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Sitzungs-Protokoll zeigt Uneinigkeit · 06. Juli 2017

Fed-Mitglieder unsicher über Timing weiterer Zinsschritte

Notenbank in Washington, D.C.
Quelle: Thomas Barrat / Shutterstock.com
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Das Protokoll der Juni-Sitzung der US-Notenbank Fed, die sogenannten Minutes, spiegelt eine erhebliche Unsicherheit und auch Uneinigkeit der Mitglieder des FOMC wieder.

- von Andreas Scholz, Börse Stuttgart TV Nachrichtenredaktion -
Wie verläuft die weitere Zinskurve der Fed, in welchem Tempo wird es weitere Zinserhöhungen geben und was ist eigentlich mit der geplanten Verkürzung der Bilanz der US-Notenbank? Viele Marktteilnehmer erhofften sich - zumindest zwischen den Zeilen - einen gewissen Erkenntnisgewinn im Zuge des gestern abend veröffentlichten Protokolls der Fed. Die Klarheit ist im Nachgang aber nicht größer geworden. Im Gegenteil.
Die stimmberechtigten Mitglieder des FOMC, dem für die Geldpolitik zuständigen Entscheidungsgremium innerhalb der US-Notenbank, ist über das Protokoll anzumerken, wie schwierig die weitere Einschätzung der geldpolitischen Lage ist. Dies betrifft insbesondere den Umgang mit der immer noch viel zu trägen Preisentwicklung. Die Inflation ist auch in den USA noch klar unter dem Zielwert der Fed von zwei Prozent. Doch wie soll die Fed darauf reagieren, weiter zuwarten oder die eingeleiteten Zinserhöhungen konsequent fortsetzen?
Wie aus dem Protokoll ersichtlich, ist ein Teil der Mitglieder des FOMC dafür, nicht zu "expansiv" vorzugehen, also mit weiteren Zinsschritten nicht zu forsch zu agieren. Man bräuchte zunächst einmal die Sicherheit, dass die Inflation auch wirklich anzieht und sich in der Tat in Richtung des Zielwertes von zwei Prozent bewegt. Der andere Teil der Mitglieder des FOMC geht davon aus, dass die zuletzt wieder enttäuschend niedrige Preisentwicklung nur ein vorübergehendes Phänomen ist und man daher mit weiteren Straffungsschritten eben nicht länger warten sollte. Würde man dies nämlich tun, dann könnte die US-Wirtschaft überhitzen, Gefahren für die Finanzmarktstabilität inklusive.
Für das Jahr 2018 ist das FOMC insgesamt zuversichtlich und rechnet mit einer bis dahin deutlich angezogenen Preisentwicklung. Das scheint für viele Marktbeobachter allerdings Zweckoptimismus zu sein. Sie rechnen nicht damit, dass die Fed bis dahin selbstbewusst voran schreitet. Das Protokoll spricht nun auch eher dagegen.
Bleibt noch ein weiterer wichtiger Punkt in Sachen Ausstieg aus der ultra-expansiven Ausrichtung der US-Geldpolitik, nämlich die geplante Verkürzung der Bilanz der Notenbank Fed. Dies soll ja noch in diesem Jahr beginnen, die Frage ist nur wann. Nach jüngsten Eindrücken wird der Beginn der Bilanzreduzierung wohl eher etwas später als früher sein. Auch hier wird die Fed unter der Führung von Janet Yellen wieder sehr behutsam und vorsichtig vorgehen. Was bleibt, ist eine ausgesprochen zögerliche und verunsicherte Notenbank. Das gestern Abend veröffentlichte Protokoll verdeutlicht einmal mehr, wie schwierig es in Anbetracht der komplexen Gemengelage ist, Positionen zu finden, die im FOMC auf ein allgemeines Vertrauen stoßen.