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Gastbeitrag Commerzbank Research · 04. August 2017

EUR/USD nimmt die 1,20-Marke ins Visier!

zusammengerollte 100 US-Dollar-Scheine
Quelle: Marian Weyo/Shutterstock
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Schwächer, schwächer, schwächer. Der USD kennt derzeit eigentlich nur eine Tendenz. Ob gegenüber dem EUR, dem JPY oder dem CNY: Der USD gibt auf breiter Basis nach. Zum EUR kommt langsam die Marke von 1,20 ins Visier.

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-zum Autor: Lutz Karpowitz ist Devisen-Analyst bei der Commerzbank AG-
Es wird immer deutlicher, dass der Greenback auch unter der Regierungsschwäche von Präsident Donald Trump leidet – zu chaotisch sind die Verhältnisse im Weißen Haus. Damit haben sich nicht nur die Hoffnungen zerschlagen, die kurz nach der Wahl aufkamen und in sprunghaft gestiegenen Inflationserwartungen abzulesen waren. Mittlerweile wird Trump zu einer Belastung für die eigene Währung.

Fundamentaldaten sind in Ordnung - eigentlich...

Dabei sehen die Fundamentaldaten bisher eigentlich gar nicht schlecht aus. So hat der Arbeitsmarkt mehr oder weniger Vollbeschäftigungsniveau erreicht. Das aber könnte nun langsam zu einem Problem werden. Denn zwangsläufig werden bei nahender Vollbeschäftigung die Stellenzuwächse außerhalb der Landwirtschaft (Non Farm Payrolls, NFP) immer geringer ausfallen. Bisher betrugen sie in 2017 durchschnittlich 180 Tsd. pro Monat. Unsere US-Ökonomen erwarten, dass sich der Zuwachs eher in Richtung 100 Tsd. abschwächt. Das wäre zwar ausschließlich dem hohen Auslastungsgrad der Wirtschaft geschuldet. Am Devisenmarkt könnte eine solche Abschwächung aber als willkommene Einladung gesehen werden, den USD zu verkaufen. Für den heute anstehenden Juli-Bericht liegt die Konsensschätzung von Bloomberg bei 180 Tsd. neuen Stellen. Also genau auf dem Niveau der letzten Monate. Wir erwarten, dass die Daten sich langsam abschwächen und rechnen für heute nur mit 170 Tsd. Netto-Einstellungen. Insgesamt gilt für die heutigen Zahlen: Schwache Daten dürften dem USD mehr schaden, als gute Daten in der Lage wären, Rückenwind zu generieren. Wie gesagt: Langsam rückt die Marke von 1,20 in den Fokus. Um diese Marke heute wirklich schon anzugreifen, müsste der Arbeitsmarktbericht aber nicht nur enttäuschen, sondern geradezu katastrophal ausfallen.

Probleme der Dollar-Schwäche

Denn auch bei der ausgeprägten USD-Schwäche (wir starteten das Jahr in EUR-USD bei rund 1,05!) sollte nicht vergessen werden: Es werden immer wieder Stimmen aufkommen, die den Greenback als mittlerweile billig bezeichnen oder darauf hinweisen, dass die Luft für noch schwächere USD-Notierungen langsam dünn wird. Und irgendwann wäre dann ja auch noch mit Unterstützung aus Europa zu rechnen. Denn einen schnellen Sprung über die Marke von 1,20 würde die EZB sicherlich mit Argusaugen beobachten. Ihr passt der starke EUR schon aufgrund der dämpfenden Effekte für die Inflationsrate kaum in den Kram. Und für alle, die es bereits vergessen haben: 2014 war es die EZB, die knapp unter 1,40 den EUR zum Thema machte und eine weitere Aufwertung des Euro abrupt stoppte.