Nachrichten

Marktbericht Donnerstag · 07.06.2017 17:00 Uhr

Signale der Entspannung um Nordkorea - Wenig Neues von der EZB

ezb-draghi-euro-detail
LaMiaFotografia / Shutterstock.com
Beitrag teilen
Entspannungssignale im Konflikt mit Nordkorea sowie eine überraschende Einigung im US-Haushaltsstreit haben heute die Kurse am deutschen Aktienmarkt angeschoben. Die EZB behält ihren geldpolitischen Ausblick bei.

NEWS AUS DEM HANDEL 3:13min, 07. September 2017, 10:24 Uhr
- von Andreas Groß und Holger Scholze, Börse Stuttgart TV Nachrichtenredaktion - 07.09.2017 -
Südkoreas Präsident Moon Jae In sagte bei einer Veranstaltung im russischen Wladiwostok, es werde keinen Krieg mit Nordkorea geben. Zudem sieht sein russischer Kollege Wladimir Putin auch bei der US-Regierung des Wunsch, den Konflikt zu entschärfen. Für Verhandlungen und eine politische Lösung plädieren darüber hinaus Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Japans Ministerpräsident Shinzo Abe.
Darüber hinaus einigten sich in den USA Präsident Donald Trump und der Kongress am Mittwoch auf eine Zwischenfinanzierung für die amerikanische Bundesregierung bis zum 15. Dezember. Damit konnte der sogenannte "Government Shutdown" vorerst vermieden werden.
Die Börsianer reagierten auf beide Meldungen erleichtert. So notiert der DAX zur Stunde bei 12.327 Punkten mit 0,9 Prozent im Plus.
Zudem stand die EZB-Ratssitzung im Mittelpunkt des Interesses. Die Währungshüter behalten ihren geldpolitischen Ausblick bei. Sie halten an der Option fest, ihr Billionenschweres Anleihen-Kaufprogramm im Notfall hinsichtlich Umfang und/oder Dauer auszuweiten. Seit März 2015 erwirbt die EZB nun schon Staatsanleihen und andere Wertpapiere, aktuell in einem Volumen von monatlich 60 Milliarden Euro.
Dass hinsichtlich Leit- und Einlagezinsen sowie des Anleihekaufprogrammes alles beim alten bleibt hat sicherlich nicht besonders überrascht. Enttäuscht wurden vielmehr Marktteilnehmer, die auf verbale Hinweise zum Ausstieg aus den Bondkäufen hofften.
Thomas Metzger vom Bankhaus Bauer geht davon aus, dass dies im Oktober geschehen wird. Da das Programm nur noch bis Ende Dezember läuft, muss die EZB im Herbst damit beginnen, ihre nächsten Schritte zu kommunizieren
Außerdem wurde bestätigt, dass die Schlüsselzinsen weit über die Zeit der Anleihen-Käufe hinaus auf dem derzeitigen Niveau liegen werden. Die Möglichkeit noch niedrigerer Zinsen hatte die Notenbank bereits im Juni aus ihrem Ausblick gestrichen. Der Leitsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Der sogenannte Einlagensatz steht sogar bei minus 0,4 Prozent. Banken müssten also Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der Notenbank parken würden.
Anlässlich weiter schwelender Nordkorea-Spannungen und Sorgen um die Auswirkungen des Hurrikans "Irma" haben sich die US-Börsen am Donnerstag zum Handelsstart nur mühsam vom Fleck bewegt. Zuletzt ging es dann leicht abwärts.
Die Börse an der Wall Street eröffnet leicht im Minus und pendelt kaum spürbar um den Schlusskurs vom Mittwoch.
Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA hatte in der vergangenen Woche überraschend deutlich zugelegt. Im zweiten Quartal war zudem die Produktivität der US-Wirtschaft stärker gestiegen als erwartet.

Produktion der deutschen Firmen stagniert

Die Produktion der deutschen Unternehmen tritt zum Start des zweiten Halbjahres auf der Stelle. Industrie, Baubranche und Energieversorger stellten im Juli zusammen genauso viel her wie im vorangegangenen Monat. Ökonomen hatten mit einem Wachstum von 0,6 Prozent gerechnet
Dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge spreche die Indikatorenlage dennoch für eine Fortsetzung der positiven Industriekonjunktur.

Brasiliens Notenbank senkt Leitzins auf Vier-Jahres-Tief

Brasiliens Zentralbank hat den Leitzins auf den tiefsten Stand seit vier Jahren gesenkt. Der Schlüsselzins liegt jetzt bei 8,25 Prozent. Analysten hatten auch mit einer Senkung in diesem Umfang gerechnet.
Die größte Volkswirtschaft Südamerikas wuchs zwischen April und Juni um 0,2 Prozent zum Vorquartal. Im ersten Quartal hatte es noch ein Plus von einem Prozent gegeben. Allerdings fiel das Wachstum im Frühjahr einen Tick besser aus als von Ökonomen mit 0,1 Prozent erwartet. Impulse kamen vor allem von den Verbrauchern. Sie steigerten ihre Ausgaben erstmals seit zehn Quartalen, und zwar um 1,4 Prozent. Für Schwung sorgten auch anziehende Exporte. Brasilien ist dabei, die größte Rezession des Landes allmählich abzuschütteln.

"Beige Book": US Wirtschaft wächst – geringe Inflation

Die US-Wirtschaft ist nach einer Umfrage der US-Notenbank Federal Reserve in den vergangenen Wochen weiter gewachsen. Die Aktivität sei im Juli und der ersten August-Hälfte leicht bis moderat gestiegen, teilte die Fed in ihrem sogenannten "Beige Book" mit. Es gebe dennoch nur wenig Anzeichen für einen Anstieg der Inflation. Mehrere Fed-Bezirke berichteten davon, dass viele Firmen Probleme bei der Suche nach neuen Mitarbeitern auf allen Qualifikationsebenen hätten.

Fed-Vize Fischer tritt überraschend zurück

Der Vize-Chef der US-Notenbank Fed, Stanley Fischer, tritt überraschend zurück. Er scheide aus persönlichen Gründen per Mitte Oktober aus, schrieb der 73-jährige in einem Brief an US-Präsident Donald Trump, ohne das näher zu erläutern. Fischers Amtszeit wäre eigentlich erst 2018 ausgelaufen. Jüngst hatte er für Aufsehen gesorgt, als er die US-Regierung eindringlich vor einer Rücknahme der Bankenregulierung warnte. Trump kann die Notenbank nun früher nach seinen Vorstellungen umbauen. Ob er den Vertrag der mächtigen Fed-Chefin Janet Yellen verlängern wird, ist offen. Trump hatte sie im Wahlkampf heftig kritisiert. Ihre Amtszeit endet im Februar 2018.
Am Devisenmarkt sorgte Fischers Ankündigung für Verunsicherung.
agr/bstv - Erstellt am 07.09.2017, um 08:14 Uhr - Veröffentlicht am 07.09.2017, um 08:30 Uhr.
chs/bstv - aktualisiert am 07.09.2017, um 17:00 Uhr.