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Über die „goldenen Regeln“ der Börse · 13. Juli 2017

Börsenweisheiten: Die Bauernregeln des Kapitalmarkts

Börsenweisheiten
Quelle: Shutterstock/ jodaarba
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Es gibt eine Unmenge von Weisheiten, die kurz und griffig beschreiben, wie sich der eigene Anlageerfolg an der Börse steigern lässt. Doch was ist dran an solchen Regeln?

- von Sina Raich, Börse Stuttgart TV Newsredaktion -
Sie sind die Bauernregeln der Finanzmärkte: Börsenweisheiten sind kurze und prägnante Leitsätze, die aus langer Erfahrung entstanden sind und dem Anleger Halt und Orientierung geben sollen. Doch ist es nun Glück, Zufall oder Gesetzmäßigkeit, wenn sich ein kluger Spruch wieder einmal bewahrheitet? Anleger sollten sich auf jeden Fall mit dem realen Hintergrund solcher Weisheiten beschäftigen, bevor sie ihnen folgen.

„The trend is your friend“

Der Trend ist dein Freund – nach dieser Weisheit gilt es zu warten, bis sich ein langfristiger Trend herauskristallisiert hat und erst dann einzusteigen. Aktien, deren Kurse in der Vergangenheit gestiegen sind, so die Annahme, werden auch in Zukunft weiter an Wert gewinnen. Ob jedoch der Trend tatsächlich immer der Freund des Anlegers ist, kann bei genauerer Betrachtung nicht bestätigt werden. So verpassen Trendfolger häufig den günstigsten Einstiegszeitpunkt und erwerben die Aktien zu einem relativ hohen Preis. Sie vertrauen zudem darauf, dass die Märkte nicht allzu schwankungsanfällig sind.

„Never catch a falling knife“

Greife nie in ein fallendes Messer – dieser Leitsatz warnt vor dem typischen Fehler, bei einem Abwärtstrend in eine gerade vermeintlich besonders günstige Aktie zu investieren. Denn Aktien im freien Fall entpuppen sich häufig als Fehlkauf. Bei einem solchen Kursverlauf den Boden zu erwischen gelingt jedoch selbst erfahrenen Anlegern nur selten. Vielmehr drohen hier oft noch höhere Verluste. Vorsichtige Anleger warten, bis sich die Aktie wieder fängt und ihren Abwärtstrend eindeutig verlässt, oder, besser noch, in eine stabile Aufwärtsbewegung übergeht. Den absolut richtigen Zeitpunkt zum Einstieg kennt aber natürlich niemand.

„Politische Börsen haben kurze Beine“

Die Politik bewegt bekanntlich die Märkte. Denn politische Eingriffe unterbrechen oder verwässern Trends. Sie sind externe Störungen, die unerwartet die Marktentwicklung verändern können. Diese bekannte Anlegerweisheit besagt jedoch, dass stark schwankende Kurse aufgrund von politischen Ereignissen nur von vorübergehender Dauer sind. Mittel- bis langfristig pendeln sie sich wieder bei ihrem vorherigen Niveau ein. Ereignisse wie der Brexit-Entscheid oder die US-Wahl bestätigten diese Weisheit – die Märkte erholten sich unmittelbar danach wieder. Doch es gibt auch politische Eingriffe, die durchaus längere Wirkung haben. Dazu zählen etwa geld- und steuerpolitische Entscheidungen, Wirtschaftsförderungsprogramme, die manche Branchen attraktiver machen, oder Regulierungsthemen.

„Die Flut hebt alle Boote“

Wenn nicht nur Einzeltitel steigen, sondern der gesamte Markt zu einem Höhenflug ansetzt, kann dies auch Aktien von geschäftlich schwachen Unternehmen mit nach oben ziehen, auch die mit Löchern im Rumpf. Die Erfahrung zeigt, dass bis auf wenige Ausnahme die Mehrheit der Titel von einem Aktienboom profitieren kann. Privatanleger können also bei günstigen Marktbedingungen auch mit den „löchrigen Booten“ Gewinne erzielen. Allerdings müssen sie darauf achten, Aktien von Unternehmen mit schwacher wirtschaftlicher Substanz und ohne positive Ergebnisse wieder rechtzeitig abzustoßen. Denn wenn die Flut wieder zurückgeht, sind diese Papiere die ersten, die auf Grund laufen. Daher sollten sich Anleger zudem immer mit den Kennzahlen der aktuellen Geschäftsentwicklung der Unternehmen beschäftigen, in die sie investiert haben – ganz nach der Weisheit „Kaufe nur, was du verstehst“.