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Gastbeitrag von Ellwanger & Geiger · 26. Juli 2017

Boomende Wirtschaft trifft auf irrationale Politik

Roboterarme in einem Autowerk
Quelle: xieyuliang/Shutterstock
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Die Wirtschaft boomt. Die Stimmung innerhalb der Unternehmen ist prächtig. Eigentlich könnte alles so schön sein - insbesondere eben auch für Aktionäre. Eigentlich…

Der ifo-Geschäftsklimaindex, basierend auf einer Befragung von rund 7.000 Unternehmen, erreichte nach den Mai- und Juni- Rekordständen auch für seinen Juli-Wert ein neues Allzeithoch. Sowohl die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen verbesserten sich dabei zusehends. Der IHS Markit-Einkaufsmanagerindex (Industrie- und Dienstleistungssektor) markierte dagegen kein neues Hoch, bleibt aber trotz eines kleinen Rückgangs auf immer noch beeindruckendem Niveau und zeigt weiteres Wachstum an. Und zu guter Letzt bestätigt der IWF seine gute Einschätzung der Weltwirtschaft für die im April angehobene Prognose einer in diesem Jahr um 3,5% wachsenden Wirtschaft. Nächstes Jahr soll das Wachstum sogar +3,6% betragen.

Wo bleibt die Somer-Rally?

Wären das nicht gute Gründe für die Aktienmärkte, zu einer veritablen Sommer-Rally anzusetzen? Eigentlich schon, denn auch andere Rahmenbedingungen, wie nach wie vor niedrige Zinsen, günstige Rohöl- und Rohstoffpreise und die Verlängerung der expansiven Geldpolitik, die der EZB-Präsident erst wieder im Herbst auf den Prüfstand setzen möchte, sollten als Unterstützungsfaktoren für die Aktienmärkte wirken. Einzig der feste Eurokurs (+10% vs. US-Dollar in 2017) könnte als Belastungsfaktor für die Gewinnentwicklung exportabhängiger europäischer Unternehmer gelten.

Politik lässt Aktienmärkte nicht zur Ruhe kommen

Aber es kommt doch einmal wieder anders. Die politischen Störfaktoren lassen die Aktienmärkte einfach nicht zur Ruhe kommen. Die Eskalation im Verhältnis zur Türkei als Folge der irrational geprägten Vorgehensweise der türkischen Regierung, die Entwicklungen in Polen, die mit der Bedrohung der Unabhängigkeit der Justiz eine schleichende Entfremdung von der EU bedeutet, eine völlige Sprachlosigkeit im Umgang mit der sich im Mittelmeer ablaufenden Flüchtlingskrise und nicht zuletzt die unzuverlässige, kaum mehr einschätzbare US-Politik mit einem nicht in den Kongress und Senat eingebundenen US-Präsidenten irritieren die Finanzmärkte sehr. Dies wird auch an den neuen Sanktionen gegenüber Russland sichtbar, die der US-Kongress wohl gegen den Willen Trumps erlassen hat. Ungeachtet der positiven Wirtschaftsdaten aus dem europäischen Raum mehren sich die Zweifel, dass das angekündigte massive Konjunkturstützungsprogramm in den USA wie geplant umgesetzt werden kann. Und wenn das alles noch nicht reicht, gibt es ja noch einen nordkoreanischen Diktator, der damit droht, eine Atombombe auf die USA zu werfen, was leider nicht mehr so utopisch scheint wie vor Jahren noch. Die politischen Spannungen wachsen, die Irrationalitäten nehmen in einem Maße zu, wie man es sich vor Jahren nicht vorzustellen gewagt hätte, und die Konjunktur gibt sich von alldem relativ unbeeindruckt. Sollten sich die politischen Spannungen über den Sommer etwas abbauen, dürften die Aktienmärkte nach ihrer kleinen Korrektur zu der erhofften Sommer-Rally ansetzen. Dies werden sie aber nur unter dieser Voraussetzung tun.