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Restrukturierung · 02. August 2017

Commerzbank mit herben Verlusten

Commerzbank-Tower in Frankfurt
Quelle: volzformat/Shutterstock
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Erwartungsgemäß ist die Commerzbank zurück in den roten Zahlen. Allerdings überrascht die schiere Höhe der Verluste doch ein wenig. Vor allem der anhaltende Stellenabbau und ein schwieriges Marktumfeld setzen das Bankhaus unter Druck.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Das liest sich nicht besonders gut. Im vergangenen Quartal weist die Commerzbank einen Nettoverlust in Höhe von 637 Millionen Euro aus und somit noch etwas mehr als von Analysten im Vorfeld erwartet. Zwar hatten Beobachter durchaus einen Verlust mit einem Verlust gerechnet, allerdings sollte dieser, so die Konsens-Schätzung von Analysten, nicht über 556 Millionen Euro liegen. Dass die Verluste nun deutlich höher ausgefallen sind, liegt vor allem an einem eher schwierigen Marktumfeld sowie anhaltend hoher Restrukturierungskosten. Allein der Stellenabbau der vergangenen Monate schlug mit insgesamt 807 Millionen Euro zu Buche. Auch operativ war für die Commerzbank zuletzt eher wenig zu holen. Bereits im vergangenen Juni teilte die Commerzbank mit, dass das operative Ergebnis niedriger ausfallen würde als im Vorquartal. Es lag im Zeitraum von April bis Juni bei 183 Millionen Euro nach 351 Millionen im Vorjahreszeitraum und 332 im Vorquartal.

Zielke sieht sich im Plan

Bei der Commerzbank sieht man sich dennoch im Plan. Bereits vor einigen Monaten wurden die Geschäftsjahre 2017 und 2018 zu sogenannten „Transformationsjahren“ erklärt. Die Bank soll „fit“ gemacht werden für die Herausforderungen der Digitalisierung. Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank: „Wir haben die Rückstellungen für den Personalabbau frühzeitig und vollständig gebucht und sind einen weiteren wichtigen Schritt bei der Umsetzung unserer Strategie vorangekommen. Im Kundenwachstum liegen wir über Plan, auch weil wir investiert haben. Bis sich unser Kundenwachstum in Ertragswachstum niederschlägt, wird aber noch etwas Zeit vergehen. Damit schaffen wir jedoch in den Transformationsjahren 2017 und 2018 die Basis für eine nachhaltig höhere Profitabilität“.

Commerzbank ist gut kapitalisiert

Dennoch gibt es heute auch die ein oder andere positive Meldung. So ist die Commerzbank weiterhin gut kapitalisiert. Die harte Kernkapitalquote unter Vollumsetzung des Bankenregelwerks Basel 3 betrug solide 13,0 Prozent nach 12,5 Prozent zum Ende des ersten Quartals. Zwar sanken die Erträge vor Risikovorsorge von 2,24 Milliarden Euro auf nun 2,07 Milliarden Euro, allerdings musste das Bankhaus im vergangenen Quartal rund 167 Millionen Euro weniger für ausfallgefährdete Kredite zurücklegen als zuletzt. Zudem liegt das Kundenwachstum über Plan, wenngleich Martin Zielke konstatiert, dass sich die Erträge aus diesem Wachstum erst mittelfristig bemerkbar machen. Die Zahl der Nettoneukunden stieg seit Oktober 2016 immerhin um rund 522.000. In diesen Zahlen sind jedoch gut 100.000 Kunden aus der Übernahme von Onvista durch die Comdirect enthalten.

Verlust im Gesamtjahr soll vermieden werden

Für das Gesamtjahr geht die Commerzbank jedoch weiterhin davon aus, einen Verlust vermeiden zu können. Nach eigenen Angaben rechnet man mit „leicht positiven Konzernergebnis“. Einen wesentlichen Beitrag hierzu sollen Erträge „in Höhe von mehr als 390 Millionen Euro aus Verkäufen und Bewertungen“ im zweiten Halbjahr beitragen. Die Mehrheit der Analysten ist jedoch eher skeptisch was den weiteren Ausblick für die Commerzbank angeht. „Transformationsjahre“ sorgen nicht unbedingt für ausufernde Euphorie bei Analysten wie Anlegern gleichermaßen. So raten nur drei von 22 Analysten die Commerzbank-Aktie zu „kaufen“, während 12 Beobachter empfehlen die Aktie lediglich zu „halten“. Insgesamt, so der Tenor der Analysten, lässt sich derzeit schwer abschätzen wie schnell und effektiv das Bankhaus mit dieser „Transformation“ voran kommt und nicht zuletzt sind auch die dafür notwendigen Kosten nur sehr schwer zu kalkulieren.