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Cloud-Boom als Wachstumstreiber · 21. Juli 2017

Microsoft überzeugt mit Quartalszahlen und übertrifft die Markterwartungen

Microsoft Midwest District Headquarters
Quelle: Jonathan Weiss / Shutterstock
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Der Software-Riese Microsoft profitiert weiterhin vom Boom mit dem sogenannten Cloud-Geschäft. Damit macht sich der eingeleitete Strategieschwenk bezahlt. Immer mehr Kunden nutzen die Möglichkeit der Auslagerung von Speicherdiensten.

-Von Andreas Scholz, Börse Stuttgart TV Newsredaktion-
Im abgelaufenen Quartal schaffte es Microsoft, seinen Gewinn mehr als zu verdoppeln. Unter dem Strich sprang das Ergebnis um 108 Prozent auf 6,5 Milliarden US-Dollar an. Und auch beim Umsatz konnte Microsoft zulegen. Bereinigt wurde hier ein Plus von neun Prozent auf 24,7 Milliarden US-Dollar ausgewiesen. Im Geschäft mit den „digitalen Wolken“ stiegen die Erlöse um elf Prozent auf 7,4 Milliarden US-Dollar. In allen wichtigen Kennzahlen wurden die Erwartungen des Marktes damit übertroffen. Nur beim Ausblick war der Markt dann etwas enttäuscht.

Flaggschiff Azure verkauft sich weiter stark

Analysten gehen davon aus, dass es sich bei diesem „Cloud-Boom“ nicht um einen einmaligen Quartalseffekt handelt. Zwar werden die Wachstumsraten mittel- und langfristig auf diesen Niveaus sicher nicht zu halten sein, doch wird es dem Trend in Richtung Auslagerung von Computerdiensten in die wolkige Welt des Internet keinen Abbruch tun. Immer mehr Unternehmen lassen ihre Webseiten und Daten auf solchen Cloud-Plattformen verwalten. Sie sparen sich damit eigene kostspielige IT-Lösungen. Bei Microsoft heißt diese Plattform Azure. Azure hat sich mittlerweile zu einem wirklichen Flaggschiff im Konzern hervorgetan. Dies gibt der Führung des Konzerns damit Recht. Vor rund drei Jahren hat der neue CEO Satya Nadella den strategischen Fokus nämlich genau auf dieses Marktsegment gerichtet.

Wettbewerb im Cloud-Geschäft wird intensiver

Microsoft ist hier aber nicht alleine unterwegs. Zu den großen Rivalen im Geschäft mit den Cloud-Dienstleistungen gehören neben dem Internetgiganten Google, der IT-Dienstleister IBM sowie auch Europas größter Softwarekonzern SAP. Hinzu kommt außerdem noch der Cloud-Dienst AWS aus dem Hause Amazon. Erst gestern hat auch SAP vom starken Cloud-Business berichtet.  Dort lag das Wachstum der Erlöse im zweiten Quartal sogar bei 27 Prozent. SAP-Chef McDermott sprach von einer absolut intakten „Cloud-Story“. Schaut man bei Microsoft nur auf den „Blockbuster“ Azure, so liegt die Wachstumszahl hier sogar noch über der von SAP. Allein der Azure-Umsatz verdoppelte sich im vergangenen Quartal nämlich und legte damit sogar eine noch steilere Wachstumskurve als die Konkurrenz von Amazon hin.
Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2018 will Microsoft CEO Nadella mit Cloud-Dienstleistungen einen Umsatz von 20 Milliarden US-Dollar erwirtschaften. Nach den jetzt veröffentlichten Zahlen zum vierten Quartal befindet sich dieses Ziel in Reichweite, liegt diese Zahl für das Geschäftsjahr 2017 doch schon bei knapp 19 Milliarden US-Dollar. Es müsste also in den kommenden zwölf Monaten nur noch ein wenig mehr Momentum dazu kommen.

Traditionelle Geschäfte schwächeln

Gut, dass Microsoft seinen strategischen Schwenk in den Wolken gefunden hat. Bei den tradierten Geschäftsfeldern kann man von solchen Wachstumszahlen nämlich nur träumen. Diese Zeiten sind dort vorbei. So ging im abgelaufenen Quartal der Umsatz in der PC-Sparte, zu der u. a. das Betriebssystem Windows zählt, um zwei Prozent zurück.  Das traditionelle Geschäft schrumpft also  eher, worauf der Software-Riese reagiert. Die Organisation wurde und wird weiter umgebaut, neue Verkaufs- und Marketingteams entstehen. Gleichzeitig werden aber auch einige tausend Arbeitsplätze gestrichen. Im abgelaufenen Quartal führte dies zu Restrukturierungskosten von gut 300 Millionen Euro.
So ganz ohne Wolken ist der Himmel über Microsoft also wirklich nicht und die Transformation ist ja noch in vollem Gange.

Umsatzprognose für das laufende Quartal enttäuscht

Hinzu kommt: Die Börse blickt eben auch schon wieder voraus. So gut das Schlussquartal 2017 auch gewesen sein mag, die Frage bleibt, geht das Tempo jetzt auch im laufenden Quartal, dem ersten des Geschäftsjahres 2018, so weiter? Offenbar ist hier selbst CFO Amy Hood ein wenig vorsichtig. Der kommunizierte Zielkorridor von 23,6 bis 24,3 Milliarden Euro war den meisten Analysten einen „Schnaps“ zu wenig. Der Mittelwert von 23,95 Milliarden US-Dollar würde nämlich dann nur einem Umsatzplus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen.