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Gastbeitrag Commerzbank Research · 06. Juli 2017

Devisenausblick: Unsicherheit im FOMC

Devisenausblick
Quelle: William Potter / Shutterstock
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Am Markt wird weiterhin gerätselt, wann die US-Notenbank das nächste Mal an der Zinsschraube dreht. Und auch die Mitglieder im Offenmarktausschuss der US-amerikanischen Notenbank Fed sind sich offensichtlich uneins.

-von Esther Reichelt (Analyst FX & EM Research Commerzbank)-
USD: Die gestrigen FOMC-Minutes der Juni-Sitzung haben im Großen und Ganzen die Markterwartung bestätigt und den USD dementsprechend kalt gelassen. Zwar bleibt natürlich das Ergebnis der Juni-Sitzung, dass die Zinserwartungen des FOMC insbesondere für das kommende Jahr deutlich optimistischer als die des Marktes sind. Doch spiegelt sich in den Minutes eine große Unsicherheit innerhalb des FOMC wider, weshalb der Markt keinen Anlass sieht, auf eine selbstbewusster voranschreitende Fed zu setzen. Die FOMC-Mitglieder sind vor allem unsicher, wie die zuletzt enttäuschend niedrige Inflation zu sehen ist. Zwar glauben die meisten, dass diese auf vorübergehende Faktoren zurückzuführen sind, doch ist das FOMC zweigeteilt darüber, was die Schlussfolgerungen daraus sind. Während einige mit weiteren Straffungsschritten lieber warten wollen, bis sie sich sicher sein können, dass die Inflation wieder ansteigt, befürchten andere ein Überhitzen der Wirtschaft und Gefahren für die Finanzstabilität und wollen wie geplant voranschreiten. Damit ist weiterhin unklar, ob die Fed den für dieses Jahr geplanten Beginn der Bilanzreduzierung bereits im Juli, im September (wofür unserer Meinung nach weiterhin am meisten spricht) oder erst noch später ankündigen wird. Innerhalb des FOMC herrscht offensichtlich noch keine Einigkeit über das weitere Vorgehen. Daraus ergibt sich für den Markt bis auf weiteres keinen Grund, seine USD-Sicht zu überprüfen. Und damit ist zunehmend unwahrscheinlich, dass die Fed den Markt in den nächsten Monaten von ihrem optimistischeren Ausblick überzeugen kann. Die USD-Stärke, die zu erwarten ist, wenn der Markt seine Erwartungen auf die optimistischere Fed-Sicht zubewegt, erfolgt damit wohl eher später als früher.
EUR: Im Euroraum wird heute das Protokoll der letzten Sitzung veröffentlicht. Eine Veröffentlichung, die der Markt bisher eigentlich immer geflissentlich ignoriert hat. Und nachdem EZB Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré gestern wissen ließ, dass man beim letzten Treffen der EZB noch gar keine Änderung der Geldpolitik diskutiert habe, ist auch heute die Spannung raus. Denn nähere Informationen dazu ob, wann genau oder wie schnell die EZB ihre Anleihekäufe zurückfahren wird, sind damit nicht zu erwarten. Genau das sind aber die Fragen, auf die der Markt nach der Rede von EZB Präsident Mario Draghi letzte Woche eine Antwort sucht. Denn aufgrund dieser Rede hat sich der Markt darauf eingestellt, dass trotz vorsichtigerer Signale aus der vorherigen EZB-Sitzung ein Schritt in Richtung einer weniger expansiven Geldpolitik grundsätzlich bevorsteht, weshalb der EUR aufwertete. Wie von uns erwartet, beeindrucken die zuletzt eher besänftigenden Stimmen aus der EZB wie Coeuré gestern den Markt zwar doch, weshalb EUR-USD inzwischen wieder unter 1,14 handelt. Doch das ist eher als eine Korrektur der übertriebenen Marktreaktion auf Draghi zu sehen, nicht als Zweifel an einem angepeilten Zurückfahren der expansiven Geldpolitik. Daher gilt: Der vorsichtigere Ton der EZB Sitzung, der sich auch im Protokoll widerspiegeln dürfte, gilt nach Draghis Rede als veraltet und sollte den Euro deshalb auch nicht belasten.
CHF: Noch bevor gleich mehrere G10-Zentralbanken Ende Juni erstmals vorsichtig signalisierten, dass man als nächsten Schritt mit einer strafferen Geldpolitik liebäugelt, hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) auf ihrer vierteljährlichen Sitzung rigoros an ihrem ultra-expansiven Kurs festgehalten. Neben dem ihrer Meinung nach noch immer zu starken CHF begründet sie dies mit der Inflation. Denn die ist weiterhin niedrig und die Zahlen im vergangenen Monat haben Zweifel gesät, ob der Inflationstrend wirklich schon wieder im positiven Bereich verankert ist. Die heutigen Daten für Juni können darüber Aufschluss geben. Das Problem für die SNB ist, dass eine niedrigere Inflation mittelfristig den Aufwertungsdruck auf den CHF gegenüber dem EUR stärkt, solange eine höhere Inflation im Euroraum nicht durch eine straffere Geldpolitik der EZB kompensiert wird, was unserer Meinung nach auf absehbare Zeit wohl nicht der Fall sein wird. Die gegenwärtige EUR-CHF-Aufwärtsbewegung nimmt zwar den Druck von der SNB, den CHF aktiv schwächen zu müssen. Doch über den Berg ist sie noch lange nicht.