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EUR USD und CAD · 31.08.2017 12:00 Uhr

Eiskalte Füße

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Mike Focus / Shutterstock.com
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Es ist fast schon amüsant, wie der Markt eiskalte Füße bekommen hat: schnell die 1,20-Marke in EUR-USD angreifen und aber dann auch schnell wieder auf sicheres Terrain unter 1,19 zurück.

Antje Praefcke (Analyst FX & EM Research Commerzbank)
Es ist fast schon amüsant, wie der Markt gelinde gesagt eiskalte Füße bekommen hat: schnell die 1,20-Marke in EUR-USD angreifen und alle Stop-Losses nach oben ziehen, sich aber dann auch schnell wieder auf sicheres Terrain unter 1,19 zurückziehen – und das dann noch auf Basis guter US-Daten (ADP Index, Q2 BIP), die monatelang geflissentlich ignoriert wurden.
Denn man weiß ja nicht, ob Notierungen deutlich über 1,20 eben doch eine Nummer zu viel für EZB-Chef Mario Draghi und seine Kollegen im EZB-Rat sind.
Obwohl es für eine Zentralbank nicht um einen Cent mehr oder weniger geht, wenn sie sich um die Aufoder Abwertung der Währung und die möglichen Folgen für die Inflation sorgt. Es geht um die generelle Tendenz.
Und die wird den EZB-Oberen sicherlich nicht gefallen, wie schon im letzten EZB-Protokoll sichtbar war.
Insofern können wir nächste Woche auf der EZB-Sitzung mit Kommentaren zur Währungsentwicklung rechnen. Diese werden aber weniger in Richtung „der Euro ist zu stark“ gehen, sondern vielmehr in Richtung „wir werden die Wechselkurse genau beobachten“ (wie 2014).
Je höher der Euro im Vorfeld der Sitzung steigt oder gestiegen ist, desto höher natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass solch eine Aussage kommt. Insbesondere deshalb, weil die EZB ihre Wechselkursprognose, die im Juni noch bei 1,09 lag, jetzt definitiv deutlich nach oben anheben muss. Und wer mag sich gegen eine mächtige EZB stellen, die schon im Frühjahr 2014 den Höhenflug des Euro mit verbalen Interventionen beendete?
Heute werden noch die Inflationsdaten der Eurozone für August veröffentlicht. Der Konsens und wir rechnen mit 1,4% ggü. Vj. für die Gesamtrate und 1,2% für die Kernrate. Die Daten müssten schon merklich nach oben überraschen (womit wir nicht rechnen), um frische Euro-Longs zu rechtfertigen.
Ich wäre mit Blick auf den 7. September sowieso vorsichtig. Und der Markt hat das mittlerweile auch kapiert.

schweigsame Fed

Redefreudig sind die Vertreter des FOMC derzeit nicht, sie befinden sich zum Großteil noch in der Sommerpause. Entsprechend wenig Neues hat der Markt in der Hand, um seine Zinserwartungen anzupassen, nachdem Fed Chair Janet Yellen bereits letzte Woche in Jackson Hole zur Geldpolitik schwieg.
Dass die Wirtschaft wächst und der Arbeitsmarkt gut läuft, wie gestern die starke dritte Schätzung des Q2-BIP und der hohe ADP-Wert untermauerten, ist letztlich bekannt und keine Neueinschätzung wert – schließlich war es das auch nicht in den letzten Monaten.
Kleiner Lichtblick für heute: die Veröffentlichung des PCE Index, das von der Fed präferierten Maß für die Inflation. Denn auf die Preise kommt es jetzt an, wie die Fed weiter vorgehen wird, nicht auf den Arbeitsmarkt. Und hier stehen immer noch die Sorgen mehrerer FOMC-Mitglieder über einen zu schwachen Preisdruck im Raum. Nur leider wird der PCE-Index den Markt in seiner Skepsis wohl bestätigen, dass die Inflationsentwicklung nicht ausreicht, um einen zügigen Zinserhöhungszyklus, wie ihn die Fed bislang signalisiert, zu rechtfertigen.
Was den Dollar im Moment stützt, ist in erster Linie die Angst vor dem eigenen Mut (siehe oben).

Kanada: Alles beim Alten

Dass Kanada von einem soliden Wachstum profitiert, werden heute die BIP-Daten für das zweite Quartal untermauern. Bereits im Juli hatte die Bank of Canada (BoC) ihre Prognose für 2017 auf satte 2,8% angehoben, die für 2018 auf 2,0%. Sollten die BIP-Zahlen heute nach oben überraschen, könnte sie nächste Woche ihre Prognose für 2017 noch einmal anheben. Auf Basis des starken Wachstums, das sich zusehends auf immer mehr Wirtschaftssektoren auswirkt, hat die BoC den Leitzins im Juli um 25 Bp auf 0,75% angehoben, obwohl sie ihre Inflationsprognosen im gleichen Zug senkte. Sie betonte dabei, dass in erster Linie temporäre Faktoren die Inflation zurzeit niedrig halten, die aber bis Mitte 2018 auf das Ziel von 2% steigen dürfte.
Ich bin skeptisch, dass die BoC den Zinserhöhungszyklus aufgrund der hohen Wirtschaftsdynamik sehr schnell – da heißt bereits nächste Woche – fortführen wird. Denn der unterliegende Inflationstrend ist noch zu schwach, um bereits im September eine weitere Zinserhöhung zu rechtfertigen.
Außerdem hat der CAD seit Mai zwischenzeitlich um fast 10% gegenüber dem USD aufgewertet. Eine weitere Zinserhöhung, die vom Markt nicht eingepreist ist, würde die Aufwertungstendenz des CAD verstärken und könnte den Inflationsausblick wieder eintrüben. Zudem würde der Exportsektor unter einem stärkeren CAD leiden.
Alles in allem also gute Gründe, die Geldpolitik erst einmal nicht zu verändern. Die Unterstützung bei 1,24 in USD-CAD dürfte daher zunächst halten.

Disclaimer

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agr/bstv/31.08.2017/12:00