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Devisen im Fokus: USD-CAD-JPY-EUR · 06.09.2017 11:00 Uhr

Haben die US-Zinserhöhungen der Wirtschaft geschadet?

Grafik zum Devisenpaar Euro/Dollar
Quelle: elen_studio / Shutterstock.com
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Die oft beschworene Zinswende in den USA ist zum Erliegen gekommen. Die schleppende Inflation lässt selbst die Fed-Oberen am eigenen Kurs zweifeln. Einige der FOMC Mitglieder sagen jetzt sogar: Zinserhöhungen haben der Wirtschaft geschadet.

Thu Lan Nguyen (Analyst FX & EM Research Commerzbank)
Der Markt glaubt schon länger nicht mehr an eine Fortsetzung des Zinserhöhungszyklus in den USA und preist gerade noch einen Zinsschritt bis Ende nächsten Jahres ein. Das ist mittlerweile keine Neuigkeit mehr.
Wenn man allerdings den jüngsten Worten einiger FOMC-Mitglieder lauscht, könnte man meinen, dass nun auch die US-Notenbanker zunehmend an ihren eigenen Normalisierungsplänen zweifeln.
Gleich drei stimmberechtigte FOMC-Mitglieder, Lael Brainard, Neel Kashkari sowie Robert Kaplan, äußerten sich gestern und heute früh überaus vorsichtig in Bezug auf weitere Zinserhöhungen. Alle drei nannten die frustrierend schwache Inflation als Grund.
Kashkari ging sogar so weit und mutmaßte, dass die bisherigen Zinserhöhungen der Fed der US-Wirtschaft geschadet haben könnten, da sie die Erholung am Arbeitsmarkt und damit das Lohnwachstum gebremst haben. Aus diesem Grund bliebe der Preisauftrieb schwach und seien die Inflationserwartungen gefallen.

Dollar: Abwärtspotenzial

Auch wenn der Markt bereits überaus pessimistisch in Bezug auf weitere Zinserhöhungen der Fed ist, scheint es von dieser Seite durchaus noch Abwärtspotenzial für den Dollar zu geben.
So reagierte die US-Währung gestern deutlich verschnupft auf Brainards Äußerungen, die als erste der drei gesprochen hatte und doch eher moderat taubenhafte Töne anschlug.
Man stelle sich nun vor, mehr und mehr FOMC-Mitglieder würden sich der Meinung von Kashkari anschließen.
Doch selbst, wenn sie dies nicht täten, werden es USD-Bullen in den nächsten Wochen weiterhin schwer haben.
Denn es spricht immer mehr dafür, dass die US-Notenbank sich erst zu weiteren Zinserhöhungen durchringen wird, wenn die Inflation nachhaltig steigt.

Bank of Canda dürfte stillhalten

Nur eine Handvoll der von Bloomberg befragten Analysten rechnet heute mit einer weiteren Zinserhöhung der Bank of Canada (BoC). Alle anderen (uns inklusive) glauben, dass sie ihren Leitzins unverändert bei 0,75% belassen wird.
Die Reaktion am Markt auf die Zinsentscheidung dürfte dabei heftiger ausfallen, als es die Analystenprognosen suggerieren. Denn am Markt ist eine Zinserhöhung heute mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit eingepreist (über 40%).
Sollte die BoC ihre Füße heute stillhalten, dürfte der CAD also deutlich nachgeben.
Für einen Zinsschritt spricht zweifellos das zuletzt überraschend starke Wirtschaftswachstum. Im zweiten Quartal stand ein Plus von rund 1% gegenüber Vorquartal zu Buche. Die kanadischen Notenbanker hatten gerade erst im Juli ihre Wachstumsprognose angehoben und auf dieser Basis ihren Leitzins zum ersten Mal in sieben Jahren erhöht.
Nach den starken Q2-Zahlen zeichnet sich nun ein noch stärkeres Wachstum ab als es die BoC noch im Juli unterstellt hatte.
Das für uns wichtigste Argument gegen eine Zinserhöhung ist jedoch die Inflationsentwicklung. Aktuell notiert die Inflation mit knapp 1,2% am unteren Rande des Zielkorridors der BoC von 1-3%. Die Notenbank geht davon aus, dass der jüngste Inflationsrückgang temporär ist und sich zum Ende dieses Jahres langsam umkehrt.
Doch angesichts der hartnäckig niedrigen Inflation in den meisten anderen Industrieländern, wäre es nicht verwunderlich, wenn sie – wie die US-Notenbank – zunächst auf konkretere Zeichen eines stärkeren Preisauftriebs wartet, bevor sie ihre Geldpolitik weiter strafft. Zumal ihre Inflationsprognose auf einem stabilen Wechselkurs basiert.
Der CAD notiert nun aber bereits knapp 6% über dem von der BoC unterstellten Niveau. Mit zu aggressiven Zinserhöhungen würde sie ein Überschießen des Wechselkurses riskieren.

Fallende Löhne in Japan sind gut für den JPY

Für ein Parade-Beispiel von einer hartnäckig niedrigen Inflation trotz starkem Wachstum müssen die Kanadier nur nach Japan schauen.
Die japanische Wirtschaft befindet sich zwar in der längsten Expansionsphase seit mehr als 10 Jahren. Doch die Inflation klebt bei gerade einmal 0,4% ggü. Vorjahr fest. Von einem stärkeren Preisauftrieb fehlt jede Spur.
Im Gegenteil: Die Löhne haben sich im Juli sogar wieder leicht rückläufig entwickelt. Da eine niedrigere Inflation die Kaufkraft der Währung erhöht, ist das sogar eine gute Nachricht für den JPY.
Insbesondere, wenn man davon ausgeht, dass die Bank of Japan nicht in der Lage ist, auf die schwache Preisentwicklung mit einer expansiveren Geldpolitik zu reagieren.

Disclaimer

Rechtliche Hinweise: Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise.
Bitte beachten Sie zusätzlich den wichtigen Hinweis zu allen abgebildeten Charts und Kursverläufen:
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Erstellt / Veröffentlicht am 06.09.2017 um 11:00, Erhalten am 06.09.2017 um 10:00