Nachrichten

Inhaberkontrollverfahren · 17. Juli 2017

EZB nimmt Deutsche-Bank-Großaktionäre ins Visier

deutsche-bank-gebaeude-detail
Shutterstock.com / Vytautas Kielaitis
Beitrag teilen
Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt einem Insider zufolge eine Überprüfung der Großaktionäre der Deutschen Bank aus China und Katar. Der Schritt ist ungewöhnlich und birgt politische Brisanz.

Andreas Groß, Börse Stuttgart TV Nachrichtenredaktion
Die Bankenaufseher der EZB prüften derzeit, ein Inhaberkontrollverfahren zur königlichen Familie von Katar und dem chinesischen Mischkonzern HNA zu starten, sagte die mit den Überlegungen vertraute Person am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.
Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte als erstes darüber berichtet. Die EZB, die Deutsche Bank und HNA wollten sich dazu nicht äußern.

Politische Brisanz

Beide Investoren halten zwar jeweils weniger als zehn Prozent der Anteile an der Deutschen Bank - die Schwelle, bei der ein solches Verfahren routinemäßig in Gang gesetzt wird.
Allerdings sieht das Gesetz eine Ausnahme vor: Wenn die Aktionäre einen "erheblichen" Einfluss ausüben, kann die Aufsicht schon bei niedrigeren Schwellen prüfen, ob die Großaktionäre "zuverlässig" sind.
Das Unternehmen aus China und die Herrscherfamilie haben jeweils einen Sitz im Aufsichtsrat und könnten darüber maßgeblichen Einfluss auf die Bank ausüben.
 

erheblicher Einfluss

Dieser Einfluss könnte sich auf der Hauptversammlung zeigen, wenn wegen des Streubesitzes üblicherweise relativ wenige Aktionäre Präsenz zeigen.
Dann nämlich fielen die Stimmen der Großaktionäre überproportional ins Gewicht, und sie könnten wichtige Entscheidungen blockieren oder eben durchwinken.

Sinn und Zweck

Bei einem Inhaber-Kontrollverfahren soll überprüft werden, wen sich die Unternehmen hier an Bord geholt haben bzw. wer sich bei dem jeweiligen Unternehmen eingekauft hat und mit welchen strategischen Zielen .
Im Klartext bedeutet das:
Ist der Anteilseigner vertrauenswürdig und finanziell gesund?
Woher stammt das Geld für den Aktienkauf?
Ist der Investor vorbestraft oder in kriminelle Handlungen verwickelt wie etwa Geldwäsche oder Terrorfinanzierung?

Mögliche Folgen

Nach dem deutschen Kreditwesengesetz kann die Aufsicht die Ausübung der Stimmrechte blockieren, wenn ihr der Aktionär einer Bank als unzuverlässig erscheint.
Im Extremfall könnte sie auch deren Vertreter im Aufsichtsrat abberufen.