Nachrichten

Rückrufaktion bei Daimler · 19. Juli 2017

Drei Millionen Autos werden nachgerüstet

Monteur arbeitet an Auto
Quelle: wavebreakmedia / Shutterstock
Beitrag teilen
Der Autokonzern, der aktuell mit dem Vorwurf manipulierter Abgaswerte kämpft, weitet seine Nachrüstaktion bei Diesel-PKW aus. Das kostet Daimler rund 220 Millionen Euro.

-von Cornelia Frey, Börse Stuttgart TV Newsredaktion-
Am Dienstagabend gab das Unternehmen bekannt, man wolle mehr als drei Millionen Diesel-Fahrzeuge nachrüsten. Mit dem Programm soll die Stickoxid-Emissionen fast aller Euro-5- und Euro-6-Fahrzeuge gesenkt werden. Die Maßnahmen, so heißt es, würden in enger Kooperation mit den deutschen Zulassungsbehörden durchgeführt. Für Kunden sollen durch die „freiwilligen Servicemaßnahmen“, wie Daimler die Rückrufaktion nennt, keine Kosten entstehen. Bereits in den nächsten Wochen soll die Umsetzung beginnen.
Auf die vor wenigen Tagen publik gewordenen Vorwürfe nimmt Daimler in der Mitteilung allerdings keinen Bezug. Der Automobilhersteller wird verdächtigt fast ein Jahrzehnt Fahrzeuge mit einem unzulässig hohen Schadstoffausstoß verkauft zu haben. Konkret gehe die Behörde demnach dem Verdacht nach, dass zwei Motorenreihen eine unzulässige Abschalteinrichtung enthielten. Damit sei die Schadstoffreinigung bei den offiziellen Messungen der Behörden auf einem Prüfstand ein- und auf der Straße weitgehend ausgeschaltet worden. Insgesamt sollen mehr als eine Million Fahrzeuge betroffen sein, die zwischen 2008 und 2016 in Europa und den USA verkauft wurden. Daimler bestreitet vehement, eine illegale Abschalteinrichtung eingebaut zu haben, um den Schadstoßausstoß zu senken.

Daimler ist nicht VW

Im vergangenen Jahr hatte Daimler bereits mit der von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt verlangten Nachrüstung von knapp 250.000 Kompaktwagen und Vans begonnen. Das Kraftfahrt-Bundesamt war bei Messungen auf Stickoxid-Werte gestoßen, die nach seiner Ansicht mit technischen Gründen des Motorschutzes nicht zu erklären waren. Eine Manipulation wie beim Konkurrenten VW wurde Daimler aber nicht vorgeworfen.

Vertrauen in Diesel-Fahrzeuge soll wieder gestärkt werden

Mit dem freiwilligen Rückruf reagiert der Autokonzern auch auf drohende Fahrverbote, welche die Städte Stuttgart und auch München androhten, um jahrelange Verstöße gegen EU-Luftreinhaltevorschriften zu stoppen. Zudem will Daimler das Vertrauen in Dieselautos wieder stärken. "Die öffentliche Debatte um den Diesel sorgt für Verunsicherung", erklärte Vorstandschef Dieter Zetsche. "Wir haben uns deshalb für weitere Maßnahmen entschieden, um den Dieselfahrern wieder Sicherheit zu geben und um das Vertrauen in die Antriebstechnologie zu stärken."

Aktie leicht im Plus

An der Börse kommen die Pläne zur Nachrüstung offenbar gut an. Während das deutsche Aktienbarometer auf der Stelle tritt, kann die DAX-Aktie 0,5 Prozent zulegen.