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Währungen nach der EZB Sitzung im Fokus · 21. Juli 2017

Euro steigt nach EZB-Entscheid auf 2-Jahreshoch

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Im Zuge der Rede von Mario Draghi klettert der Euro sprunghaft auf ein Zwei-Jahres-Hoch. Ein bisschen unverständlich, findet Antje Praefcke, FX Analystin der Commerzbank, denn eigentlich hat Draghi nichts Neues oder gar konkretes gesagt.

-von Antje Praefcke (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
Um es kurz zu machen: die Kernaussagen im Statement der EZB blieben gestern im Vergleich zur vorherigen Sitzung unverändert. Auf den Hinweis, dass der Rat bereit stünde, das Anleihekaufprogramm in Höhe und Laufzeit auszuweiten, falls der Ausblick sich verschlechtert, wollte die EZB nicht verzichten. Über das Wachstum äußerte sich EZB Präsident Mario Draghi in der Pressekonferenz wie zuvor positiv, zeigte sich aber noch unzufrieden mit der Inflationsentwicklung. „Die Inflation ist nicht dort, wo wir sie sehen möchten und wo sie sein sollte“. Kurzum: Wachstum hui, Inflation (noch) pfui – was aber für den Markt keine neue Information bedeutet. Im Gegenteil: bereits gestern hätte Draghi erste Hinweise in Richtung eines langsamen Ausstiegs aus der Geldpolitik geben können. Aber er lehnte sich nicht aus dem Fenster, wollte keinen Zeitplan nennen und sprach lediglich davon, dass im Herbst mehr Informationen vorlägen [neue Projektionen im September] und der Rat dann erst die Diskussion [über Tapering] führen würde.

warum steigt der Euro?

Wieso hat der Euro dennoch im Zuge der Pressekonferenz zugelegt? Auf die Frage, wie er die jüngsten Reaktionen des Markts einschätze, zeigte sich Draghi entspannt. Die Finanzierungsbedingungen blieben weiterhin sehr günstig. Zum Euro wollte sich der Chef dann gar nicht äußern. Einziger Kommentar: „Dem Wechselkurs wurde etwas Aufmerksamkeit geschenkt“. Punkt. Nicht das geringste Anzeichen von Nervosität über den seit Wochen steigenden Euro, geschweige denn von verbalen Interventionen. Der Euro als unauffällige Randnotiz, die kein Problem ist und deshalb keiner weiteren Beachtung bedarf. Das hätte der Markt schon fast als Einladung interpretieren können, die EZB zu testen, wo denn ihre Schmerzgrenze sein könnte, bis ein zu starker Euro den Ausblick für Wachstum und Inflation zu stark eintrüben könnte. So weit geht der Markt nicht, da er in seinen Erwartungen in den letzten Wochen sowieso schon weit gelaufen ist, aber er sieht die Aussagen Draghis als Bestätigung seiner Meinung. Und diese ist: der Euro bleibt fest. Also kann man auch mal die 1,16-Marke testen – vor allem, wenn die Aufwärtsbewegung im Euro noch durch akute Dollarschwäche zusätzlich angefacht wird, als bekannt wird, dass Sonderermittler Robert Mueller die offiziellen Untersuchungen zur Russland-Problematik beim Präsidentschaftswahlkampf auf private Geschäfte des US Präsident Donald Trump ausweiten möchte. Ein Ausbruch nach oben in Richtung 1,20 wäre doch zu verwegen, da sich die EZB wirklich nicht zufrieden mit der Inflationsentwicklung zeigt.

Euro oder doch lieber Dollar

Selbst wenn sich der Markt mit seiner Sichtweise wohl fühlt, sehe ich Niveaus deutlich über 1,16 aus fundamentaler Sicht als überzogen. Denn neue Argumente für zusätzliche Euro-Longpositionen hat Draghi nicht geliefert. Jetzt liegt der Ball wieder im Spielfeld der Fed. Doch die hat zuletzt auch keine Argumente für Dollarkäufe geliefert, da sie sich enttäuscht über die jüngste Inflationsentwicklung und entsprechend vorsichtig gezeigt hat. Es sieht danach aus, als würden uns nach dem Bruch der 1,16-Marke erst einmal ein paar Tage Konsolidierung auf aktuellen Niveaus ins Haus stehen, zumindest bis zur FOMC-Sitzung nächste Woche.

CAD: lieber long

Ich bin gespannt, ob der Markt der Bank of Canada (BoC) letzte Woche gut zugehört hat, oder ob er sich von den heutigen Juni-Inflationszahlen doch abschrecken lässt. Denn diese werden ans untere Ende des Zielbands der BoC von 1-3% fallen. Laut der BoC ist der Rückgang der Inflation in den letzten Monaten temporären Faktoren geschuldet. Ohne diese Faktoren würde die Inflation im Bereich von 1,8% liegen. Und da die BoC gleichzeitig mit Wachstum über Potential rechnet, entschloss sie sich letzte Woche dazu, den Leitzins um 25 Bp auf 0,75% anzuheben. Hat der Markt die Botschaft der BoC verstanden, wird er sich von schwachen Inflationszahlen heute nicht ins Bockshorn jagen lassen und an seinen CAD-Longs festhalten. Aber sie wären zumindest ein guter Grund dafür, nach den USD-CAD-Verlusten der letzten Wochen, die sowieso zum Großteil der USD-Schwäche geschuldet sind, Gewinne mitzunehmen und in USD-CAD eine kleine Verschnaufpause einzulegen.

Brexit - war das was?

Man könnte meinen, der Brexit geht fast spurlos am Pfund vorüber. Denn die Einzelhandelsumsätze stiegen im Juni kräftig und der Anstieg in EUR-GBP ist den Euro-Gewinnen nach der EZB-Sitzung geschuldet. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Trend in den Einzelhandelsumsätzen nach unten zeigt. Außerdem erweisen sich die Brexit-Verhandlungen als schwierig. Die Pressekonferenz nach der zweiten Runde gab mir sogar eher den Eindruck, David Davies und Michael Barnier saßen in unterschiedlichen Diskussionsrunden. Davies sprach von konstruktiven Gesprächen und einer soliden Basis für die weiteren Gespräche. Barnier hingegen stellte fest, dass es noch erhebliche Differenzen zwischen der EU und dem UK gebe, und forderte das UK für die dritte Runde der Verhandlungen Ende August auf, seine Position klar zu formulieren, was die drei Kernpunkte (Brexit-Rechnung, Bürgerrechte, Grenze zu Irland) betrifft. Allein dieser Zwischenstand in den Verhandlungen zeigt, dass hier noch viel Risikopotential für das Pfund schlummert.