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Droht jetzt eine Milliardenstrafe? · 24. Juli 2017

Deutsche Autobauer: Kartellvorwurf belastet

Rauchender Auspuff
Quelle: Rainer Fuhrmann/Shutterstock
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Auch das noch! Die deutsche Automobilindustrie steht unter dem Verdacht jahrelang illegale Preisabsprachen getroffen zu haben. Wie DER SPIEGEL berichtet, haben sich die deutschen Branchengrößen jahrelang konspirativ abgestimmt.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL will herausgefunden haben, dass sich die deutschen Autobauer um Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler jahrelang in geheimen Arbeitskreisen abgesprochen haben. Innerhalb dieser Arbeitskreise soll es jedoch nicht ausschließlich um illegale Preisabsprachen gegangenen sein. Bereits seit den neunziger Jahren sollen sich die Unternehmen „über die Technik, Kosten, Zulieferer und sogar über die Abgasreinigung ihrer Dieselfahrzeuge abgesprochen“ haben, so DER SPIEGEL. Sollten sich diese Vorwürfe erhärten, so droht den deutschen Autobauern einer der größten Kartellfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte, so DER SPIEGEL weiter. Das heißt, abgesehen vom Imageschaden, droht den deutschen Autobauern eine milliardenschwere Strafzahlung von Seiten der EU.

Nicht nur Preise wurden abgesprochen

Die Vorwürfe betreffen jedoch bei weitem nicht nur illegale Preisabsprachen. Offenbar haben sich die Konzerne auch hinsichtlich geeigneter Technik zur Abgasreinigung abgestimmt. Wie DER SPIEGEL berichtet, hätten die Arbeitskreise darüber beraten wie groß die Tanks für das sogenannte AdBlue sein sollten. Hierbei handelt es sich um ein Harnstoffgemisch, „mit dessen Hilfe Stickoxide in die harmlosen Bestandteile Wasser und Stickstoff aufgespalten werden“. Da große Tanks teurer gewesen wären, einigten sich die Hersteller darauf etwas kleinere Tanks in ihre Fahrzeuge zu verbauen. Doch diese reichten irgendwann nicht mehr aus, um eine entsprechende Menge an Abgasen zu reinigen, weshalb sich der ein oder andere Autobauer zum Tricksen genötigt sah. Da alle Autobauer sehr wahrscheinlich vom demselben Problem standen, stellt sich, sollten die Vorwürfe stimmen, natürlich die Gretchenfrage. Eine Stellungnahme von Seiten der Autobauer liegt bis dato nicht vor. Doch wie DER SPIEGEL berichtet, reichte beispielsweise Volkswagen bereits im Sommer des vergangenen Jahres eine Selbstanzeige beim Bundeskartellamt ein. Daimler zog ebenfalls, kurz darauf, nach.

Crash bleibt (bislang) aus

Doch trotz aller Vorwürfe die aktuell im Raum stehen, können sich die Aktien der deutschen Autobauer noch halbwegs gut behaupten. Daimler beispielsweise hat auf Monatssicht „nur“ gut 4,5 Prozent verloren. Angesichts einer aktuell laufenden Rückrufaktion und der neuen Vorwürfe scheint das noch verkraftbar. Ein „Crash“ sieht jedenfalls definitiv anders aus. Bei BMW kommt man auf Monatssicht nur auf ein Minus von nicht einmal drei Prozent. Auch dies scheint, angesichts der Anschuldigungen, (bislang) noch ein Sturm im Wasserglas. Die Aktie von Volkswagen konnte im Gegensatz zu den Anteilsscheinen der Konkurrenz in den vergangenen vier Wochen sogar um rund vier Prozent zulegen. Auf der anderen Seite sind die deutschen Autobauer jedoch die vielleicht prominentesten „Underperformer“ des laufenden Börsenjahres. Daimler beispielsweise verkündete in den vergangenen Monaten einen Absatzrekord nach dem anderen, ohne dass sich dies maßgeblich an der Aktie widergespiegelt hätte. Insofern kann es auch kaum verwundern, dass das Rückschlagpotenzial derzeit etwas begrenzt erscheint.