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"Brexodus" treibt auch Deutsche Bank · 06. Juli 2017

Deutsche Bank will Teile des London-Geschäfts nach Frankfurt verlagern

Deutsche Bank, Frankfurt am Main
Quelle: canadastock / Shutterstock.com
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Die Deutsche Bank plant offenbar große Bereiche des Handelsgeschäfts und des Investmentbankings von der Themse an den Main zu verlagern. Es ist wohl eine Reaktion auf das Brexit-Votum in Großbritannien.

- von Andreas Scholz, Börse Stuttgart TV Nachrichtenredaktion -
Gut ein Jahr nach dem Brexit-Votum der Briten spielt offenbar ein weiteres großes europäisches Geldhaus ernsthaft das Szenario eines umfangreichen Umzugs raus aus der City und hin in die EU durch. Und einmal mehr soll es sich um Frankfurt am Main, zugleich Sitz der Europäischen Zentralbank, als neue Zieladresse handeln.
Unter Berufung auf Kreise berichtet die US-Nachrichtenagentur Bloomberg, dass der deutsche Branchenprimus, die Deutsche Bank, vorhabe, ihre Heimatwurzeln weiter zu stärken. Innerhalb der nächsten 18 Monate sollen wesentliche Teile des Handelsgeschäfts und auch des Investment Bankings nach Frankfurt verlagert werden. Gerade das Investment Banking der Bank hatte immer in London seinen Heimathafen, die Kollegen in Frankfurt spielten bei Handel und Investment Banking dagegen immer nur eine kleine Nebenrolle. Nun könnte sich dies aber ändern.
Zum einen will die Bank ihr Investment Banking ohnehin stärker mit dem Firmenkundengeschäft in der Heimat verzahnen und stärken, der aufziehende "Brexodus" in der City of London sorgt nun für eine zusätzliche Dynamik. Es geht um das sogenannte "Passporting" für Finanzprodukte, die in der EU vertrieben werden sollen. Hier könnte, nach einem Austritt der Briten aus der EU, die Stellung Londons als Finanzplatz deutlich geschwächt werden. Finanzhäuser bräuchten ihre Spezialabteilungen dann mit Sitz an einem Finanzplatz in der EU.
Neben Frankfurt am Main machen sich auch andere Finanzhubs in der EU Hoffnung darauf, einen Teil des Marktes der Londoner Finanzszene abzubekommen. So stehen auch Paris, Amsterdam oder auch Dublin im Wettbewerb um die Gunst umzugswilliger Finanzhäuser mit derzeit großer Mannschaftsstärke in London.
Sollten die Brexit-Pläne der Deutschen Bank in den nächsten 18 Monaten in der Tat zur Umsetzung kommen, dann müsste das Geldhaus, so berichtet Bloomberg weiter, auch umfangreich in Infrastruktur, Technik und Büroflächen investieren. Der gerade erst eröffnete neue Handelsraum gegenüber der Zentrale müsste sicher noch erheblich erweitert werden. Genaue Zahlen hierzu gibt es aber noch nicht. Auch könnten, so Bloomberg, die Pläne auch wieder auf Eis gelegt werden, sollte es doch nicht zu einem härteren Brexit kommen.
Wie auch immer, die anhaltende Unsicherheit allein scheint schon auszureichen, damit Finanzinstitute mit ihren Umzügen beginnen. Der Beginn der Austrittsverhandlungen gepaart mit dem politischen Chaos in London lässt viele Geldhäuser einfach nicht länger zuwarten. So haben in den letzten Wochen gerade erst Standard Chartered, Nomura Holdings, Daiwa Securities, Sumitomo Mitsui Financial, aber auch Branchengrößen, wie Citigroup, Goldman Sachs oder auch Morgan Stanley ihre Umzugspläne von London nach Frankfurt konkretisiert oder sogar schon damit begonnen, diese umzusetzen. Bei der Deutschen Bank scheint es nun auch in diese Richtung zu gehen.