Nachrichten

Übernahmekampf um Air Berlin · 11.09.2017 09:19 Uhr

Wöhrl bietet 500 Millionen Euro

Air Berlin Flieger
Quelle: Vytautas Kielaitis / Shutterstock
Beitrag teilen
Der Bieterkampf um die insolvente Air Berlin geht in die nächste Runde: Interessiert ist er schon lange, nun hat der Nürnberger Unternehmer ein Angebot abgegeben. Andere Interessenten dürfen sich gerne beteiligen.

Von Cornelia Frey, Börse Stuttgart TV Newsredaktion
Hans Rudolf Wöhrl will nach eigenen Angaben für die insolvente Air Berlin bis zu einer halben Milliarde Euro zahlen. Ein entsprechendes Übernahmeangebot sei am Sonntag bei Air-Berlin-Sachwalter Lucas Flöther eingereicht worden. Zudem seien die Konkurrenten Lufthansa, Condor, Tui, Germania sowie Niki Lauda darüber informiert worden, dass sie sich gerne an dem Angebot beteiligen können. Sollte es zu keiner Beteiligung kommen, könnte Wöhrl die Sanierung zusammen mit Investoren auch allein umsetzen. Ziel der Offerte sei es, die Air-Berlin-Gruppe als Ganzes zu erhalten und als unabhängige Airline fortzuführen, so Unternehmenssprecher.
Wöhrl Firma Intro erklärte, die zur Gruppe gehörende Aurum Project AG biete für die gesamte Air-Berlin-Gruppe, wie sie per Ende 2016 bestanden habe. Der Kaufpreis solle in mehreren Tranchen gezahlt werden. Eine erste Rate von 50 Millionen Euro sei am Übernahmetag fällig, die weiteren Tranchen seien abhängig vom Ergebnis und könnten sich auf bis zu 450 Millionen Euro belaufen. Im Falle eines Weiterverkaufs erhielten die Mitarbeiter eine Gewinnbeteiligung von 100 Millionen Euro.

Lufthansa hat im Bieterkampf die Nase vorne

Bis zum 15. September können Gebote für Air Berlin abgegeben werden. Eine Entscheidung über den Verkauf der Airline wird bis 21. September angepeilt. Neben Wöhrl gibt es mehrere andere Interessenten. In der Bieterschlacht ist die Lufthansa ganz vorne dabei. Seit Monaten treibt der deutsche Marktführer die Übernahme schon voran, am Freitag sollen nun die Verhandlungen beginnen. Im Januar wurde bereits die Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen genehmigt, was rund einem Viertel der Air-Berlin-Flotte entspricht.
Aber auch die britische Easyjet, der deutsche Ferienflieger Condor sowie das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht sind an der insolventen Airline interessiert.
Etihad ist seit 2012 mit einem Anteil von 29,2 Prozent an Air Berlin beteiligt. Nachdem der arabische Großaktionär die Unterstützung entzogen, sah sich Air Berlin zum Insolvenzantrag gezwungen. Noch im April seien 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden, so Etihad. Diese Unterstützung habe man aber angesichts der „sich rapide verschlechternden Geschäftsergebnisse und Liquidität“ nicht weiter leisten wollen. Vermutlich wird ein Großteil der 1,5 Milliarden Schulden am arabischen Teilhaber hängenbleiben.

Aktienkurs hat sich geviertelt

Die aktuelle Entwicklung lässt sich auch am Aktienkurs ablesen. Kostete eine Air Berlin Aktie im Mai in der Spitze noch 1,16 Euro, so wird sie aktuell mit 0,36 Euro gehandelt.