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Gastbeitrag Commerzbank Research · 24. Juli 2017

Euro-US-Dollar weiter nahe dem 2-Jahreshoch

Euro / Dollar-Scheine
Quelle: Efetova Anna / Shutterstock
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Es ist mittlerweile schon fast ein wenig erstaunlich. Der Euro präsentiert sich stark wie lange nicht mehr und ein Ende der Rally scheint nicht wirklich in Sicht. Im Gegenteil: Das Zwei-Jahreshoch rückt in greifbare Nähe.

Sowohl in der Eurozone als auch in den USA stehen zum Wochenauftakt die Einkaufsmanagerindizes auf der Tagesordnung. Für gewöhnlich sind diese für den Devisenmarkt eher zweitrangig und auch heute müsste es wohl schon größere Überraschungen geben, um einen Effekt auf die Wechselkurse erwarten zu können. Interessant sind die Einkaufsmanagerindizes vor allem deshalb, weil sie das Stimmungsbild bestätigen dürften, das den EUR-USD-Wechselkurs an das 2-Jahreshoch (knapp über 1,17 im August 2015) herangeführt hat: Hoffnung, dass die gute Konjunkturdynamik in der Eurozone der EZB den Schwenk weg von der ultraexpansiven Notfall-Geldpolitik der Krisenjahre erlaubt; Zweifel, dass die Fed angesichts zuletzt enttäuschender Inflationszahlen schon bald weitere Zinserhöhungen wagt.

Kommt die Konsolidierung?

Auch heute Morgen hält sich EUR-USD über 1,1650. Zwar zeigen erste Marktkommentare im asiatischen Handel, dass nach einer Woche deutlicher USD-Verluste Marktteilnehmer nicht überrascht wären, wenn wir ein wenig USD-Konsolidierung sehen würden. Doch große Chancen für einen Stimmungsumschwung im USD sehen wir diese Woche nicht. Die zu Beginn der Woche stattfindenden Anhörungen in der Russlandaffäre dürften den Fokus auf die mangelnde Handlungsfähigkeit der US-Regierung aufrechterhalten. Gleichzeitig ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Fed auf ihrer Sitzung am Mittwoch plötzlich deutlich optimistischere Töne anschlägt. Dafür geben die Datenveröffentlichungen der vergangenen Wochen keinen Raum. Erst die Wachstumszahlen für das zweite Quartal am Freitag haben das Potenzial, dem USD-Ausblick neues Leben einzuhauchen. Nach der EZB-Sitzung vergangene Woche steht in dieser Woche ganz klar die USD-Seite des wichtigsten Währungspaares im Vordergrund.

Yen als Profiteur?

Von der USD-Schwäche der vergangenen Wochen profitiert auch der JPY. USD-JPY nimmt langsam aber sicher wieder Kurs auf die Marke von 110. Aber auch für den JPY selbst kristallisieren sich neue Aufwertungsrisiken heraus: Die Zustimmung für Premierminister Shinzo Abe schwindet. Über die Hälfte der Japaner sind einer neuen Umfrage zufolge unzufrieden mit Abes Regierung. Zwar sind Vorwürfe von Vetternwirtschaft gegen Abe der Hauptauslöser für die sinkenden Zustimmungsraten und nicht unbedingt Kritik an der Regierungsarbeit selbst. Doch die Entwicklungen lassen eine weitere Amtszeit Abes über die nächsten Wahlen im Dezember 2018 hinaus unwahrscheinlich werden. Und damit droht das offizielle Ende des Abenomics-Experiments, also dem Versuch Abes, mithilfe einer expansiven Geld- und Fiskalpolitik sowie umfangreicher Reformen nicht nur das japanische Potenzialwachstum zu erhöhen, sondern nach Jahrzehnten stabiler Preise auch die Inflation wieder anzukurbeln. Und wenn sich daraus Zweifel ergeben, ob die Bank of Japan (BoJ) wirklich an ihrer ultra-expansiven Geldpolitik festhält, bis sie ihr 2%-Inflationsziel erreicht, droht der Aufwertungsdruck auf den JPY wieder zu steigen.

Bank of Japan als Stabilitätsanker

Denn die derzeit glaubhafte expansive Geldpolitik der BoJ, die nicht nur die kurzfristigen Zinsen kontrolliert, sondern auch die Rendite auf 10-jährige japanische Staatsanleihen bei 0% verankert, dürfte einer der Hauptgründe sein, warum der JPY in diesem Jahr trotz wieder fallender langfristiger Inflationserwartungen (aktuell liegen diese bei ca. 0,3%) über die USD-Schwäche hinaus nicht übermäßig aufgewertet hat. Denn bleibt die Geldpolitik auf absehbare Zeit unverändert expansiv, sind die Realzinsen gedeckelt, auch wenn die langfristigen Inflationserwartungen wieder auf die Nulllinie zurückfallen und der Abenomics-Effekt verpufft (Abb. 2). Und dann gäbe es über die anhaltende Funktion des JPY als sicherer Währungshafen hinaus keine fundamentalen Gründe, auf den JPY zu setzen.