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Gastbeitrag Commerzbank Research · 28.08.2017 13:42 Uhr

Gold & Öl: Wenig Preisreaktion nach Wirbelsturm Harvey

Öl und Gold im Fokus
Quelle: ikayaki / Shutterstock
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Wirbelsturm Harvey sorgt für erheblichen Beeinträchtigungen der US-Ölproduktion und Rohölverarbeitung. Wie reagieren die Ölpreise und warum notiert der Goldpreis knapp unter seinem 9-Monats-Hoch?

-Von Eugen Weinberg, Commerzbank AG, Leiter Rohstoffanalyse, CM Research-
Die Ölpreise reagieren uneinheitlich auf die erheblichen Beeinträchtigungen der US-Ölproduktion und Rohölverarbeitung durch Wirbelsturm Harvey. Brent stieg in der Nacht zunächst auf knapp 53 USD je Barrel, gab die Gewinne aber schnell wieder ab und handelt aktuell bei 52,3 USD je Barrel. WTI stieg kurzzeitig über 48 USD je Barrel, notiert inzwischen aber nur noch bei 47,5 USD je Barrel sogar im Minus. Die Preisdifferenz zwischen Brent und WTI weitete sich bis auf knapp 5 USD je Barrel aus, was dem höchsten Preisabstand seit zwei Jahren entspricht. Die Auswirkungen von Harvey auf den Ölmarkt sind dabei gegensätzlich. Die US-Rohölproduktion im Golf von Mexiko musste teilweise unterbrochen werden. Die Ausfälle belaufen sich laut Schätzung des Amtes für Sicherheit und Umwelt auf 379 Tsd. Barrel pro Tag. Auch an Land könnten bis zu 300 Tsd. Barrel pro Tag an Produktionskapazitäten geschlossen worden sein. Betroffen hiervon ist insbesondere das Schieferölvorkommen Eagle Ford im Süden von Texas. Dem stehen schätzungsweise 2 Mio. Barrel pro Tag an fehlender Nachfrage durch geschlossene Raffineriekapazitäten an der texanischen Golfküste gegenüber. Wie lange die Raffinerien geschlossen bleiben, lässt sich im Moment noch nicht abschätzen. Der US-Benzinpreis erreichte daraufhin bei 178 US-Cents je Gallone ein 2-Jahreshoch. Durch die Schließung des Houston Ship Channel und einiger Verladeterminals im Großraum Houston dürften auch die Importe und Exporte von Rohöl und Ölprodukten beeinträchtigt sein. Die genannten Folgen von Hurrikan Harvey dürften damit auch für erhebliche Verzerrungen in der kommenden US-Lagerstatistik sorgen.

Goldpreis

Der Goldpreis steigt am Morgen auf knapp 1.300 USD je Feinunze und nähert sich damit wieder dem 9-Monatshoch von Mitte August. Der Preisanstieg ist primär auf die Schwäche des US-Dollar nach den Reden von Fed-Chefin Yellen und EZB-Präsident Draghi am Freitag auf der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole zurückzuführen. Der Goldpreis in Euro notiert dagegen mit weniger als 1.090 EUR je Feinunze unter dem Niveau von Freitagnachmittag unmittelbar vor den Reden von Yellen und Draghi. Diese brachten keine neuen Erkenntnisse zur weiteren geldpolitischen Ausrichtung von Fed und EZB. Auch bei den Zinserwartungen hat sich laut Fed Fund Futures seit Freitag nichts getan. Diese preisen eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr nach wie vor nur zu 35% ein. Bis Ende 2018 liegt die Wahrscheinlichkeit dafür nur bei gut 70%. Dennoch geriet der US-Dollar im Anschluss stark unter Druck. Der EUR-USD-Wechselkurs stieg in der Nacht über 1,1950, das höchste Niveau seit Anfang 2015. Unterstützt wurde der Goldpreisanstieg am Freitag auch durch einen kräftigen Zufluss in den SPDR Gold Trust von knapp 6 Tonnen. Das ist der stärkste Tageszufluss in den weltgrößten Gold-ETF seit Anfang Juni. Auch die spekulativen Finanzanleger setzen weiter auf einen steigenden Goldpreis und tragen mit ihren Käufen zum Preisanstieg bei. Die Netto-Long-Positionen stiegen die sechste Woche in Folge und erreichten per 22. August mit 194 Tsd. Kontrakten das höchste Niveau seit Anfang
Oktober 2016. Auch bei Silber und Platin ging der jüngste Preisanstieg mit einer Ausweitung der spekulativen Netto-Long-Positionen einher.

Quelle: Commerzbank

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cf/bstv Erstellt 28.08.2917 um 13:30 Erhalten um 12:05