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EZB-Nachlese: Euro weiter klar über 1,16 · 21. Juli 2017

Fordern die „Euro-Bullen“ jetzt Mario Draghi und die EZB heraus?

Grafik zum Devisenpaar Euro/Dollar
Quelle: elen_studio / Shutterstock.com
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Das sogenannte Wording von EZB-Präsident Draghi war bei der gestrigen Pressekonferenz fast unverändert und auch das offizielle Statement brachte keinen Schwenk in der Kommunikation. Und doch ist der Euro einmal mehr kräftig angesprungen.

-Von Andreas Scholz, Börse Stuttgart TV Newsredaktion-
Am Morgen nach dem Tag der EZB-Ratssitzung und der Pressekonferenz von EZB-Chef Mario Draghi notiert der Euro weiterhin klar über der Marke von 1,16. Und das, obwohl am gestrigen Tag, anders als von vielen Marktteilnehmern erwartet, kein weiterer kleiner Schritt in Richtung Einstieg in den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik kommuniziert wurde. Diesbezüglich hatten viele EZB-Beobachter schon mit einer gewissen Anpassung im Statement gerechnet, erst recht in Konsequenz der jüngsten Rede von Draghi in Sintra. Es wurde aber noch nicht einmal der Satzteil gestrichen, wonach das Anleihekaufprogramm ggf. auch noch einmal ausgeweitet werden könnte.
 

EZB offenbar nicht in Eile

Draghi und seine Mannschaft wollen sich also keinerlei Flexibilität nehmen lassen und erst einmal abwarten. Einzig blieb der Hinweis, dass man im Herbst wieder über das Kaufprogramm reden werde. Dann, so Draghi, hätte man ja auch wieder neue Daten und Informationen zur Auswertung. Mit anderen Worten, frühestens nach der September-Sitzung wird sich die EZB konkreter zum weiteren Umgang mit ihrem Anleihekaufprogramm äußern. In Sachen „Tapering“ haben es die Währungshüter in Frankfurt also offenbar nicht eilig – Umsetzung damit erst im (Verlauf) des kommenden Jahres.

Draghi rückt Währung (noch) nicht in den Fokus

All dies hätte eigentlich dazu führen müssen, dass der Euro nach seiner jüngsten Rallye wieder abgibt. Das Gegenteil war aber der Fall. Die europäische Gemeinschaftswährung sprang nochmals an und liegt nun zunächst einmal weiterhin recht solide über der Marke von 1,16. Grund hierfür mag sein, dass EZB-Präsident Draghi - auch auf Nachfrage - nicht konkreter auf den Euro eingegangen ist. Offenbar wurde der jüngsten Aufwertung des Euro auf der gestrigen Ratssitzung in der Tat keinerlei große Aufmerksamkeit geschenkt. Draghi selber hatte mit seiner Rede in Sintra ja erst so richtig den „Nachbrenner“ für die jüngste Rallye gezündet. Auf der gestrigen Pressekonferenz wollte er nun einerseits diesbezüglich kein weiteres Öl nachgießen, den Euro aber auch nicht wirklich wieder kleiner reden. Letzteres hätte er durchaus machen können, in dem er auf die möglichen Folgen einer weiteren Aufwertung eingegangen wäre. Aber auch hierzu gab es keinerlei Kommentar.

bitte mach dir nie mehr Sorgen um Geld (Crow)

Die EZB macht sich derzeit also offenbar (noch) keine Sorgen über einen zu starken Euro. Und dies wiederum war für den einen oder anderen Marktteilnehmer Grund genug, die Euro-Geldpolitiker gestern einmal mehr herauszufordern. Euros wurden nachgekauft und damit weitere „Nadelstiche“ gegen die EZB gesetzt. Am Markt geht man offenbar davon aus, dass auch auf absehbare Zeit keine verbalen Interventionen anstehen werden. Dies könnte dem Euro durchaus noch zu einer „zweiten Luft“ verhelfen. Es sei denn, Draghi rudert doch wieder zurück.