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Gastbeitrag Commerzbank Research · 18. Juli 2017

EUR-USD springt über die 1,15-Marke

Trump und US-Dollar Grafik
Quelle: pespo / Shutterstock
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Erneute Schlappe für US-Präsident Donald Trump bei der Gesundheitsreform: Mehrere Republikaner wollen das Gesetz im US-Senat blockieren. Und das sorgt am Devisenmarkt für Bewegung.

-Von Esther Reichelt (Analyst FX & EM Research Commerzbank)-
EUR-USD hat den Sprung über die 1,15 geschafft! Es war wohl nur eine Frage der Zeit, schließlich flirtete das Wechselkurspaar jetzt schon eine ganze Weile heftig mit dieser Marke. Letztendlich hat dann doch ein nahezu nichtiger Grund ausgereicht, um EUR-USD erstmals seit Mai 2016 wieder die Luft oberhalb der 1,15 schnuppern zu lassen: Zwei weitere Senatoren kündigten an, gegen die US-Gesundheitsreform zu stimmen, die damit keine Mehrheit im Senat hätte. Offensichtlich haben immer noch einige Marktteilnehmer darauf gehofft, dass die Gesundheitsreform eventuell doch noch vor der Sommerpause durch den Senat geht und damit die große Wende im US-Reform-Stau einläutet. Diese Hoffnungen liegen erst einmal auf Eis. Doch da liegen die Hoffnungen auf einen größeren Konjunktur-Schub aus Washington schon länger. Die recht heftige USD-Reaktion heute Morgen spiegelt dementsprechend auch eine gegenwärtig im Markt vorherrschende, grundlegende USD-Skepsis wider (Abb. 1).

Ist der Anstieg von Dauer?

Schafft EUR-USD (anders als im August 2015 und Mai 2016) diesmal also dauerhaft den Sprung über die 1,15? Wir sind skeptisch. Denn da hat auch die EZB ein Wort mitzureden. Heute gibt der Bank Lending Survey, also die Umfrage des Eurosystems zum Kreditgeschäft der Banken, einen Einblick, wie die Geldpolitik der EZB in der Realwirtschaft ankommt. Die gegenwärtige EUR-Stärke bedeutet eine zusätzliche Straffung der finanziellen Rahmenbedingungen. Und die könnte die EZB nervös werden lassen. Auch wenn die EZB zwar auf eine weitere Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe zusteuert, könnte sie sich auf der Sitzung am Donnerstag noch zurückhalten, um den EUR zu entlasten. Schließlich war man in der EZB nicht glücklich, dass der EUR nach den Signalen von EZB-Präsident Mario Draghi, dass der (vorsichtige) Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik bevorsteht, so stark aufgewertet hatte. Die EZB bleibt also vorsichtig: Es ist noch nicht „alles super“ im EUR.