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Gastbeitrag Commerzbank Research · 07. August 2017

EUR/USD: Korrektur oder Trendumkehr?

Euro- und US-Dollar-Scheine auf einem Schachbrett
Quelle: Nagy-Bagoly Arpad/Shutterstock
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Bereits seit Jahresbeginn sinkt der Kurs des US-Dollar zum Euro kontinuierlich. Seit einigen Wochen gar mit einer gänzlich neuen Dynamik. Muss man sich mittlerweile Sorgen machen? Droht vielleicht sogar eine Blasenbildung?

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-zum Autor: Ulrich Leuchtmann, Leiter Devisenanalyse, Commerzbank Research-
Nach der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts am Freitag fiel EUR-USD deutlich von Niveaus über 1,1860 auf teilweise unter 1,1750. Mittlerweile hat sich der Wechselkurs wieder ein wenig erholt, doch notiert weiterhin deutlich unter den Niveaus von vor dem Bericht. Ich könnte Ihnen jetzt lang und breit erklären, dass der gute Arbeitsmarktbericht die Chance erhöht, dass die Lohninflation endlich steigt und dass damit die Chance steigt, dass die Fed doch schneller ihren Leitzins erhöht, als der Markt derzeit glaubt. Das wäre die typische Erklärung eines fundamental argumentierenden Analysten. Für das, was am Freitag geschehen ist, ist das leider wahrscheinlich eine völlig ungeeignete Erklärung. Denn die Erwartung des Marktes bezüglich der Fed-Politik hat sich auch nach dem Arbeitsmarktbericht nicht wesentlich geändert.

Die "rationale Blase"

Ich denke eher, dass die Marktreaktion am Freitag beweist, dass ein Teil der jüngsten EUR/USD-Bewegung der letzten Wochen das war, was Ökonomen eine „rationale Blase“ nennen. Wenn Marktakteure EUR-USD kaufen, ohne die Niveaus fundamental gerechtfertigt zu halten, sondern allein deshalb, weil sie eine weitere Aufwärtsbewegung erwarten, dann handeln sie nicht unbedingt irrational (Wer das glaubt, ist selbst irrational!). In einem solchen Fall weist der Kursverlauf typischerweise einen exponentiellen Verlauf auf. EUR-USD sah schon ziemlich nach solch einem Muster aus. Das Problem an solchen Blasen ist: Je weiter sie laufen, desto fragiler werden sie. Irgendwann genügt ein nichtiger Anlass (der berühmte Flügelschlag eines Schmetterlings im Amazonas oder eben ein US-Arbeitsmarktbericht), um sie zum Platzen zu bringen.

Hat die Story genügend Anhänger?

Heißt das, dass all die USD-Schwäche und die gute EUR-USD-Performance eine Blase war und die Wechselkurse jetzt wieder auf die Niveaus vom Jahresanfang zurückkehren? Keinesfalls! Einige Marktakteure mögen in den letzten Wochen auf den EUR-USD-Zug aufgesprungen sein, ohne von der fundamentalen Story überzeugt gewesen zu sein. Doch das gilt nicht für alle (sonst hätten wir keine Erholung von den 1,1750-Niveaus gesehen). In den nächsten Tagen wird sich zeigen, ob die Story genügend Anhänger hat, EUR-USD auch ohne die schnellen Trend-Folger, die Freitag ausgestiegen sind, nach oben zu treiben.