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Devisen im Fokus · 25.08.2017 10:10 Uhr

Jackson Hole: Yellens Freiheit, Draghis Dilemma

Euro- und US-Dollar-Scheine auf einem Schachbrett
Quelle: Nagy-Bagoly Arpad/Shutterstock
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Devisenanleger aufgepasst - Gestern begann das Treffen der Notenbanker in der US-Stadt Jackson Hole. Aber heute geht es so richtig los und zwar um 16 Uhr mit der Rede von Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank.

-Gastbeitrag von Lutz Karpowitz (Commerzbank AG, Devisenanalyse, CM Research)-
Wer sich den EUR-USD-Chart in den letzten zwei Wochen ansieht, merkt schon, dass relativ wenige Impulse vorhanden waren.
Das Währungspaar dümpelte im Bereich um 1,18 und selbst kurioseste Tweets vom US Präsidenten haben den Devisenmarkt kaum noch aufgeschreckt.
Mit der Konferenz in Jackson Hole aber kommen wir nun zu dem Thema zurück, auf das letztlich Alles ankommt: Die weitere Vorgehensweise der Notenbanken.
Bisher hat der Devisenmarkt trotz bereits vier Zinserhöhungen seit Ende 2015 und davon allein drei in den letzten 9 Monaten keinen Zinserhöhungszyklus durch die Fed eingepreist. Vielmehr geht der Markt gemessen an den Fed Funds Futures davon aus, dass die Fed ab sofort ein erheblich langsameres Tempo anschlagen wird und die Zinsen bis Ende nächsten Jahres maximal noch einmal erhöhen wird. Selten gingen die Vorstellungen des Marktes und die eigenen Prognosen der Fed so weit auseinander.

Yellen - müder Falke oder flügellahme Taube

Für die Rede von Yellen heute ist die Ausgangslage damit anscheinend relativ eindeutig. Da bis Ende 2018 noch nicht einmal mehr eine Zinserhöhung vollständig eingepreist ist, kann sie kaum auf der taubenhaften Seite überraschen. Weitere USD-Dollar-Schwäche ist damit eher unwahrscheinlich.
Aber das gilt zunächst wohl auch für eine USD-Stärke. Denn selbst, wenn Yellen in ihrer Rede weitere Zinserhöhungen durch die Fed andeuten sollte, wird sie klarmachen, dass solche immer von den Daten abhängig bleiben. Inflation und Löhne müssten also zunächst anziehen, bevor Investoren wirklich viel auf Hinweise zu möglichen Zinserhöhungen geben.
Genau diese Konstellation ist schon seit Monaten zu beobachten. So trist das Ergebnis damit aber auch ist: Größere Impulse für den USD sind heute nicht zu erwarten. Yellen braucht bei ihrer Rede mögliche Marktimplikationen kaum im Blick zu haben.

Draghis schwerster Job

Den deutlich schwereren Job im Vergleich zu Yellen hat heute EZB-Präsident Mario Draghi. Das liegt schon an der Ausgangslage:
Seit Jahresbeginn befindet sich der EUR auf dem Vormarsch. Der EZB wird das langsam zu viel, da eine festere Währung über die Importe die Teuerung drückt, die eh zu niedrig ist. Im letzten EZB-Protokoll war der Euro daher schon Thema, was zumindest zwischenzeitlich den Markt zum Nachdenken brachte.
Nun kann Draghi in seiner heutigen Rede (21 Uhr) nicht Nichts sagen, was den Euro angeht. Denn in diesem Fall müsste er mit einer kräftigen Aufwertung rechnen, die er sicherlich nicht befeuern möchte.
Andererseits kann er in Wyoming kaum die verbale Interventionskeule herausholen, da sich die Notenbanken gegenseitig versprochen haben, auf einen Abwertungswettlauf zu verzichten. Hinzu kommt, dass die Wirtschaft in der Eurozone floriert und Draghi auch nicht absichtlich den Pessimisten spielen kann. Immerhin muss die EZB demnächst ankündigen, dass sie die Wertpapierkäufe beenden wird.
Die gute wirtschaftliche Lage kommt der EZB in diesem Fall grad recht, denn der eigentliche Zwang für ein Ende der Käufe ist ein rein rechtlicher.

Draghis Drahtseilakt

Ein pessimistischer Ausblick ist für Draghi also keine Alternative. Was bleibt, ist ein Drahtseilakt, um keine größere EUR-Stärke auszulösen. Mit all seiner Erfahrung darf man Draghi aber zutrauen, dass er das meistert. Moderate EUR-Gewinne wird er aber nur schwer vermeiden können.
Einen Vorteil aber hat Draghi zumindest: Er spricht nach der Fed-Chefin und kann so zumindest nicht überrascht werden. Für EUR-USD sind das insgesamt gegenläufige Effekte.
Ich würde aber davon ausgehen, dass die EUR positiven Effekte aus der Draghi-Rede die USD positiven Effekte aus der Yellen-Rede übertreffen. EUR-USD könnte also durchaus noch einmal die Oberseite testen.

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Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
agr/bstv
Erstellt / Veröffentlicht am 25.08.2017 um 10:00
Erhalten am 25.08.2017 um 09:07