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Gastbeitrag Commerzbank Research · 10. Juli 2017

Euro: Stärke ja, aber wieviel?

Euro-Flagge
Quelle: Smit / Shutterstock
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Die EU bzw. Eurozone haben den G20-Gipfel genutzt, um sich als politische Kraft zu etablieren. Dieses neue Einigkeit hilft auch der Gemeinschaftswährung - dem Euro.

-Von Lutz Karpowitz (Commerzbank AG, Devisenanalyse, CM Research)-
Große neue Initiativen waren vom G20-Treffen schon im Vorfeld nicht erwartet worden. Dazu waren einige Standpunkte zu weit auseinander. Gleichwohl hat die EU bzw. Eurozone dieses Format genutzt, um sich als politische Kraft zu etablieren. Von Spannungen zwischen den einzelnen Ländern der Eurozone ist seit geraumer Zeit nichts mehr zu spüren. Ohne Auswirkungen auf den Devisenmarkt bleibt diese neue Einigkeit mittelfristig nicht. Ob es um internationale Handelsverträge, den eigenen Finanzmarkt oder interne Finanzierungsproblematiken geht, die Eurozone scheint reaktionsfähiger geworden zu sein. Sie ist zusammengerückt – gegenüber Trump, wie auch gegenüber den Briten. Damit ist letztlich auch die langfristige Stabilität der Eurozone gewachsen. Die spekulativen Investoren setzen deshalb zunehmend auf den Euro, wie die jüngsten CFTC-Daten zeigen. Schon lange nicht mehr waren unter diesen Investoren so viele EUR-Longpositionen zu finden (siehe Abb. 1)
Warum die neue Einigkeit den Euro unterstützen kann? Finden die Mitgliedsstaaten der Eurozone näher zueinander (Stichwort: Transferunion) wird die EZB entlastet. Je weniger Marktverwerfungen sie in Bezug auf die Peripherieländer befürchten muss, umso eher könnte sie über Zinserhöhungen nachdenken. Soweit so gut. Nun wurden diese Zinserhöhungen zuletzt aber bereits immer mal wieder eingepreist. An dieser Stelle scheint der Markt zu vergessen, dass es dazu doch noch einiger politischer Schritte braucht. Auch wenn die derzeitige Einigkeit innerhalb der Eurozone solche Schritte sicherlich erleichtert, scheint eine Zinserhöhung der EZB weder dieses noch nächstes Jahr wahrscheinlich. Aus meiner Sicht droht der Markt die Euro-positive Sicht zu übertreiben.
 

Quelle: Commerzbank
 

Arbeitsmarkt verleiht Dollar keinen Schwung

USD: Manchmal ist es ja auch schade, wenn man richtig lag. Aber wie schon am Freitagmorgen vermutet, konnte der US-Arbeitsmarktbericht den Devisenmarkt nicht in Schwung bringen. Zwar lag die Beschäftigung mit einem Plus von 222 Tsd. Stellen spürbar über den Erwartungen (178 Tsd.). Für die Fed ist das aber derzeit einfach nicht der ausschlaggebende Faktor. Das bleibt die Teuerung, und die ist zu niedrig. Bis zu neuen Erkenntnissen an dieser Front muss der Markt aber bis Donnerstag warten. Dann werden die Erzeugerpreisdaten für Juni veröffentlicht. Sie dürften kaum geeignet sein, größeren Preisdruck in der Wirtschaft auszumachen. Am Freitag stehen dann die Verbraucherpreise auf der Agenda. Das Bild wird in etwa dasselbe sein. Bis dahin herrscht an der Datenfront absolute Flaute. Wäre nicht Donald Trump US-Präsident, könnte man eine langweilige Woche erwarten.