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Gewinnbruch trotz Milliardenumsatz · 28. Juli 2017

Amazon: Zurück in die Zukunft

Amazon Prime Paket
Quelle: Hadrian/Shutterstock
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Da ist es wieder: Das „alte“ Amazon. Im vergangenen Quartal hat das rasante Wachstum die Gewinne aufgefressen. Die Umsätze konnten zwar erneut rasant gesteigert werden, doch diesmal ging das wieder recht deutlich zu Lasten der Gewinne.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Das kennt man von Amazon: In den vergangenen drei Monaten wuchsen die Umsätze um satte 25 Prozent auf mittlerweile 38 Milliarden US-Dollar. Das Umsatzwachstum lag somit doch recht deutlich oberhalb der Erwartungen von Analysten. Umso erstaunlicher ist jedoch ein überraschend starker Gewinneinbruch beim Onlinehändler – allerdings nur auf den ersten Blick. Denn in den vergangenen Monaten hat Amazon wieder kräftig investiert. Vor allem in den Bereichen Video-Inhalte und insbesondere Logistik nahm Jeff Bezos zuletzt wieder ordentlich Geld in die Hand. Der Hintergrund für derartige Investitionen liegt auf der Hand. Einerseits will Amazon verstärkt Konkurrenten wie beispielsweise Netflix angreifen und sich, andererseits, zunehmend unabhängig von Logistikern machen. Vor allem der Logistiksektor gilt als ein äußerst lukratives Milliardengeschäft. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass Amazon in den vergangenen Monaten auch noch den Zukauf von Whole Foods zu stemmen hatte, wenngleich diese Akquisition nicht unbedingt ein wahnsinnig tiefes Loch in die Kasse gerissen hat. Doch rund 13 Milliarden US-Dollar muss man sich auch erstmal leisten können. Zudem investierte Amazon zuletzt wieder verstärkt in die Kundenbindung. Das Prime-Angebot wird immer weiter und es gibt bereits erste Schätzungen wonach bis zum Jahresende mehr als 50 Prozent der US-Haushalte Prime-Kunde sein könnten. Bislang galt die Regel: Wer einmal Amazon Prime Kunde ist, der bleibt das auch. Und vor allem: Prime Kunden wissen die Vorzüge dieser Mitgliedschaft zu schätzen und werden vorrangig die Dienste von Amazon und eben nicht diese von der Konkurrenz in Anspruch nehmen.

Höhe des Gewinneinbruchs überrascht

Insofern erscheint es nicht weiter verwunderlich, dass die getätigten Investitionen zu Lasten der Gewinne gehen, wenngleich die Höhe des Gewinneinbruchs doch etwas überrascht. So verdiente Amazon im abgelaufenen Jahr nur noch 197 Millionen US-Dollar und somit 77 Prozent weniger als noch im Vorquartal. Der Gewinneinbruch ist zwar deutlich höher als von Analysten im Vorfeld erwartet, allerdings erscheint es kaum wirklich ins Gewicht zu fallen, ob ein Unternehmen mit einem Umsatz von 38 Milliarden US-Dollar rund 200 oder rund 350 Millionen US-Dollar verdient. Beides ist eigentlich – für Unternehmen die nicht Amazon heißen – deutlich zu wenig. Das wissen auch die Aktionäre, doch gleichzeitig sind das auch Rahmenbedingungen die man Jeff Bezos seit Jahren verzeiht. Wachstum war bei Amazon schon immer wichtiger als der Gewinn.

Ausblick belastet

Und trotzdem wurde die Aktie nach Präsentation der Zahlen etwas abgestraft und steht auch heute Morgen noch unter Verkaufsdruck. Beobachter führen diesen jedoch eher auf den Ausblick von Amazon zurück. Denn wie das Unternehmen ebenfalls bekannt gab, erwartet man für das laufende Quartal einen Betriebsverlust von 400 Millionen US-Dollar. Und einen Verlust gab es dann doch schon etwas länger nicht mehr bei Amazon. Zuletzt sorgte vor allem das Cloud-Geschäft für eine halbwegs solide Bilanz. Doch wie Amazon mitteilt, will man sich im laufenden Quartal bereits auf das Weihnachtsgeschäft vorbereiten. So sollen neue Mitarbeiter eingestellt und die Logistikzentren weiter modernisiert und ausgebaut werden. Kurz: Die Investitionen in den kommenden drei Monaten sollen sich zum Jahresende rechnen.

Analysten bleiben optimistisch

Der heutige Rückschlag (nachbörslich ging es in der Spitze um gut zwei Prozent nach unten), ist für die meisten Amazon-Aktionäre mehr als verkraftbar. Immerhin konnten die Papiere seit Jahresbeginn um rund 40 Prozent zulegen und notieren mittlerweile doch recht deutlich über die „magischen“ 1.000 US-Dollar-Marke. Aktuell gibt es zudem 26 Analystenkommentare für die Amazon-Aktie, wovon 25 (!) die Aktie zum „Kauf“ empfehlen. Das ambitionierteste Kursziel der vergangenen Wochen kommt dabei von Goldman Sachs. Analyst Heath Terry hob Ende Juni sein Kursziel für die Aktie des Onlinehändlers von 1.250 auf 1.275 US-Dollar an. In einer Sektor-Studie lobte er vor allem die Entwicklung in den Bereichen „Wachstum, Dynamik und Größenvorteile“. Amazon bleibt somit auch unverändert auf Goldmans „Conviction Buy List“.