rasante EUR-Aufwertung sich fortsetzt, ihre Kommunikation verstärken. Das hat sie zuletzt 2014 durchexerziert. Damals verhinderte sie EUR-USD-Kurse über 1,40.