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Zinserhöhung wird wohl verschoben · 17.08.2017 09:00 Uhr

Fed hadert mit der Inflation

Gebäude der Fed in Washington
Quelle: Orhan Cam/Shutterstock
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Soll man die Zinsen jetzt noch einmal anheben oder besser nicht? Diese Frage wurde offenbar auf der Fed-Sitzung vom 25. und 26. Juli heiß diskutiert. Einige Notenbanker hegen offenbar zunehmend Zweifel.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Wie aus dem gestern Abend veröffentlichten Fed-Protokoll hervorgeht, wurden auf der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) so angeregt diskutiert wie lange nicht mehr. Dissens herrscht vor allem hinsichtlich der Frage wie der weitere Fahrplan künftiger Zinserhöhungen aussehen soll. Einige regionale Notenbanker schlugen vor, weiter Zinserhöhungen für den Moment auszusetzen. Aus ihrer Sicht könne es sich die Fed aktuell wieder leisten etwas geduldiger zu sein und erst einmal abzuwarten. Gegner dieser Argumentation fürchten wiederum unkalkulierbare Folgen, wenn der robuste Arbeitsmarkt und die hohen Aktienmärkte ihre Wirkung entfalten und die Inflation antreiben. Diese, so die Befürchtung, könnte dann weit über das Ziel hinaus schießen und wäre kaum mehr kontrollierbar.

Schwache Inflation bereitet Sorgen

Vor allem die überraschend schwache Inflation der vergangenen Wochen sorgt derzeit für zunehmende Ratlosigkeit unter den Notenbankern. Die Teuerungsraten in den USA sind bereits seit Monaten weit unter den Erwartungen. Die Inflationsrate lag zuletzt bei 1,7 Prozent und der Preisindex der privaten Konsumausgaben stieg lediglich mit einer Jahresrate von 1,4 Prozent. Wie die EZB, strebt die Fed ebenfalls eine Kerninflationsrate von rund zwei Prozent an. Zumindest aus fundamentaler Sicht gibt es derzeit eigentlich genügend gute Gründe, dass der Preisdruck deutlich anstiegen müsste. Aber das passiert derzeit einfach nicht und das obwohl der Arbeitsmarkt bereits heute in einer sehr robusten Verfassung ist, die Aktienmärkte bereits in den vergangenen Wochen von Rekord zu Rekord geeilt und die Leitzinsen auch auf dem aktuellen Niveau von 1,00 bis 1,25 Prozent noch immer nicht wirklich hoch sind.

Notenbanker in der Zwickmühle

Nun befinden sich die Notenbanker offenbar in einer Zwickmühle. Soll man die Situation einfach „laufen lassen“, in der Hoffnung, dass die Inflation in den kommenden Monaten doch noch – moderat – anzieht? Der Vorteil eines solchen Vorgehens, liegt auf der Hand: Auf diese Weise sinkt die Gefahr, dass man durch eine zu schnelle Zinserhöhung die Konjunktur und das zarte Pflänzchen Inflation weiter abwürgt. Eine weiter sinkende Inflation will und kann man sich derzeit offensichtlich nicht leisten. Die Gefahr eines solchen Vorgehens liegt allerdings ebenfalls auf der Hand: Zögert die Fed zu lange mit weiteren Zinserhöhungen und die Inflation zieht doch schneller deutlicher an als erwartet, so wird es immer schwieriger diese Spirale wieder in Lot zu bringen.

Fed-Bilanzsumme soll verkleinert werden

Nimmt man das Fed-Protokoll als Basis so mehren sich mittlerweile die Zweifel vieler Marktteilnehmer, dass im laufenden Jahr noch zu einer weiteren Zinserhöhung kommen wird. Dabei stellte der FOMC bei seiner jüngsten Leitzinsanhebung im Juni noch mindestens einen weiteren Zinsschritt für dieses Jahr in Aussicht. Fed-Funds-Futures preisen derzeit eine Zinserhöhung im kommenden Jahr ein. Doch es gibt auch noch einen Punkt in dem man sich innerhalb des FOMC einig ist. So soll die Bilanzsumme der Fed „relativ bald“ sukzessive verkleinert werden. Eine langsame Bilanzverkleinerung sei ohne größere Verwerfungen an den Märkten mittlerweile durchaus möglich.
Erstellt am 17.08.17 um 08:50
Veröffentlicht am 17.08.17 um 09:00