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Trotz Ertragsrückgang mehr verdient · 27. Juli 2017

Deutsche Bank: Kein Grund zur Euphorie

Türme der Deutschen Bank in Frankfurt
Quelle: 360b/Shutterstock
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Ist das Glas nun halbvoll oder doch halbleer? Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal einen deutlichen Ertragsrückgang zu verbuchen, während gleichzeitig die Gewinne wieder erfreulicher sprudeln. Die Einzelheiten.

MÄRKTE & MACHER 4:59min, 27. Juli 2017, 11:04 Uhr
-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
„Trotz der deutlichen Verbesserung bleibt dieser Gewinn hinter unserem langfristigen Anspruch zurück. Bei den Erträgen sind wir noch nicht überall dort, wo wir sein wollen. Das lag vor allem daran, dass sich die Kunden an den Finanzmärkten zurückhielten. Während wir unsere Bank weiter modernisieren, konzentrieren wir uns nun darauf, profitabel zu wachsen“ so John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Fakt ist: Bedingungslose Zufriedenheit sieht definitiv anders aus. Nicht wirklich zufrieden sind zudem die Analysten. Ein Ertragsrückgang um ganze 10 Prozent auf nun 6,6 Milliarden Euro wurde im Vorfeld nicht erwartet. Beobachter hatten dem Finanzinstitut mindestens 7,2 Milliarden zugetraut. Schon deutlich besser sieht es allerdings auf der Gewinnseite aus, wenngleich John Cryan auch in dieser Hinsicht nur bedingt zufrieden ist. So verdiente die Deutsche Bank zwischen April und Juni 822 Millionen Euro. Im Vorjahresvergleichszeitraum kam man immerhin nur auf knapp die Hälfte (408 Millionen Euro). Wenngleich auch dieser Wert etwas unterhalb der Erwartungen liegt, dürfte dies jedoch durch den Nettogewinn wieder zu verschmerzen sein. Das Ergebnis nach Steuern und Anteilen Dritter liegt mit 447 Millionen Euro doch vergleichsweise deutlich oberhalb der Erwartungen von Beobachtern (340 Millionen Euro).

Licht und Schatten wechseln sich ab

Bei der Halbjahresbilanz wechseln sich ebenfalls Licht und Schatten sehr rege ab. So liegt der Vorsteuergewinn mit 1,7 Milliarden Euro satte 72 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Gewinn nach Steuern hat sich gegenüber dem ersten Halbjahr 2016 mit gut einer Milliarde Euro fast vervierfacht. Bei den prozentualen Zuwächsen sollte man allerdings beachten, dass das Ausgangniveau aus dem Vorjahr nicht gerade hoch ist. Weniger gut sieht es allerdings auf der Ertragsseite aus. Diese liegen aktuell mit 14 Milliarden rund zehn Prozent unterhalb des Vorjahresniveaus. Positiv ist jedoch, dass insbesondere die Aufwendungen in den Bereichen „Risikovorsorge im Kreditgeschäft“ sowie die zinsunabhängigen Aufwendungen deutlich reduziert werden konnten.

Ist die Rally nun zu Ende?

Die Aktien der deutschen Finanzinstitute haben in den vergangenen Monaten eigentlich ganz gut abgeschnitten. Allein die Anteilsscheine der Deutschen Bank konnten auf Jahressicht um mehr als 40 Prozent zulegen. Es war vor allem die Aussicht auf ein sich abzeichnendes Ende der ultralockeren EZB-Geldpolitik die den Anteilsscheinen von Deutscher Bank oder auch Commerzbank zuletzt immer wieder kleiner Flügel verlieh. Grund zu aufkommender Euphorie gibt es dennoch keine – was John Cryan (siehe oben) offenbar ebenfalls so sieht. Denn im europäischen Vergleich hinken die deutschen Werte immer noch hinterher, und das offenbar nicht ohne Grund: „Man kann inzwischen wieder guten Gewissens in fast allen Ländern in Bankaktien investieren, außer in Deutschland“, so Aktienhändler Stefan de Schutter vom Brokerhaus Alpha Trading gegenüber dem Handelsblatt. „Langfristige Investments in Deutsche Bank und Commerzbank sollten gut überlegt werden, denn die Probleme der Banken sind einfach zu groß.“

Analysten weiter uneinig

In dieser Woche gab es drei neue Analystenkommentare für die Aktie der Deutschen Bank. Diese hätten allerdings unterschiedlicher nicht ausfallen können. So spricht die Commerzbank eine Verkaufsempfehlung für die Aktien des Konkurrenten, bei einem Kursziel von 15,00 Euro aus. JP Morgan Chase empfiehlt immerhin noch die Aktie zu „Halten“ und visiert ein Kursziel von 18,00 Euro an. Auf dem aktuellen Niveau wäre das immerhin noch ein Plus von mehr als zehn Prozent. Deutsch optimistischer bewertet Independent Research Analyst Markus Rießelmann die weitere Entwicklung der Aktie. Er setzt sein Kursziel auf 20,00 Euro fest und empfiehlt die Aktie zum „Kauf“.